Bürger-Initiativen kritisieren Mediationsergebnis

Steinbruch Hohe Lieth, Luftbild von Warstein, Sauerland
Steinbruch Hohe Lieth, Luftbild von Warstein, Sauerland
Foto: www.blossey.eu
Professor Ortloff hat seine Koffer gepackt, seine Mediation in Warstein ist beendet (wir berichteten). Am Mittwochabend präsentierte der Mediator seine Ergebnisse auch im Stadtentwicklungsausschuss und betonte noch einmal, dass er sehr zufrieden mit dem Ergebnis sei. Doch längst nicht alle Beteiligten des Prozesses sehen das ähnlich.

Warstein.. So meldet sich Werner Braukmann für die Trinkwasserinitiative zu Wort: „Man kann das Mediationsverfahren positiv sehen, weil alle Aspekte des Problembereichs Steinabbau gründlich durchgesprochen wurden. Man kann es auch negativ sehen, weil es kein Ergebnis gibt, das die Situation zu unsrem Vorteil verändert. Und auch die Konflikte werden naturgemäß weiterbestehen. Unsere Stadt ist in vielerlei Hinsicht belastet und bedroht durch den wuchernden Abbau und nun steuern die Betriebe offen einen Tabubruch an: Nämlich in die Tiefe zu gehen und damit unser Wasservorkommen noch stärker zu bedrohen. Das muss verhindert werden. Der Rat der Stadt hat den Tieferabbau inzwischen auch eindeutig abgelehnt.

Aber die Unternehmen weigern sich, das zu akzeptieren und endlich auf das Vorhaben Tieferabbau zu verzichten. Es gab die vage Hoffnung, die Steinindustrie würde sich in diesem wichtigsten Punkt bewegen. Daher haben wir an der Mediation teilgenommen - Gespräche können kaum schaden.

Aber in den wesentlichen Fragen haben die langen Mediationsrunden nichts gebracht. Die Unternehmen hätten es in der Hand gehabt, den Konflikt zu entschärfen. Diese Chance wurde leider vertan.“ Noch deutlicher wird die Interessengemeinschaft Sprengbetroffener Warstein (ISW): Ihr Sprecher Franz-Josef Mendelin bezeichnet das Ergebnis der Mediation als „enttäuschend“.

In einer Erklärung zum Mediationsabschluss verweist er darauf, dass die Anwohner die Mediation von Anfang an kritisch gesehen hätten, weil sich hinter ihren Häusern ein Interessenkonflikt abspielt, der von so grundsätzlicher Natur sei, dass er nicht durch Zugeständnisse der einen und der anderen Seite gelöst werden könne. „Sprengungen erzeugen nun mal Zerstörungen. Lediglich Zugeständnisse können daher die Zerstörungen an unseren Häusern nicht verhindern“, so Mendelin in der Erklärung. Die Forderung der ISW ist daher klar: Nur ein kompletter Verzicht auf Sprengungen würde neue Schäden an den Häusern vermeiden. „Dazu sind aber die Betreiber und die genehmigenden Behörden wohl nicht bereit“, stellt Mendelin fest.

So gesehen habe eine Mediation für die Anwohner von Anfang an keine Aussicht auf Erfolg haben können, weil ein „miteinander Reden“ bei weiteren Sprengungen für die Betroffenen keine Besserung darstellen könne. Mendelin beurteilt das am Mittwoch präsentierte Abschlussdokument klar: „ Die Abschlusserklärung beschäftigt sich in nur einem Punkt mit den Problemen der Anwohner: zu den bislang kontrovers diskutierten Themen zählt u. a. auch ein ‘verbesserter Schutz vor Sprengschäden’. Dieses im Schlussdokument vorgestellte ‚Ergebnis’ ist für uns Anwohner bestätigt unsere Anfangsskepsis zu dieser Mediation.“

Trotzdem werde die ISW an weiteren Gesprächen teilnehmen, falls ihr die Gelegenheit dazu gegeben werde.

 
 

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