Gina Lückenkemper präsentiert Olympia-Ausstattung

Veronika Gregull
Die Sprinterin Gina Lückenkemper trainiert in Dortmund fleißig für die olympischen Spiele - und lernt nebenbei für ihr Abitur.
Die Sprinterin Gina Lückenkemper trainiert in Dortmund fleißig für die olympischen Spiele - und lernt nebenbei für ihr Abitur.
Foto: Funke Foto Services
Sie ist das deutsche Nachwuchstalent im Sprint: Gina Lückenkemper (19) hofft auf ein Ticket für Rio. Heute stellt sie die neue Olympia-Ausstattung vor.
Soest/Dortmund. 
  • Soester Sprinterin stellt Olympia-Kollektion vor
  • Gina Lückenkempers Pläne nach dem Abi
  • Trainer glaub an Olympia-Teilnahme

Dunkelrot und nagelneu. Gina Lückenkemper zupft an ihrem Trainingshirt. „Das gefällt mir super gut“, sagt die Sprinterin aus Soest und dehnt ihre Beine, die Hände in die schmalen Hüften gestemmt. „Da steht zwar unser Logo drauf, aber unser Vereinsrot ist anders“, knurrt Trainer Uli Kunst von der Seite. „Egal was drauf steht – die Hauptsache ist doch, Gina ist drin“, sagt die Sportlerin und grinst über das ganze Gesicht.

Neue Olympia-Ausstattung

Noch mehr als über ihre neue Trainingsausrüstung freut sie sich, bei der heutigen Vorstellung der Olympia-Ausstattung in Düsseldorf dabei sein zu können: „Ich bin schon total gespannt. Da sind Top-Athleten dabei und mittendrin – ich“, sagt Gina und streckt stolz den linken Arm in die Luft.

Die originale Olympia-Kollektion tragen – vielleicht schon ein Vorgeschmack auf die Zeit in Rio? „Das wäre mega geil, wenn das klappt“, sagt die junge Leichtathletin aufgeregt. Auch ihr Trainer ist optimistisch, dass Gina die neue Kollektion nicht nur in Düsseldorf trägt: „Auf Rio ist alles abgestellt. Wenn sie nicht krank wird oder sich verletzt, gehe ich davon aus, dass es klappt.“

Eigentlich müsste die 19-Jährige in der Schule sitzen und die mündliche Abiturprüfung im Fach Geschichte ablegen. „Meine Lehrer sind zum Glück sehr flexibel und so kann ich trotzdem nach Düsseldorf und Ende der Woche die Prüfung machen.“ Schon in den vergangenen Monaten haben ihre Lehrer die ehrgeizige Sportlerin unterstützt. Nach der Fahrt zur WM in Peking bekam sie extra Lernstunden. Im Schulalltag erhält sie dagegen keine Sonderbehandlung, wird von Mitschülern ganz normal behandelt.

„Das will ich auch genauso. Ich bin doch auch wie jeder andere, ich renne nur schnell“, sagt sie. Wenn Lückenkemper mit ihrem weißen Auto durch Soest fährt, kommt es allerdings vor, dass andere Fahrer an der Ampel das Weiterfahren vergessen – zu abgelenkt sind sie von der roten Sprinterin und dem Schriftzug „Run your dream“.

Nach dem Abi will sie neben dem Sport auch Praktika machen und austesten, wo es beruflich hingehen soll. „Das ist zu kurz gekommen. Da nehme ich mir jetzt Zeit für“, sagt Gina. Dehnen, warm laufen und sprinten. Vier mal die Woche. So sah ihre Schulzeit aus. Jetzt würde sie gerne mehr ausprobieren, vielleicht beim Radio reinschnuppern. Auch Fernsehen findet sie spannend, durfte während der WM zum ARD-Morgenmagazin. „Das hat richtig Bock gemacht. Hätte ich die Schule, hätten die mir da direkt ein Job angeboten“, sagt Gina, schon jetzt ein Medien-Profi. Doch erst muss sie die Prüfung bestehen, Angst davor hat sie keine. „Reden kann ich ja“, sagt sie und lacht, wie so oft. „Gina hat ewig gute Laune“, bestätigt Uli Kunst.

Im nächsten Moment steht sie voll konzentriert auf der Startbahn. Die Beine leicht in der Hocke, die Arme angespannt bis in die Fingerspitzen und los. Die blonden Haare wippen hin und her, wenn Gina über die Bahn fegt. „Von Null auf Hundert total konzentriert, das können nur wenige“, sagt Uli Kunst staunend über seinen Schützling. „Sie hat einfach die richtige Einstellung, ist locker und macht sich vor einem Wettkampf keinen Kopf.“

Mentale Stärke

Diese mentale Stärke hat ihr auch bei der WM in Peking geholfen. Mit der deutschen vier mal 100-Meter-Staffel schaffte sie den fünften Platz. „Die Erfahrung in Peking war einfach nur Gold wert. Überhaupt das ganze Feeling da war Gänsehaut pur“, erinnert sich Gina. Wenn sie das Abi in der Tasche hat, geht es nach dem Trainingslager auf Mallorca mit ihrem Team auch sportlich weiter. Das erste Rennen steht am 28. Mai in Herzogenaurach an, dort kann sie sich für die Meisterschaft in Kassel im Juni qualifizieren. Wenn sie danach bei der EM in Amsterdam erfolgreich läuft, ist Rio zum Greifen nah. Die Norm für Olympia über 200 Meter, ihre Paradestrecke, hat sie im vergangenen Jahr bei fast jedem Rennen erreicht.

Der Deutsche Olympische Sportbund hat seinen aussichtsreichsten Kandidaten einen Turnbeutel geschickt: „Rio im Kopf – Deutschland im Rücken“, prangt auf Ginas Exemplar. „Das ist eine riesige Motivation. Ich würde da auch als Wasserträgerin hin, ich will unbedingt dabei sein.“