Einen Tag lang einfach unbeschwert sein

Begegnungsfest der BUNDjugend für Asylsuchende und alle Menschen aus Rüthen und der Region.
Begegnungsfest der BUNDjugend für Asylsuchende und alle Menschen aus Rüthen und der Region.
Foto: WP
Zu einem Begegnungsfest hat die BUNDjugend Asylbewerber und Rüthener eingeladen. Sie sollten in Kontakt kommen, um Vorurteile abzubauen.

Rüthen..  Ein Tag, an dem sie vergessen können, ein Tag, an dem sie genießen können und ein Tag, an dem sie einmal völlig unbeschwert sein können – ganz egal, was die Zukunft für sie bringen wird. Tage dieser Art sind selten für die rund 500 Flüchtlinge, die derzeit im ehemaligen Schwesternheim in Rüthen untergebracht sind. Doch das Begegnungsfest am vergangenen Samstag wollte den Asylbewerbern genau diese Freude bescheren.

Gäste aus rund 30 Nationen vereinte das Fest in der Stadthalle, zu dem einige junge Menschen aus Rüthen, darunter Schülerinnen und Schüler der örtlichen Schulen sowie viele engagierte Helfer, eingeladen hatten. Und die Einladung stieß auf große Begeisterung: Nicht nur die Asylbewerber und Bergstadtbewohner erschienen zahlreich, auch weit über die Ortsgrenzen hinaus hatte sich das erste Begegnugsfest herumgesprochen.

„Warum sind wir überhaupt hier?“, leitete Organisator Felix Becker seine Begrüßung in der gefüllten Stadthalle ein. Und diese Frage ließ sich in der Tat gar nicht so leicht beantworten. „Wir alle leben in einem Rüthen, das sich innerhalb eines Jahres stark verändert hat“, so Becker. Viele neue Gesichter prägen nun die Bergstadt – und zwar viele Gesichter, die nicht „typisch sauerländisch“ sind.

„Diese vielen neuen Gesichter haben ebenso viele positive Veränderungen mit sich gebracht“, betonte Felix Becker. Doch das sehen längst nicht alle Menschen in Rüthen und Umgebung so: Alkohol, Kriminalität und eine gekippte Stimmung überschatten diese eigentlich positiven Veränderungen.

Raum für die Geschichten

Die meisten Menschen reden zwar viel über Asylbewerber – doch nicht mit ihnen. „Sie wissen nichts über die Geschichten und heute wollen wir den Geschichten Raum geben“, begrüßte Becker die vielen Gesichter. „Das Haus ist plötzlich weg, man hat die Arbeit verloren – was würdest du tun? Ich würde weggehen oder fliehen.“ Und das würden vermutlich alle Menschen so tun. „Die Menschen fliehen nicht freiwillig aus ihrer Heimat, sie hoffen, für gewisse Zeit an einem anderen Ort ein liebenswürdiges Leben führen zu können“, machte Moderator Felix Becker deutlich. Und Deutschland könne als reiches Land sehr viel leisten, könne jedoch nicht alle aufnehmen und das werde es auch nicht.

Die Ursachen bekämpfen

Wie unterschiedlich die Menschen in den Ländern mit der Flüchtlingsthematik umgehen, zeigte eine kurze Dokumentation sehr deutlich: Im Libanon lebten bis vor einigen Jahren noch 4,5 Millionen Menschen. Mittlerweile sind zu diesen Menschen 1,5 Millionen Flüchtlinge hinzugekommen. Doch niemand kommt in diesem ohnehin schon sehr armen Land auf die Idee, sich zu beklagen, vermittelte die Doku. Ein respektvoller Umgang und ein friedliches Miteinander würden das Leben in einem kleinen 5000-Einwohner-Dorf prägen, das 8000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen hat. „Wir sind alle von einem Gott, wir müssen einander helfen“, so eine libanesische Frau. Die syrischen Kinder wurden in die Schule aufgenommen, werden in zusätzlichen Containern zusammen mit den übrigen Kindern unterrichtet und lernen, dass es auch ein Leben ohne Krieg und Gewalt geben kann. Es war beeindruckend zu sehen, wie selbstlos die Menschen im kleinen libanesischen Dorf ihr weniges Hab und Gut mit den Flüchtlingen teilen: Sogar ihre Ackerflächen, das kostbarste opfern sie für die Zelte der Flüchtlinge. Auch in Rüthen könne einiges getan werden, um das Miteinander in der kleinen Stadt harmonischer zu gestalten, wie Felix Becker betonte: „Wir müssen auch die Ursachen bekämpfen, mehr für die globale Sicherheit tun“, so Becker. Und das fängt bereits bei kleinen Dingen an: Anstatt die Schokolade zu kaufen, die mittels Kinderarbeit produziert wurde, sollte etwas mehr Geld in Fair-Trade-Schokolade investiert werden.

Bevor es mit den Erfahrungsberichten dreier Flüchtlinge weiter ging, luden die Organisatoren zu einem kulinarischen Höhepunkt ein: Kuchen, internationale Köstlichkeiten, Kaffee und kühle Getränke sorgten für einen echten Gaumenschmaus.

Nach diesen dramatischen und fesselnden Erfahrungsberichten wurde das eigentliche Fest mit musikalischen Darbietungen und Unterhaltungsprogrammen fortgesetzt.

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