Gina Lückenkemper bei U20-WM in Barcelona

In diesem Moment erfuhr Gina Lückenkemper vom LAZ Soest neben Eurosport Kultreporter Siggi Heinrich, dass sie für das Halbfinale qualifiziert war.
In diesem Moment erfuhr Gina Lückenkemper vom LAZ Soest neben Eurosport Kultreporter Siggi Heinrich, dass sie für das Halbfinale qualifiziert war.
Foto: WP
Als jüngste Starterin aller Teilnehmerinnen bei der U20-Weltmeisterschaft sorgte Gina Lückenkemper aus Welver mit dem Einzug ins 200-Meter-Halbfinale für eine faustdicke Überraschung.

Barcelona/Soest.. Es ist ein komisches Gefühl, das Gina Lückenkemper auf den letzten Schritten hinaus aus dem Tunnel beschleicht. Die Sonne füllt das Innere des Olympiastadions von Barcelona hoch oben auf dem Montjuic mittlerweile fast komplett aus, der Geräuschpegel kündet von lebhafter Kulisse. Und um sie herum ­wuseln zig Leute, wichtige Leute. „Ich kam mir so winzig vor“, sagt ­Lückenkemper später, „so klein, als ich das Stadion betreten habe.“

„Ich war überhaupt nicht nervös“

Von jetzt an dauert es nicht mehr lange, bis die Welveranerin mit dem Vorlauf über 200 Meter bei der U20-WM der Leichtathleten ihren vermeintlichen Saisonhöhepunkt bestreiten wird. „Was mich wunderte“, erklärt sie später, „ich war überhaupt nicht nervös.“ Null, nicht ein bisschen - obwohl die 15-Jährige Deutsche die jüngste Teilnehmerin der gesamten Titelkämpfe in der spanischen Metropole ist.

Selbst im Startblock bleibt ­Lückenkemper so ruhig, als stünde lediglich ein Trainingslauf auf der bescheidenen Anlage im Schatten des Soester Schulzentrums an, einer von zahllosen in der Woche. „Ich dachte mir: Wahnsinn, das ist der größte Wettkampf, den du je hattest, und du bist überhaupt nicht nervös“, erzählt sie - und muss über sich selbst lachen.

Die Gefühle schlagen Purzelbäume

Was sie anschließend auf die Bahn zaubert, begeistert einige ihrer Konkurrentinnen allerdings weniger. Platz fünf im Vorlauf sorgt zwar nicht im ersten Moment für riesigen Jubel, aber die Zeit lässt nicht nur Lückenkempers Puls wummern. „Als sie vor zwei Wochen in 24,08 Sekunden eine neue Bestzeit lief, war ich schon super zufrieden und dachte: Okay, das reicht für dieses Jahr“, sagt Trainer Harald Bottin auf der Tribüne in Barcelona.

So wie bei ihm vor Ort schlagen zeitgleich auch in der Heimat die Gefühle vieler Menschen während der Live-Übertragung des Fernsehsenders Eurosport Purzelbäume, als Lückenkempers Zeit feststeht. 23,98 Sekunden - persönliche Bestleistung Kaum zählbar sind die Kurzmitteilungen, die anschließend auf dem Handy der jungen Dame auflaufen, die auf ihrer Facebook-Seite im Internet aufleuchten.

„Sie ist einfach ein Wettkampf-Typ“, sagt Bottin, dessen Stimme auch Stunden nach dem Lauf noch leicht brüchig klingt. Lückenkemper hört sich dagegen routiniert an, als sie ihren Erfolg erklärt. „Es ist sehr warm hier, perfektes Sprinterwetter. Ich fühle mich so fit wie nie zuvor und mache mir keinen Druck“, sagt sie.

Ein bisschen angespannt wirkt die Westfälin trotzdem, als es nach dem Lauf direkt zum Fernseh-Interview auf die Medientribüne geht. Nicht das Frage-und-Antwort-Spiel sorgt dann doch für die zuvor fast vermisste Nervosität, sondern der Blick auf die abschließenden zwei Vorläufe. Denn erst nach diesen steht fest: Über ihre gute Zeit rutscht sie noch in das am Abend stattfindende Halbfinale.

Nur hauchdünn am Finale vorbei

„Das ist Wahnsinn, einfach unbeschreiblich“, jubiliert Lückenkemper, „damit hätte ich nie gerechnet.“ Weder nach ihrer überraschenden Nominierung trotz fehlender Qualifikation, weder am Wettkampftag morgens um Sechs beim Aufstehen, noch als es zweieinhalb Stunden später mit dem Bus zum Olympiastadion geht. Und erst recht nicht, als sie am Ende des Tunnels endgültig eintaucht in die U20-WM.

Am Abend ihres bisher größten Sporttages ist ihre 200-m-Reise dann zu Ende: Im Halbfinale verpasst sie ihre neue persönliche Bestzeit in 23,99 Sekunden nur hauchdünn und scheidet als Fünfte ihres Laufes aus. Sie ist weitergekommen, als sie je zu hoffen wagte. „Ich habe mein Ziel erreicht, erneut eine 23er Zeit zu laufen“, sagt Gina Lückenkemper. Trainer Harald Bottin seufzt fast erleichtert auf: „Sie ist doch erst 15.“

 
 

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