Helfer der ZUE brauchen selbst Hilfe

Ein Jahr ZUE Flüchtlingsheim Rüthen: Im Keller ist ein Jugendtreff entstanden mit zwei Computerplätzen.
Ein Jahr ZUE Flüchtlingsheim Rüthen: Im Keller ist ein Jugendtreff entstanden mit zwei Computerplätzen.
Foto: Armin Obalski
Das Schicksal der Menschen im Rüthener Flüchtlingsheim belastet auch die ehrenamtlichen Helfer. Sie sollen daher zukünftig psychologisch begleitet werden.

Rüthen.  Das Engagement der ehrenamtlichen Helfer für die Menschen im Rüthener Flüchtlingsheim ist ungebrochen. Wenn sie an Grenzen stoßen, dann höchsten an psychische angesichts der Schicksale mit denen die tagtäglich in ihrer Arbeit konfrontiert werden. Bernd Vorderwisch, Sprecher des Arbeitskreises Asyl, fordert daher eine psychologische Begleitung für diese 40 bis 50 engagierten Mitbürger aus Rüthen und Umgebung.

Ein Jahr, nachdem die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes zunächst als Notunterkunft eingerichtet wurde, zogen Vertreter der Johanniter als Betreuungsverband, der Stadt, der ehrenamtlich Tätigen und der Bezirksregierung Bilanz. Sowohl Udo Schröder-Hörster vom Regionalvorstand der Johanniter als auch Bürgermeister Peter Weiken loben einerseits die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ untereinander, andererseits das große ehrenamtliche Engagement.

Das Ehrenamt

„Die Caritas hat den kleinen Finger geboten und ohne es zu wissen mussten wir die ganze Hand nehmen“, so Schröder-Hörster über deren Einsatz in der Kleiderkammer. Als „Fels in der Brandung“ bezeichnet er diese wie auch den Arbeitskreis Asyl. Nur ist dieser Fels nicht unendlich und vor allem nicht ohne Hilfe belastbar. „Die Mitarbeiter gehen teils tief erschüttert nach Hause von dem, was sie vom Schicksal der Menschen erfahren haben, und können es nicht verarbeiten“, so Bernd Vorderwisch. Ihm selbst geht es nicht anders, auch wenn er als Pfarrer über reichlich Erfahrungen etwa in der Trauerarbeit verfügt. „Ich selbst bin ein anderer geworden.“ Daher fordert Vorderwisch eine psychologische Begleitung für die Ehrenamtlichen ein, wie sie auch für die hauptamtlichen Mitarbeiter erfolgen soll. „Ich habe manche schlaflose Nacht“, ergänzt Monika Schrewe, die als Leiterin der Kleiderkammer mit vielen (un-)menschlichen Schicksalen konfrontiert wird. Schröder-Hörster wie Weiken sagten Hilfe zu.

Die Stadt

„Wir können recht zufrieden zurückblicken“, meint Peter Weiken. „Alles hat ohne größere Zwischenfälle funktioniert und ich bin sicher es wird auch weiter so funktionieren.“ Wie schon im Gespräch mit der Redaktion in der vergangenen Woche warnt der Bürgermeister die Menschen davor, ihre Sichtweise auf Rüthen – was hat sich hier verändert? – zu fokussieren. „Man darf nie vergessen, was um uns herum in der Welt los ist. Dass Rüthen davon nicht unberührt bleibt, ist doch klar.“ Bei einem solchen Krisen- oder Katastrophenfall seien unbürokratisches Handeln und Pragmatismus gefragt.

Die Johanniter

„Mehr als 10 000 Asylbewerbern hat Rüthen erstes Obdach gegeben“, macht Udo Schröder-Hörster deutlich, was ein Jahr ZUE auch – und vor allem bedeutet. Auch wenn es Differenzen gebe, „die Willkommenskultur, die Grundhaltung der Rüthener hat sich bis heute nicht geändert“, sagt er erfreut.

In der Rüthener Unterkunft hat sich der wöchtenliche Durchlauf im Vergleich zur Angangszeit um das fünffache erhöht. Zu Spitzenzeiten gibt es heute 400 Neuaufnahmen pro Woche.

Zwei Neuerungen stellte Schröder-Hörster vor: Im Keller wurde ein Jugendtreff mit zwei Kickern, Billardtisch und zwei PC-Plätzen eingerichtet. „Zu wenig“, monierte Peter Weiken und wünscht sich die Versorgung des Hauses mit kostenfreiem WLAN. Außerdem verfügen die Johanniter nun über ein „Asyl-Mobil“ für Transporte von Menschen und Material.

Die Bezirksregierung

Nicht anders ergeht es Simone Bürger und Claudia Kahlert. Als Vertreterinnen der Bezirksregierung sind sie seit Februar vor Ort. „Bei unserer Arbeit sind die Familienzusammenführungen besonders wichtig“, sagt Simone Bürger. Darauf werde bei den Zuteilungen an die Kommunen besonders geachtet.

 
 

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