Der Legionellen-Fund schadet der Warsteiner Brauerei - Umsatzeinbruch befürchtet

Das von der Brauerei eingesetzte Wasser ist absolut keimfrei.
Das von der Brauerei eingesetzte Wasser ist absolut keimfrei.
Foto: WP
Der Schock sitzt tief. In der gesamten Stadt Warstein gab es kein anderes Thema als den positiven Legionellen-Befund im Abwasser der Warsteiner Brauerei. Eine Antwort darauf, wo die Legionellen vom gefährlichen „Stereotyp 1 Knoxville“ ursprünglich herkommen, liefert allerdings auch dieser Befund(noch) nicht.

Warstein.. Wo kommen die Legionellen vom gefährlichen „Stereotyp 1 Knoxville“ her, die eine beispiellose Krankheitswelle in Warstein mit mindestens zwei Toten ausgelöst haben? Auch der Legionellen-Fund bei der Warsteiner Brauerei liefert noch keine Antwort auf diese Frage. Vielmehr sind allen Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Allerdings befürchtet die Brauerei einen enormen Imageschaden.

Brauerei nicht die ursächliche Quelle

„Die Warsteiner Brauerei ist für uns derzeit nicht die ursächliche Quelle“, sagte Frank Seidlitz, Sprecher des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums, und nahm die Brauerei damit ein wenig aus der Schusslinie.

Krisenstimmung

Dort herrscht allerdings auch so Krisenstimmung. Schließlich ist die einfache Nachricht - „Legionellen bei der Warsteiner Brauerei“ - überaus umsatzschädigend. Intern geht man davon aus, dass der Umsatz in diesen Tagen massiv einbrechen wird. Dass die Produkte der Warsteiner Brauerei von der aktuellen Entwicklung in keiner Weise betroffen sind, ist eine Botschaft, die nur schwer zu transportieren ist.

Auch deshalb ist man in der Chefetage geradezu fieberhaft bemüht, das Legionellenproblem zeitnah und umfassend in den Griff zu bekommen. Hausintern spricht man von einer „Null-Legionellen-Strategie“; man will alle nur erdenklichen Möglichkeiten ergreifen, um die lebensbedrohlichen Bakterien im Abwasserbereich auf Null zu drücken.

Wie kommen Legionellen ins Abwasser der Brauerei?

Spannend sind in dieser Beziehung vor allem zwei Fragen: Wie kommen die Legionellen überhaupt in den Abwasserbereich der Brauerei und warum weichen die vom Hygieneinstitut Gelsenkirchen (70.000 KBE pro 100 Milliliter) und von Professor Exner (2.500.000) so deutlich voneinander ab.

Eine Antwort auf die erste Frage kann nur spekulativ sein. Fest steht offenbar – das haben entsprechende Messungen ergeben –, dass weder das Brauwasser noch das Brauchwasser, das die Brauerei aus verschiedenen Quellen bezieht, belastet ist oder war.

Vogelkot als Legionellen-Überträger denkbar

Auch das Abwasser, das beim Brauprozess anfällt (zum Beispiel durch Reinigung von Leitungen, Flaschen etc.) ist nicht kontaminiert und wird unbelastet ins Klärbecken geleitet. Erst dort tauchen die Legionellen auf. Wenn sie aber nicht aus der Brauerei stammen — woher dann? Eine Erklärung könnte sein: Aus der Luft. Aerosole, also winzige Wassertröpfen, werden bis zu zehn Kilometer weit verbreitet. Experten halten auch Vogelkot als Legionellen-Überträger für denkbar.

Auch bei der zweiten Frage kann nur spekuliert werden: Die Brauerei hat am 4. September, der Kreis am 6. September gemessen. Ob das den deutlichen Unterschied erklärt? Fakt ist sicher, dass die Legionellen im etwa 34 Grad warmen Abwasser der Brauerei geradezu ideale Lebensbedingungen vorfinden.

Legionellen-Krimi in Warstein geht weiter

Hinzu kommt noch, dass ein wahrer Cocktail aus Heferückständen und anderen Nährstoffen diesen Prozess beschleunigt. Das könnte eine Erklärung dafür liefern, warum die Messergebnisse innerhalb weniger Tage derart stark voneinander differieren. Der Warsteiner Legionellenkrimi geht in jedem Fall weiter.

 
 

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