Bitte keine Sensationslust

Nein, ich werde mir die erste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ nach dem Anschlag nicht kaufen. Wieso nicht? Weil ich noch nie eine Ausgabe von „Charlie Hebdo“ in den Händen gehalten habe. Und das nicht, weil ich die Arbeit des Magazins nicht mag: Bis vor anderthalb Wochen kannte ich das Satire-Blatt nicht einmal.


Wenn jetzt Menschenmassen zu den Zeitschriftenläden pilgern, um eine der schon jetzt legendären Ausgaben nach dem Attentat zu bekommen, dann betrachte ich das mit gemischten Gefühlen. Wie viele von denen, die jetzt stolz eine Kopie des Heftes hochhalten, kennen das Magazin wirklich; wissen, wofür es steht und haben sich mit den Hintergründen der Karikatur auf dem Titelblatt beschäftigt? Ich wage zu bezweifeln, dass das jeder neue Leser von „Charlie Hebdo“ getan hat. Bei wie vielen mag das Heft nach dem ersten Durchblättern in der Schublade verschwinden, um höchstens in ein paar Jahrzehnten den Enkeln gezeigt zu werden?


Und dann? Wissen sie dann noch um die Hintergründe? Aus purer Sensationslust und „Weil-man-es-eben-macht“ jetzt „Charlie Hebdo“ zu kaufen, kommt für mich nicht in Frage. Denn eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema sieht anders aus – und sie lässt sich nicht bequem in Schubladen verstauen.

EURE FAVORITEN