Helga Hauck fertigt filigrane Krippen

Armin Obalski
Krippen, aber nicht nur Krippen sind ihre Spezialität: Einblick in das große und vielseitige Werk von Helga Hauck aus Altenrüthen.
Krippen, aber nicht nur Krippen sind ihre Spezialität: Einblick in das große und vielseitige Werk von Helga Hauck aus Altenrüthen.
Foto: Armin Obalski
Nachts arbeitet sie am liebsten. Dann zieht sich Helga Hauck aus Altenrüthen in ihr Atelier zurück und fertigt filigrane Figuren aus Ton.

Altenrüthen.  Darf man über eine Künstlerin, die besonders durch ihre filigranen, wie zerbrechlichen Darstellungen des Geschehens bei Christi Geburt bekannt ist, sagen, sie arbeite zu einer unchristlichen Zeit? Bei Helga Hauck trifft es aber zu. Von halb zehn Uhr abends bis zwei, drei Uhr morgens zieht sie sich in ihren schöpferischen Phasen in das Atelier im Keller ihres Hauses in Altenrüthen zurück, um dort kleine Wunderwerke aus Ton entstehen zu lassen.

Jesuskind in einem Kranz aus Rosen

„Die Zeit ist geblieben, seit die Kinder klein waren“, sagt sie, die heute längst mehrfache Großmutter ist. Damals fand sie erst nachts die nötige Ruhe – heute kann sie nicht anders. „Ich habe es ausprobiert, aber das ist meine Zeit.“ Bei einer solchen Nachtschicht entstand auch ihr jüngstes Werk. Es zeigt das Jesuskind in Windeln gewickelt in einer Krippe liegend, umgeben von einem Kranz aus Rosen.

Während es in Helga Haucks Haus viele andere ihrer Werke zu bewundern gibt, gehört dieses nicht dazu. Sie hat es eigens für die 75. Ausstellung im Religio, Westfälisches Museum für religiöse Kultur, in Telgte gefertigt. Und das natürlich passend zum Thema „Heute ist uns der Retter geboren“.

„Die Darstellung ist naiv im besten Sinne“, sagt Helga Hauck über dieses, wie über all ihre anderen Werke – an die 1000 mögen es wohl sein. Volkstümlich meint sie damit, jeden ansprechend durch eine eingängige Bildsprache. Die Botschaft „Heute ist uns der Retter geboren“ solle allen offenstehen, sagt die Künstlerin in einer Zeit, deren Herausforderungen etwa durch das Flüchtlingselend sie sich bewusst ist, die sie aber in ihren Werken ausklammert. In der Darstellung der christlichen Botschaft sieht sie einen tröstlichen Gegenentwurf. „Das Schlimme in der Welt muss ich nicht auch noch darstellen“, sagt die Altenrüthenerin. Vielmehr umschreibt sie ihr Schaffen so: „Die Freude und die Liebe, die ich hineingearbeitet habe, soll auch herausschauen.“

Schon in der Jugend lernte Helga Hauck den Werkstoff Ton kennen – und schätzen. Das künstlerische Arbeiten damit wurde quasi zum Gegenentwurf zum technisch geprägten Uhrmacherhandwerk, das sie auf Wunsch ihres Vaters erlernt hat. Der Beruf ist längst aus ihrem Leben gewichen, die Berufung geblieben. Ton ist in hohem Maß formbar, auch lange veränderbar, so lange er nicht gebrannt ist. „Es gibt nichts Schöneres“, findet Helga Hauck. Auch wenn das Arbeiten mit Ton – früher gab sie selbst Kurse darin – gerade nicht en vogue ist.

Entstanden ist in Jahrzehnten ein beeindruckendes Werk. Zwei Zeugnisse davon sind aktuell neben dem Jesuskind im Rosenkranz im Religio zu sehen. Seit 1978 bereichern immer wieder neue, immer wieder wechselnde Arbeiten Helga Haucks dessen Ausstellungen.

Wohl 40 Stunden, schätzt sie, habe sie an dem jüngsten Werk gearbeitet. Wobei diese Arbeit für sie ein Vergnügen bedeutet. Besonders eindrucksvoll sind auch ihre Stallfenster. In die Sprossen der historischen Rahmen hat sie ebenfalls keramische Szenen von Christi Geburt gearbeitet, ebenso aber andere (biblische) Themen. Ihre Spezialität ist außerdem das Darstellen der „Welt in der Schale“. Märchen, Sagen, Heiligenlegenden bilden ein abgeschlossenes Ganzes, die Schale dient quasi als Rahmen. Nicht nur der Betrachter jedoch ist immer wieder überrascht von solchen Welten im Kleinen. Helga Hauck geht es nicht anders – das liegt vor allem an den Farbgebungen. 200 Glasuren, mit denen sie ihre Arbeiten koloriert, hat sie. Und kein Farbton ist nach dem Brennen wie zuvor. „Wenn ich den Ofen öffne, ist das jedes Mal wie Weihachten für mich. Überraschend ist, wie die Farben geworden sind.“