Gina Lückenkemper bringt Soest-Fahne von Olympia zurück

Anna Gemünd
Heimkehr für einen guten Zweck. Olympia-Teilnehmerin bringt Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer (rechts) die Soest-Fahne zurück. Darüber freut sich auch Sport-Abteilungsleiter Thomas Nübel.
Heimkehr für einen guten Zweck. Olympia-Teilnehmerin bringt Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer (rechts) die Soest-Fahne zurück. Darüber freut sich auch Sport-Abteilungsleiter Thomas Nübel.
Foto: Hartwig Sellmann
Beim Empfang in ihrer Heimatstadt bringt Gina Lückenkemper die Soest-Fahne zurück - mit den Autogrammen etlicher Olympia-Stars. Dieser wertvolle Stoff wird nun für einen guten Zweck versteigert.

Soest. Doch der Reihe nach. Vor ihrem Beitrag zur Benefizaktion im Kreis Soest hatte Gina Lückenkemper noch spannende Olympia-Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel von ihrer Begegnung mit den Sprinterinnen aus Jamaika. Es war dieser Moment in der Kurve, im Vorlauf des 200-Meter-Laufes: Für wenige Sekunden lag Gina Lückenkemper einige Zentimeter vor Elaine Thompson. Jener Elaine Thompson, die einen Tag zuvor Olympiasiegerin über die 100 Meter geworden war.

Lieblingsfoto mit Jamaikanerin Thompson

Es gibt ein Foto von diesem Moment, der zeigt, dass Gina Lückenkemper tatsächlich kurzzeitig schneller war als die Jamaikanerin. „Das ist mein Lieblingsfoto der Olympischen Spiele, weil es einfach das coolste Gefühl in Rio für mich einfängt. Denn das war der Moment, in dem ich gedacht habe: Ich glaube, ich bin hier richtig.“

Gina Lückenkemper, die 19-jährige Sprinterin aus Soest, war bei Rio definitiv richtig: Platz vier mit der Staffel, dazu das locker erreichte Halbfinale über 200 Meter sprechen für sich. Dabei spricht Gina Lückenkemper auch gerne selbst – das bewies sie am Donnerstag auf der Pressekonferenz, die Soests Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer und Thomas Nübel als städtischer Sport-Abteilungsleiter zur Begrüßung der 19-Jährigen veranstalteten.

Wippen auf Spieplatz im Olympischen Dorf

Wippen auf dem Spielplatz im Olympischen Dorf, die Umgehung der langen Fast-Food-Restaurant-Schlange, deutsch-deutsche Begegnungen kurz vor dem Halbfinale, Wohnen mit sechs Mädels in einem Apartment oder Theater mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur – wenn Gina Lückenkemper von ihren Eindrücken aus Rio erzählt, dann merkt man ganz deutlich: Ja, sie war da genau richtig.

Wieder Zuhause in Soest zu sein, scheint ihr aber auch gut zu tun. „Es ist echt schön, wieder hier zu sein“, strahlte die 19-Jährige auf der Pressekonferenz. Einen kleinen Schlenker über Zürich und Berlin wird sie in der kommenden Woche noch machen, dann ist sie das erste Mal in diesem Jahr länger in Soest. „Dann werde ich einfach mal wieder Mensch sein, abseits des Sports“, freut sich die Abiturientin auf die Heimat. „Eigentlich war ich ständig nur unterwegs.“ Dass sie neben den ganzen sportlichen Höhepunkten auch noch das Abitur gemacht hat, war hart.

Zusage für Studium an der Uni Bochum freut Gina

Über die Zusage für das Studium der Wirtschaftspsychologie an der Uni Bochum freue sie sich riesig. „Ich werde sicherlich im ersten Semester noch nicht richtig durchstarten.“ Das hat sie ja auch in Rio zu Genüge getan – und sich sofort riesig gefreut, als sie sah, dass sie im Vorlauf ihrer 200 Meter direkt gegen die große Favoritin Elaine Thompson antreten würde. „Das war großartig. Ich laufe ja, um mich zu messen und zu verbessern. Und ganz ehrlich: Ich gehe lieber auf die Jagd, als gejagt zu werden.“ „Die hat mich sofort erkannt und sich gefreut und mir viel Glück gewünscht. Das fand ich so toll, diese Momente, in denen man miteinander kurz ins Gespräch kam.“

Beim Einmarsch in das Stadion realisierte Gina Lückenkemper plötzlich; „Hey, ich laufe jetzt bei Olympischen Spielen. Wie krass ist das denn?“ Ähnliches ging ihr durch den Kopf, als sie beim Halbfinale über die 200 Meter in den Zuschauerrängen plötzlich eine Deutschlandfahne mit ihrem Namen drauf entdeckte. Eine ganz andere Fahne hat Gina Lückenkemper aus Rio mitgebracht: Die Fahne der Stadt Soest reiste mit ihr nach Brasilien: „Ich habe alle Sportler, die ich greifen konnte, gebeten, darauf zu unterschreiben.“

Versteigerung der Fahne zugunsten des Hospiz im Kreis Soest 

Alle Staffeln haben sich verewigt, dazu die Turner, die Hammerwerfer, Stabhochspringer und die Fußballer. Gina Lückenkemper lacht: „Ja, die Fußballer. Die Bender-Zwillinge haben leider auf der Rückseite unterschrieben.“ Trotzdem ist die Fahne bares Geld wert. Geld, das dem Hospiz im Kreis Soest zugute kommen soll. Natürlich ist auch Gina Lückenkempers Unterschrift auf der Fahne. Elaine Thompsons Autogramm fehlt – aber die lag ja in der Kurve auch hinter Gina Lückenkemper.

Bis zum 8. September, 23.59 Uhr, kann mitgeboten werden. Bietende können ihre Gebote per E-Mail an die Stadt Soest (ratsbuero@soest.de) senden. Dabei sollten die Höhe des Gebotes, Name, Adresse und Telefonnummer der bietenden Person angegeben werden. Das Einstiegsgebot für die Olympia-Flagge liegt bei 50 Euro. Empfänger des Erlöses aus der Versteigerung ist das Hospiz im Kreis Soest.