„Hier sind die Leute da, wenn man sie braucht“

Tanja Frohne
Ulrich Cordes ist ein echter Allagener Pohlbürger.
Ulrich Cordes ist ein echter Allagener Pohlbürger.
Foto: Tanja Frohne
Ulrich Cordes ist ein echter Allagener Pohlbürger. Nach seinem Abi verließ er Warstein für 19 Jahre – er kam trotzdem zurück nach Warstein.

Warstein.  Der Blick durch das Fenster ist atemberaubend: Bis zur Lieth und weiter zur Haar kann man schauen, das Möhnetal überblicken und selbst die ersten Häuser Völlinghausens erscheinen in der Ferne. Ulrich Cordes freut sich über diesen ganz besonderen Ausblick, den er jeden Tag genießen kann, seit er im Jahr 2000 zurückgekehrt ist in seinen Heimatort. Eine Rückkehr, die er und seine Frau nie bereut haben, wie Cordes betont.

Eigentlich ist Cordes ein echter Allagener Pohlbürger. Dort, wo heute sein Haus steht, hat sein Großvater Rinderweiden gehabt. „Er hatte Landwirtschaft mit ein paar Rindern und ein paar Schweinen – das war für uns als Kinder das Paradies.“ Klar, dass die Freizeit vor allem draußen, auf den Wiesen und im nahen Wald, stattfand.

Mit 19 Jahren in die Ferne

Mit 19 Jahren, nach dem Abitur am Friedrich-Spee-Gymnasium in Rüthen, zog es ihn zum Studium in die Ferne. Weitere 19 Jahre dauerte es, bis es den Diplom-Geographen mit Schwerpunkt Geo-Botanik nach Allagen zurück verschlug auf die „eigene Scholle“. Vielleicht hat er schon berufsbedingt einen ganz besonderen Blick auf die Natur. „Wir fühlen uns hier sehr wohl. Das hat mit der fantastischen Natur zu tun und mit den Menschen, die hier leben“, betont Cordes. So stieß er gleich auf vertraute Gesichter, mit zwei seiner Nachbarinnen ist er zur Grundschule in Allagen gegangen. „Ich bin hier groß geworden, da kennt man den Menschenschlag. Hier dauert es vielleicht ein bisschen, bis man mit den Menschen warm wird, aber wenn das klappt, dann sind die Leute auch da, wenn man sie braucht. Das gefällt mir.“

Was ihm an den Menschen im Stadtgebiet auch gefalle, sei, dass sie streitbar seien. „Es ist toll, was Werner Braukmann und seine Trinkwasser-Initiative machen. Wasser ist unser höchstes Gut.“ Ebenfalls gern mag Cordes das Warsteiner Bier und er schätzt das Vereinsleben. Selbst ist er Tischtennisspieler und Mitglied im Schützenverein – und er engagiert sich in der Dorfkonferenz, im Arbeitskreis 4, der sich mit den Themen Ortsbild, Verkehr, Grün, Bauen und Wohnen beschäftigt – passend zu seinem Beruf.

Landschaftskunde im Fokus

Beschäftigt ist dieser Arbeitskreis derzeit mit der Erarbeitung eines Leader-Projektes. „Wir haben dem Projekt den Arbeitstitel Landschafts-Wanderwelten gegeben“, erklärt Cordes. „Es geht darum, die Region, in der wir leben – vor allem Allagen/Niederbergheim landschaftskundlich darzustellen.“ Denn hier vereinen sich gleich drei Landschaftstypen: Die Haar als ausgeprägte Ackerlandschaft mit eigener kulturhistorischer Entwicklung, die Möhneaue und das Wannetal als Fluss- und Bachlandschaft sowie im Süden der Arnsberger Wald als die Waldlandschaft. „Was die wenigsten wissen: Durch das Stadtgebiet läuft die Hauptnaturraumgrenze Deutschlands.“ Diese trenne das Nordwestdeutsche Tiefland bzw. das Flachland vom Sauerland, das zum Rheinischen Schiefergebirge bzw. dem Bergland zählt. „Wir liegen direkt auf der Grenze, was in vielerlei Hinsicht interessant ist, wenn man sich die geologischen und geografischen Rahmenbedingungen ansieht.“

Mit Heimatgeschichte beschäftigt

Cordes erläutert, dass geologisch die Waldlandschaft viel älter sei als die Ackerlandschaft und – bis auf Hirschberg – nie besonders stark besiedelt. Für die grünlandgeprägte Flusslandschaft sind kulturhistorisch die Mühlenwirtschaft und später das Kettenschmiedenwesen von Bedeutung. „Ich habe mich ein bisschen mit der Lokalgeschichte beschäftigt, weil sie mich interessiert hat, nachdem ich wieder hierher zurückgekommen bin.“ Diese landschaftlichen Besonderheiten könne man durch das Leader-Projekt erlebbar machen und sowohl Touristen wie der eigenen Bevölkerung näher bringen. Wie auch die Tier- und Pflanzenwelt, die in diesen Landschaften zu finden ist. Cordes erzählt, dass es in der heimischen Ackerlandschaft beispielsweise eine der größten Wiesenweihen-Populationen deutschlandweit gibt. „Die Naturschätze liegen uns vor der eigenen Haustür zu Füßen.“ Daher plane der Initiativkreis einen Rundweg einzurichten, der die verschiedenen Landschaften miteinander verbindet. In diesen soll auch der Campingplatz im Wannetal mit eingebunden werden.

„Es gibt wunderschöne Ausblicke hier“, erzählt Cordes. So seien die Orte eingebunden in die Natur – „und wenn man von der Lieth auf Allagen schaut, ist das einfach atemberaubend“. So haben Cordes und der Arbeitskreis noch eine besondere Vision für die Lieth: Einen Skywalk möchte der Arbeitskreis hier verwirklichen, von dem aus man den Blick über die Flusslandschaft hinweg bis in die Waldlandschaft hinein genießen kann. In die andere Richtung würde der Blick in die Ackerlandschaft hinein fallen. „So könnte man insbesondere die Möhneflusslandschaft mit den renaturierten Flussabschnitten von oben erleben. Das wäre schon klasse.“

Und so würde auch Einheimischen, denen viele Schönheiten der Heimat nicht mehr gegenwärtig sind, wieder deutlich, welcher Schatz vor der Haustür liegt. „So ein Ensemble nah beieinander liegender, völlig unterschiedlicher Landschaftsräume haben nur wir hier – das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“