Betreut über die Entlassung hinaus

Unterzeichnung der Kooperationsverträge über „Familiare Pflege“ an den LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein: Sonja Bergenthal, Magnus Eggers und Harald Fromme (vorne von links) sowie Christine Kowatz, Sabine Klinger und Ralph Britten (hinten von links).
Unterzeichnung der Kooperationsverträge über „Familiare Pflege“ an den LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein: Sonja Bergenthal, Magnus Eggers und Harald Fromme (vorne von links) sowie Christine Kowatz, Sabine Klinger und Ralph Britten (hinten von links).
Foto: WP

Lippstadt/Warstein.  Ein pflegebedürftiger Angehöriger mit einer psychischen Erkrankung ist soweit therapiert und stabilisiert, dass er aus der stationären Behandlung entlassen werden kann. Und dann? Punkt eins: Er kehrt in sein vertrautes häusliches Umfeld zurück. Punkt zwei: Was für den Pflegebedürftigen positive Effekte hat, kann für seine pflegenden Angehörigen zur Belastung werden. Diese zu minimieren, dient die „Familiale Pflege“. An den LWL-Kliniken in Lippstadt und Warstein ist dieses Modellprojekt gestartet, das sechs Wochen lang den Angehörigen Wege aufzeigt, wie der Übergang vom Klinikaufenthalt in die häusliche Umgebung besser gelingt.

Was es bei körperlichen Erkrankungen, also im somatischen Bereich, bereits seit zehn Jahren gibt, der begleitete Übergang von der stationären auf die häusliche Pflege, wird seit 2013 ausgeweitet auf das weite Feld psychischer Erkrankungen. Deren Behandlung erfährt damit auch in diesem Bereich zunehmend ein Stück Gleichbehandlung. 40 psychiatrische Kliniken in Nordrhein-Westfalen und Hamburg haben sich dem Modellprojekt bereits angeschlossen, darunter nun auch die Kliniken des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe im Kreis Soest.

„Familiale Pflege bedeutet Unterstützung rund um die Versorgung, Pflege und Begleitung bedürftiger Menschen zu Hause“, erläutert Pflegedirektor Magnus Eggers. „Es geht darum, dass die betroffenen Angehörigen ihre Sorgen los werden können“, umreißt Christine Kowatz die akute Hilfe. Der zweite Faktor ist auf Langfristigkeit angelegt: „Hinzu kommt eine Strategie, wie es weitergehen kann mit der Pflege in der häuslichen Umgebung.“ Christine Kowatz ist eine von vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Pflegebereich der beiden LWL-Kliniken, die sich auf die „Familiare Pflege“ spezialisiert und dafür in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld als Kooperationspartner weitergebildet haben.

Am Standort Lippstadt-Eickelborn gehört dazu noch Yves Gardias, in Warstein sind dies Sabine Klinger und Raimund Beerwerth. Jedem von ihnen steht pro Woche je ein Tag für die „Familiale Pflege“ zur Verfügung – viel zu wenig, wie Christine Kowatz und Sabine Klinger durchblicken lassen.

Schon ein Selbstläufer

„Das Angebot ist zum Selbstläufer geworden“, wissen sie. Nur muss es auch finanziert werden, was die Krankenkasse AOK Nordwest übernimmt. Obschon erst im Juni die ersten Fälle abgerechnet worden seien, so Magnus Eggers, hat es bis dato 50 Beratungen gegeben.

Das Angebot umfasst Beratungsgespräche, individuelles Pflegetraining und das Vermitteln hilfreicher Kontakte. Dies alles beginnt bereits beim stationären Aufenthalt des Patienten und kann bis zu sechs Wochen nach Entlassung zu Hause fortgesetzt werden.

Was ausschlaggebend für die Beteiligung der LWL-Kliniken im Kreis Soest an dem Modellprojekt war, schildert Sabine Klinger: „Die Angehörigen stehen zu Hause alleine vor einer ganz speziellen Situation.“ Sie fühlten sich allein gelassen im Umgang mit ihren psychisch erkrankten Familienmitgliedern.

Das Spektrum von deren Erkrankung kann von Demenz über Depressionen bis hin zu Psychosen reichen und umfasst folglich nahezu alle Altersklassen. „Was machen wir mit unserem kranken Sohn, wir wollen ihn nicht allein lassen, ihn nicht abschieben“, beschreibt Christine Kowatz den Hilferuf einer Mutter. Ihr und allen anderen will die „Familiale Pflege“ weiterhelfen.

 
 

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