Erinnerung an Euthanasie-Opfer weitertragen

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So wie Magnus Eggers ergeht es sicher vielen Menschen: Der neue Pflegedirektor der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt hatte zwar im Rahmen seiner Ausbildung vom Nationalsozialismus und seinen Verbrechen ein wenig gehört, sich aber nicht im Detail damit beschäftigt. Dann erreichte ihn aber die Bitte, dieses Mal die Ansprache zum Gedenken an die 1577 Opfer der so genannten Euthanasie in der Klinik Warstein zu halten.

Warstein.. „Ich war mir nicht bewusst, welche Denkprozesse das in mir auslösen würde“, bekannte Magnus Eggers, als es gestern, am Totensonntag, soweit war, diese Ansprache zu halten.

Auch wenn Magnus Eggers 1972 geboren wurde, wie er sagte, und damit jünger ist als viele, die zur Gedenkfeier gekommen waren, so haben viele der Gäste die NS-Zeit und die Euthanasie nicht bewusst erleben müssen. Also forschte er nach, was ihm erhaltene Dokumente im Klinikarchiv und die Treisekapelle als Gedenkstätte erleichterten. In den letzten zwei Monaten habe er sich regelmäßig den Schlüssel zu dieser geholt, stand doch am Anfang seiner Überlegungen „die Angst, zu wenig zu wissen“ über das Geschehene, wie auch „die Angst, das Falsche zu sagen“.

Im Umkehrschluss sei daraus die unglaubliche Motivation erwachsen, etwas lernen zu wollen. Und doch: „Es darf nicht nur darum gehen sein persönliches Wissen zu erweitern, sondern die Informationen weiterzugeben“, betonte der Pflegedirektor.

Aus der Anonymität geholt

Darin stimmte er mit Ärztlichem Direktor Dr. Josef Leßmann überein, der die Notwendigkeit unterstrich, „die Erinnerung an das Geschehene in die heutige Zeit zu tragen“. Er mahnte dazu, „nachhaltig und erinnernd dessen zu gedenken, was auch von diesem Boden aus Schreckliches passiert ist“. Dies solle und werde fortgesetzt, auch wenn es nicht im herausragenden Rahmen des vergangenen Jahres geschehe. Am Totensonntag 2012 war die große Tafel in der Kapelle eingeweiht worden. Auf ihr sind durch die Initiative von Verwaltungsdirektor Helmuth S. Ullrich die Namen aller 1577 Opfer verzeichnet. Sie wurden dadurch „individualisiert, personifiziert, aus der Anonymität geholt“, wie Leßmann sagte.

Die Träger dieser Namen waren gleichwohl eigentlich nie Fremde. „Sie waren unsere Mitbürger“, rief Bürgermeister Manfred Gödde in Erinnerung. „Sie gehörten dazu, auch wenn sie abseits lebten“, berichtete er. Viele hätten zum Stadtbild gehört und am täglichen Leben in Warstein teilgenommen. „Das Entsetzen besteht immer noch“, befand Gödde und rief dazu auf, dieses fortbestehende Entsetzen dafür zu nutzen, „dass solche Dinge nicht wieder geschehen, egal wo auf der Welt und egal in welchem Ausmaß“. Als konkretes Beispiel nannte er Syrien, wo Soldaten gegen das eigene Volk kämpfen.

 
 

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