Der faszinierende

Nur die „Sofi“ erlaubt den Blick direkt in die Sonne – die „Sonnenfinsternisbeobachtungsbrille“.
Nur die „Sofi“ erlaubt den Blick direkt in die Sonne – die „Sonnenfinsternisbeobachtungsbrille“.
Foto: WP

Lippstadt. Die Fragen nach dem „Warum?“ kommen erst später. Am Anfang ist die Kernaussage der Astronomie: „Der Himmel dreht, die Erde steht.“ Zum bundesweiten Tag der Astronomie verlegten Himmelsbeobachter ihre Sternwarte auf den Rathausplatz in Lippstadt.

In Lippstadt wird die Begeisterung für dieses Hobby im Astronomie-Kursus am Evangelischen Gymnasium geweckt, Hand in Hand mit der Planetariumsgesellschaft Ostwestfalen-Lippe. Im Kursus wird die Begeisterung am oder für das Forschen, Entwickeln und Experimentieren geweckt. Das Fach prägt die Handhabung optischer Geräte und die Nutzung moderner Computertechnik. „Die Begeisterung für die Astronomie ist groß bei uns“, schwärmt Ronald Schünecke, Mathe- und Physiklehrer am Evangelischen Gymnasium – auch bei den Mädchen.

Das Wetter am Samstag war geradezu vorbildlich auf die Astronomie eingestellt. Die Besucher konnten einen Blick durch das Teleskop auf die Sonne werfen. Spezialfilter ermöglichten eine ungefährliche Beobachtung. „Im Teleskop lassen sich Sonnenflecken und Protuberanzen als Folge der Aktivitäten beobachten“, erläuterte ein Schüler einer neugierig gewordenen Passantin, die ihren Kopf Richtung Sonne reckte, und schnell die Augen schloss. „Sie müssen eine Sonnenfinsternisbeobachtungsbrille tragen“, ermahnte der Schüler – und fügte noch kurz das Kürzel für diese Brille, „eine Sofi“, hinzu.

Andere Passanten blickten durch teuer anmutende Instrumente, die sich alle auf die Sonne richteten. „Ich sehe aber nichts“, reklamierte eine andere Besucherin. Und schon eilte Diplom-Ingenieur Arnold Hoppe von der Planetariumsgesellschaft herbei. Das Instrument wurde ein paar Minuten zuvor exakt auf die Sonne ausgerichtet: „Und jetzt? Was ist passiert? Wir haben doch gelernt, der Himmel dreht!“ Also musste das Instrument nun nachjustiert werden: „Ah ja, jetzt sehe ich was“, kam es dann.

Durch einen aufgesetzten orangefarbenen Filter zeigte sich die mittägliche Sonne in Abendrotstimmung. Deutlich zu erkennen waren Sonnenflecken am Rand der Sonne. Die Aktivitäten seien im Moment besonders hoch, lernte die Frau. „Für uns nicht so gut“, warf ein Passant ein, der das Geschehen beobachtete: Er sei Funker, diese Sonnen-Aktivitäten schränken den Funkverkehr ein. Der Frau am Teleskop war das egal, sie konnte nicht aufhören, den Stern zu beobachten.

Mit den Fernrohren der Sternfreunde waren viele Details zu sehen, die man sonst nur vom Bildern her kennt. Der eigene, unmittelbare Eindruck beim Blick durch das Teleskop sei eben nicht zu ersetzen, so die Experten.

Eine eigene Sternwarte am Gymnasium – davon träumt nicht nur der Leistungskurs. Das ist die Zukunft, meinte auch Koordinator Schünecke. Ein fester Anlaufpunkt brächte viele Vorteile. Die Instrumente können sicher justiert und geschützt aufgebaut werden. Dadurch ergäbe sich eine schnelle Beobachtungsmöglichkeit und eine uneingeschränkte Sichtmöglichkeit in alle Richtungen. Die Bewegungen der Sonnenflecken könnten durch tägliche Bilder die überlagert und aufgezeichnet werden.

Der Förderverein legte bereits vor zehn Jahren den Grundstein für eine schuleigene Sternwarte. Immerhin reicht die vorhandene Ausrüstung zur Beobachtung der Sonne und anderer Objekte am Himmel. Ferne Galaxien können die Schüler noch nicht beobachten. Um größere Ziele verfolgen zu können, müssen sich die Schüler derzeit mit dem Internet begnügen. Mit dem Astrophysikalischen Institut Göttingen, das wiederum mit Texas und Südafrika kooperiert, besteht eine Zusammenarbeit. Beobachtungen der Lippstädter Schüler gelangen somit auch in die Aufzeichnungen der Wissenschaftler.

 
 

EURE FAVORITEN