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Der Christoph Kolumbus unter den Ballonfahrern

Der Christoph Kolumbus unter den Ballonfahrern

Warstein. 

Überspitzt gesagt, ist er der Christoph Kolumbus unter den Ballonfahrern. Einzig und allein die Entdeckung der Insel, auf der Wilhelm Eimers im Jahr 1994 landete, war zu diesem Zeitpunkt schon lange Geschichte. Als erster Mensch fuhr Eimers mit einem Ballon von Deutschland aus über den Kanal nach Großbritannien, und landete dabei in Irland. Die Abenteuerlust ist bei ihm bis zum heutigen Tage geblieben.

Für Schlagzeilen sorgt der mittlerweile 64-Jährige Duisburger nämlich immer noch – und zwar mit seinem Gasballon. Als weltweit erfahrenster, renommiertester und damit bester Gasballonfahrer schmückt er sich gemeinsam mit seinem Teamkollegen Matthias Zenge aktuell mit der Weltmeister-Trophäe. Sein Sieg beim diesjährigen Gordon-Bennett-Cup, dem ältesten und härtesten Ballonrennen der Welt, war sein nunmehr vierter Erfolg.

Faszination des Gasballonfahrens

Der Titelträger besuchte am Wochenende die WIM – jene Veranstaltung, bei der er sich quasi in die „Ahnengalerie“ der bedeutendsten aktiven WIM-Piloten eingereiht hat. Schließlich gewann Eimers 1996 das im Rahmen der Montgolfiade zeitgleich in Warstein ausgetragene Gordon-Bennett-Rennen. Die WP hat sich mit dem Ballonsport-Profi getroffen. Er erzählte von der Faszination des Gasballonfahrens und warum Warstein für ihn schon bald wieder zu m ruhmreichen Pflaster werden könnte.

„Warstein und die Montgolfiade werden für mich unvergessen bleiben. Schließlich startete ich 1996 von hier aus meine geglückte Titelverteidigung“, erinnert sich Wilhelm Eimers an besagtes WIM-Jahr, als er vom Warsteiner Hillenberg aus zum Langstrecken-Wettbewerb abhob und – nach 1995 – seinem zweiten Gorden-Bennett-Sieg entgegen fuhr. Nach dem Sieg im Jahr 2000 gelang ihm und seinem Kompagnon Matthias Zenge als Team Deutschland bereits Titel Nummer vier.

Mit dem diesjährigen Gewinn holte das Duo damit das populäre Ballon-Rennen wieder ins Heimatland. Denn nach alter Tradition wird der kommende Wettbewerb im Land des aktuellen Siegers – in diesem Fall also Deutschland – ausgetragen. 2016 werden sich die weltbesten Gasballonpiloten demnach in der Bundesrepublik messen. Der Start des Fern-Wettkampfs könnte dabei in Warstein stattfinden.

Voraussetzung dafür ist, dass sich die Verantwortlichen der WIM um die Austragung des Rennens bewerben und sich quasi zugleich gleich damit bereit erklären, einen aufkommenden Mehraufwand in Höhe eines sechsstelligen Euro-Betrages bei Durchführung des Rennens zu tragen. Über die Vergabe entscheidet letztlich der Verband ‘Deutscher Aero Club’. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn es klappt. Von Warstein aus dann wieder zu gewinnen wäre schon kurios“, so Eimers. 1964 kam der gebürtige Duisburger zu ersten Mal in Kontakt mit einem Ballon. „In der Nähe von unserem Zuhause landete eines Tages ein Heißluftballon. Sofort rannte ich mit Freunden dort hin, um uns das prachtvolle Luftgefährt anzuschauen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene standen Schlange, um den Ballon von Nahem zu bewundern und einmal in den Korb zu steigen. Ich war der einzige, der sich zweimal in die Schlange stellte. Ich war vollkommen angetan“, berichtet Eimers.

Schon bald darauf erlangte er die Privatpilotenlizenz und startete erst als Heißluftpilot und kurze Zeit später als Gasballonpilot durch. Tausende von Fahrten absolvierte er in den 1970er Jahren. Rund 1300 Mal hob Wilhelm Eimers dabei mit dem Heißluftballon ab, über 1000 Fahrten brachte er mit dem gasbetriebenen Gefährt hinter sich.

Schon 15 000 Kilometer Strecke

Unzählige Leistungsfahrten und über 15 000 Kilometer Strecke legte er bis heute zurück. Erlebnisse jeglicher Art, mit denen sich Bücher füllen ließen, machte Eimers immer wieder auf seine „Fernreisen“ in luftiger Höhe. Mitunter dramatisch endete für ihn die missglückte Überfahrt nach Spanien 1986, als er in der Biscaya smat Co-Pilot und Ballon wasserte. Erst nach einer schwierigen Bergung konnte die Crew ans Festland gebracht werden.

Eimers: „Natürlich muss man verrückt sein, um so ein Hobby zu betreiben. Aber die Abenteuerlust ist bei mir nun mal sehr groß. Es überwiegen aber die vielen positiven Momente.“ Zu diesen gehört vor allem die im Jahr 1995 bestrittene Fahrt mit seinem damaligen Crew-Kollegen Bernd Landsmann. Von Wil in der Schweiz bis nach Riga in Lettland fuhr das Duo mit dem Gasballon und landete nach 92 Stunden.

„Der Korb ist Tage lang unser zu Hause. Man darf keine Berührungsängste haben“, schildert Wilhelm Eimers das kurzweilige Wohnen auf gerade mal zwei Quadratmetern. Die weiteste Strecke, die der rüstige Senior an einem Stück zurückgelegt hat, waren 3400 Kilometer – und zwar von Bristol nach Moldawien.

In sechs Jahre möchte der 64-Jährige mit Leistungsfahrten abschließen und verkündet bereits jetzt: „Mit 70 ist Schluss“. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Eimers gleichzeitig generell in den Ruhestand als Ballonfahrer geht. Denn: „Bis 80 darf ich selbst noch fahren. Und das werde ich auch tun“, betont der als „Diplôme de Montgolfier“ ausgezeichnete Pilot. Damit ist er im Besitz der höchsten Auszeichnung der internationalen Sportluftfahrt. „Hut ab“ – vielmehr Chapeau – hätten auch die Gebrüder Montgolfier dazu gesagt.