Fundament für das Miteinander vor Ort

Mit Gästen aus den umliegenden Orten wurde das Kapellenjubiläum gefeiert.
Mit Gästen aus den umliegenden Orten wurde das Kapellenjubiläum gefeiert.
Foto: WP

Kellinghausen.. Feierlich ruft die Glocke der Kapelle St. Maria Magdalena zum Festhochamt. Sie trägt die Inschrift „Ora pro populo Kellinghausen Anno 1666“ und ist damit viel älter als das Kirchengebäude, das jetzt sein 100-jähriges Kapellenjubiläum feierte.

Ob 345 oder 100 Jahre, der Inhalt dieser Inschrift hat sich bis heute nicht geändert: „Bete für das Volk Kellinghausen“ – eine uralte Bitte, die auch Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt in seiner Predigt im Festhochamt aufgriff. Die Zuwendung, auch zu Gott, sei Kultur hier und im Alltag. Der hohe Gast aus Hardehausen bat darum, auch in Zukunft die Kapelle zu pflegen. Später auf dem Hof Schmücker, in gemütlicher Festtagsrunde ging Georg Eickhoff, stellvertretender Bürgermeister, noch weiter. Er hoffte, das die Feierlichkeiten dazu dienen sollten, auch den jungen Generationen vor Ort die große überzeitliche Bedeutung dieses Gebäudes für ihr eigenes Leben zu vermitteln. Sie solle dazu motivieren, dieses gehaltvolle Glaubens- und Kulturerbe zu erhalten und zu pflegen.

Kirchenbauten waren und sind Wesens- und Bestimmungsmerkmale unserer Heimat, so Eickhoff. Sie gehören zum typischen Erscheinungsbild der Dörfer, sie charakterisieren als Wahrzeichen ihre Topographie, markieren alte Ortszentren und dienen vielen Fremden heute noch zur Orientierung. Vor allem seien sie aber für die Dorfbewohner symbolische Monumente für geistliche Kontinuität, auch in unserer schnelllebigen Gegenwart: Sie stehen für die Nachhaltigkeit christlicher Werte, für eine engagiert gelebte und gestaltete Gemeinde wie auch für Beständigkeit und das Identitätsverständnis der dörflichen Gemeinschaft.

Die Kapelle St. Maria Magdalena sei stets der Ort des gemeinsamen Gebets, aber auch ein Refugium für den Einzelnen, das Zentrum religiöser Verbundenheit in der christlichen Gemeinschaft und damit ein dauerhaftes Fundament und ethisches Forum des menschlichen Miteinanders vor Ort. Die Kapelle sei eine „Kunstdüngerkapelle“, klärte Pfarrer Bernd Götze auf, Leiter des Pastoralverbunds Rüthen. Kellinghausen mit seinen 90 Einwohnern war schon immer landwirtschaftlich geprägt. Vor 100 Jahren erlebte der Ort, auch durch die große Expansion der Industrie im Ruhrgebiet, eine Blütezeit: Die Landwirte verdienten gut, konnten sich daher so ein Bauwerk leisten. Am 24. November 1910 wurde der Kapellenbauverein gegründet. Erster Vorsitzender war Franz Lues. Ein Jahr später kam die Baugenehmigung. 1960 und 1990 kam es zu umfangreichen Sanierungsarbeiten. Heute wird für die Renovierung der Orgel gesammelt. Bleibt neben dem Glockenwunsch noch der Wunsch nach einem Seelsorger im kleinen Haardorf: Ortsvorsteher Hans Brinkmann sprach ihn aus.

 
 

EURE FAVORITEN