Frieda Braun macht bei ihrer Flucht Halt in Belecke

Ki und kfd Belecke: Kabarett mit Frieda Braun in der Neuen Aula in Belecke.
Ki und kfd Belecke: Kabarett mit Frieda Braun in der Neuen Aula in Belecke.
Foto: WP
Vor ihren Eheproblemen mit Erwin flieht Frieda Braun – und findet Zuflucht in Belecke, wo ihr Programm „Alles in Butter“ lautstark gefeiert wird.

Belecke..  „Guten Abend, ihr könnt Frieda zu mir sagen, dann wird es gleich kuschelig. Ich bin übrigens heute Morgen dem Erwin weggelaufen.“ Mit dieser Begrüßung hatte Frieda Braun bei den Zuhörern genau ins Schwarze getroffen. Es dauerte nicht lange und der Funke sprang über.

Genau das war das Ziel der kfd Belecke anlässlich des 90-jährigen Jubiläums zusammen mit der Kulturinitiative Warstein (Ki), denn sie wollten mit dem besonderen Gast vor allem die Lachmuskeln des Publikums trainieren.

Begrüßt wurden die rund 450 Gäste am Freitag in der Neuen Aula von der kfd-Vorsitzenden Annette Vahle und dem Ki-Vorsitzenden Michael Römer. „Es freut mich, auch ein paar männliche Gesichter zu sehen. Jungs, zieht euch warm an“, kündigte Römer an.

Hochsteckfrisur und Hornbrille

Sodann verwandelte sich die Kabarettistin Karin Berkenkopf aus Winterberg in die Figur „Frieda Braun“ und überzeugte als typische Hausfrau mit ihrem Sauerländer Humor, einem Kostüm aus den 1960/70-iger Jahren, der hochgesteckten Frisur und der markanten Hornbrille. Auch mit ihrer unverwechselbaren Mimik und Gestik und vor allen Dingen mit ihrem typisch Sauerländer „rollenden R“ zog Frieda sämtliche Augen und Ohren des Publikums auf sich. Dabei dienten ihre Atempausen weniger zum Luftholen, sondern vielmehr, um für ihre nächste Pointe auszuholen.

Ihre kleinen und großen Eheprobleme standen ganz oben auf der Agenda und so kam es wie erwartet, dass sie so mancherlei Anekdoten aus dem Nähkästchen zu berichten hatte. Früh war ihr klar geworden, dass es mit ihrem Erwin nicht so richtig passte. „Aber da habe ich gedacht, zieh erstmal die Hochzeit durch und dann sehen wir weiter“, berichtete Frieda Braun. „Nach der Hochzeit war Schützenfest in Winterberg. Da läufste nicht weg, da gehste höchstens fremd.“

Sie sei schon einmal weggelaufen, habe dann aber im Lottogeschäft gesehen, dass es einen Jackpot zu gewinnen gab – und ihr Erwin, der spiele Lotto. „Wenn der jetzt die sechs Richtigen hätte, dann wäre mein Weglaufen ja noch die Zusatzzahl“, stellte sie fest.

Eheprobleme im Publikum

Aber jetzt sei es mit Erwin nicht mehr anders gegangen, denn er widme sich als Rentner nur noch dem Vergleichen von Sonderangeboten. „Schnell noch eine Maschine Buntwäsche angeschmissen und weg war ich. Ich musste gar nicht laufen. Bei meinem Erwin hat Gehen völlig ausgereicht.“

Dem einen oder anderen Ehepaar in der Neuen Aula waren offensichtlich ähnliche Probleme anzumerken. „Da vorne sitzt eine Leidensgenossin, das sehe ich sofort.“ Als Trostpflaster gab es nicht mehr ganz so frisches Gebäck aus Erwins Beständen. „Das sind Plätzchen, die de Leute geben kannst, die de Morgen nicht mehr siehst“, so Frieda.

Sie berichtete auch von den ungewöhnlichen Angewohnheiten ihrer Nachbarn. „Je älter du wirst, umso mehr fallen dir die Macken von den anderen auf“: Brunhildes Cellulitis, Mias Putzfimmel, Hannis Lust auf Kreisverkehr und Fines vermeintlich erotischer Wunsch nach „Essen vom Mann“.

Die Sauerländer Sturheit war Frieda Brauns letztes Thema – doch widerlegte sie das Klischee anhand eines Praxistestes im Publikum. „Wer zu einer Polterhochzeit ins Sauerland eingeladen wird, muss sich als Auswärtiger in Acht nehmen, denn da können Herzlichkeit und Geselligkeit schon mal überschwappen.“ So wie am Ende des Abends, an dem sich das Publikum mit stehenden Ovationen bedankte.

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