Ein Dorf kämpft um seinen Laden

Ein Bild aus dem Sommer 2012: Die Dorfgemeinschaft in Möhnesee-Völlinghausen hatte große Hoffnungen in ihren in Eigenregie betriebenen Dorfladen gesetzt.
Ein Bild aus dem Sommer 2012: Die Dorfgemeinschaft in Möhnesee-Völlinghausen hatte große Hoffnungen in ihren in Eigenregie betriebenen Dorfladen gesetzt.
Foto: WP
Es war ein Vorzeigeprojekt im ländlichen Raum. Am 1. Januar 2014 musste die „DorV-Zentrum Völlinghausen Gmbh“ Insolvenz anmelden. Aber der 1400-Einwohner-Ort im Kreis Soest stemmt sich mit aller Kraft gegen die drohende Schließung des Dorfladens.

Möhnesee. Es war ein Vorzeigeprojekt im ländlichen Raum. Noch vor der Eröffnung des Dorfladens in Möhnesee-Völlinghausen im Jahr 2010 wurde der Verein „DorV-Gemeinschaft“ von der Südwestfalen-Agentur und den Lesern dieser Zeitung zum „Verein des Jahres“ gewählt. Wenige Jahre später - am 1. Januar 2014 - musste die „DorV-Zentrum Völlinghausen Gmbh“ Insolvenz anmelden. Aber der 1400-Einwohner-Ort im Kreis Soest stemmt sich mit aller Kraft gegen die drohende Schließung des Dorfladens. Man setzt alles daran, in den kommenden zwei bis drei Wochen noch den Umschwung zu schaffen.

Christoph Witt hat vor sieben Jahren seinen Wohnsitz nach Soest verlegt. Dennoch fühlt sich der Kaufmann nach wie vor als Teil der Dorfgemeinschaft Völlinghausen. Mit neun Mitstreitern hat er die Interessengemeinschaft DorV-Laden gegründet und glaubt „hundertprozentig“ an die Zukunft des Treffpunkts für den ganzen Ort. „Ende des Jahres hat als letzte Einrichtung neben dem Laden die Sparkassen-Filiale geschlossen“, sagt Witt. „Ohne unser Geschäft würde es keinen Dorfmittelpunkt mehr geben und keinen zentralen Kommunikationsort.“

Die Einwohner von Völlinghausen hatten große Hoffnungen in ihr DorV-Zentrum gesetzt. Sie wollten in Eigenregie das 200-Quadratmeter-Geschäft in den Räumen der ehemaligen Dorfkneipe führen, wollten der Welt zeigen, zu was bürgerschaftliches Engagement fähig ist. „Schon der Umbau vor der Eröffnung wurde teurer als geplant“, beschreibt Witt das Dilemma von Anfang an. Man hatte nie Geld auf der hohen Kante, die ehrenamtlichen Geschäftsführer (Witt: „die ganz viel richtig gemacht haben“) mussten vom ersten Tag an mit der Liquidität kämpfen. „Wenn man kein Geld auf dem Konto hat, sind die Möglichkeiten zu agieren doch sehr begrenzt.“

Dass die Insolvenz ihre Ursache in einer mangelnden Akzeptanz in der Bevölkerung und in bescheidenen Umsätzen hatte, kann der Kaufmann aus Soest nicht bestätigt. Er hat soeben 104 Kunden von 6.30 bis 12 Uhr gezählt, am Vortag waren es vor- und nachmittags insgesamt 174. „Wir sind zuversichtlich, es mit dem jetzigen Umsatz bzw. einer leichten Steigerung sowie einem veränderten Angebot schaffen zu können.“ Wichtigste Voraussetzung aber: Man sucht noch drei Ehrenamtliche, die jeweils 30 Stunden im Monat im Laden stehen.

Viele Gedanken gemacht

Die Mitglieder der Interessen­gemeinschaft haben in der ver­gangenen Woche den Verkaufsraum neu dekoriert. „Es sieht schon gut aus, wenn man reinkommt“, sagt Witt. Man hat sich viele Gedanken gemacht, wie das Begegnungszentrum gerettet werden kann.

Verändertes Sortiment

So soll das Sortiment verändert (zum Beispiel Gemüse frisch vom Bauernhof), Verkaufsaktionen durchgeführt (Warmes Essen zum Mitnehmen, belegte Brötchen), regelmäßige Sonderangebote platziert und die Werbung intensiviert werden. Auch eine gemütliche Aufenthaltsecke soll Menschen - nicht nur aus Völlinghausen - in den Laden ziehen.

Auch Insolvenzverwalter Florens von Bockum-Dolffs setzt auf ein breites Warenangebot und attraktive Öffnungszeiten. „Wir arbeiten fieberhaft an einer zukunftsträchtigen Lösung für den Dorfladen“, sagt der Anwalt, der selbst in Völlinghausen lebt. Auch er weiß: Ein Ort mit gesunden dörflichen Strukturen braucht einen Mittelpunkt.

 
 

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