Dem Bedeutungsverlust entgegentreten

Otto Nelken unterrichtet Esperanto und will nach dem nächsten Kursus im November erst einmal Pause machen

Warstein.  Mia nomo estas... Welche Sprache könnte das sein? Falsch geraten: Weder Spanisch noch Portugiesisch oder gar Italienisch oder Latein. Es handelt sich um Esperanto, die Welthilfssprache. Mein Name ist... – was wohl zwei Drittel aller Bundesbürger nicht auf Anhieb gewusst hätten – ein Warsteiner könnte es im Schlaf hersagen. Der begeisterte Esperanto-Lehrer Otto Nelken, der heute einen Bedeutungsverlust der Sprache erleben muss.

Vielleicht wäre die Antwort auf die Frage nach der Sprache vielen Menschen vor Jahrzehnten leichter gefallen, als Esperanto noch verbreiteter war. Aber inzwischen ist Englisch als funktionierende Weltsprache anerkannter denn je, die Zahl der aktiven Esperantisten lässt gefühlt nach – jedenfalls in Deutschland. Dem will Otto Nelken entgegen wirken mit Kursen, die er über die Jahre hinweg unermüdlich in Warstein in seiner Privatwohnung gegeben hat. Aber jetzt ist er 82, und er wird nicht ewig weitermachen können und wollen.

In Deutschland ruhiger

Nelken, der als Lehrer Deutsch und Geschichte unterrichtet hat, kann bestätigen, dass es um Esperanto in Deutschland ruhiger geworden ist, nicht aber im Ausland. „In Indien habe ich mich auf Englisch verständigt, in China wurde ich mit Esperanto verstanden“, versucht es der Esperanto-Lehrer, der ursprünglich für eine Südamerika-Reise Spanisch lernen wollte, mit einem Bonmot. Sogar mit chinesischen Arbeitern habe er 1996 bei einer Reise Esperanto reden können. Der damalige Ostblock war eher zögerlich mit der Erlaubnis für die fremde Sprache. Erst 1980 durfte der chinesische Landesverband dem Esperanto-Weltbund beitreten.

„Esperanto ist die einzige Sprache in der Welt, die aus einer Idee entstanden ist“, versucht der Warsteiner die Faszination zu beschreiben. Sie sei neutral, setze sich aus mehreren europäischen Sprachen zusammen, vor allem den romanischen und Latein, aber auch Englisch und Deutsch. Und sie komme mit nur 14 Regeln aus.

Komplizierte Deklination

Kritiker bemängeln die komplizierte Deklination sowie Schreib- und Lesefehler infolge der „polnischen Orthografie für den mehrheitlich latino-romanischen Wortschatz“. Das mag historische Gründe haben. Der Begründer, der Augenarzt Ludwik Zamenhof, stammte aus dem damals russischen Bialystok mit seinem Sprachengewirr und berichtete von Prügeleien unter den Menschen seiner Geburtsstadt, die sich, jiddisch, polnisch, russisch, weißrussisch oder deutsch redend, sprachlich nicht verständigen konnten. Unter diesem Eindruck verfasste Zamenhof 1887 unter dem Pseudonym Doktoro Esperanto („Hoffender“) 1887 die Grundlagen einer möglichen gemeinsamen Sprache, berichtet Otto Nelken.

„Die Sprache schafft Verbundenheit Esperantisten sind Weltbürger“, sagt er. Daher sei Esperanto auch von allen Gewaltherrschern abgelehnt worden. Die hätten nicht gewollt, dass die Menschen sich in einer Sprache verständigen. Nelken, der sich den Idealen der Völkerverständigung und Solidarität verpflichtet fühlt: „Man kann keine Kriege führen, wenn alle miteinander reden können.“ Alle Päpste seien für Esperanto gewesen und hätten den Segen „Urbi et orbi“ auch in dieser Sprache erteilt, auch Ex-Bundespräsident Johannes Rau habe Esperanto gekonnt.

Esperanto-Dorf Stockum

Aber man muss nicht in die große weite Welt gehen. Sundern-Stockum etwa ist ein Dorf, in dem der Lehrer und Esperanto-Förderer Josef König markante Spuren hinterließ: Das Ehrenmal, Straßennamen, eine Glockeninschrift. Das müsste doch Otto Nelken in Warstein reizen, weiterhin zwei Esperanto-Kurse im Jahr zu geben. Aber der zeigt sich zurückhaltend: „Einen noch jetzt im November und dann für längere Zeit keinen mehr.“

 
 

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