Belasteter Brauereikanal wird für 1,8 Millionen Euro saniert

Anna Gemünd
Die gute Nachricht vorweg: Seit November sind direkt unterhalb der Kläranlage Warstein keine Legionellen mehr identifiziert worden. Doch dort, wo sich die Bakterien gut vermehren können, sind sie noch immer vorhanden und auch nicht so einfach zu entfernen. Diese Tatsache musste NRW-Umweltminister Johannes Remmel am Mittwoch im Umweltausschuss einräumen.

Warstein. Konkret sind es die Tropfkörper der Kläranlage und die Belebungsbecken, die als „Bioreaktor“ für die Legionellen dienen und ihr Wachstum beschleunigen. Erst im Januar wurden in einem Belebungsbecken der Betriebskläranlage der Brauerei erneut sehr hohe Legionellenkonzentrationen gemessen – „im Millionen-Bereich“, wie Remmel gegenüber der WESTFALENPOST sagte. Die Bedingungen, die die Bakterien dort vorfinden, sind für den Nährstoffbedarf der Legionellen nahezu ideal (wir berichteten bereits ausführlich).

Was bedeutet das? Die Legionellen-Konzentration wird sich nicht von alleine im Laufe der Zeit verringern. Eine komplette Außerbetriebnahme und Desinfektion der Brauerei-Kläranlage, der Kanalisation sowie der kommunalen Kläranlage sei aus technischer und finanzieller Hinsicht derzeit „nicht darstellbar“, so Remmel laut dem unserer Zeitung vorliegenden Sprechzettel des Ministers für den Ausschuss.

Derzeit werden nach Aussage des Ministers verschiedene Methoden erprobt, um die Belastung zu reduzieren. Dies geschieht im Falle der Brauerei durch eine Alkalisierung und anschließende Neutralisierung der betrieblichen Abwässer. Für Dr. Gero Beckmann, Leiter der Abteilung Hygiene und Beratung am Institut ­Romeis in Bad Kissingen , ist das „eine Stellschraube, um in das Geschehen einzugreifen.“ Auch er sieht die komplette Entfernung der Legionellen-belasteten Abwässer schwierig: „Das wird sehr schwer sein, die Keime dort rauszukriegen. Man kann ein Klärbecken ja leider nicht auf die nötige Temperatur erhitzen, um die Legionellen abzutöten. Dann wäre es relativ einfach.“ Doch so lange die Legionellen nach wie vor in den Klärbecken der Brauerei vorhanden sind, könnten sie theoretisch durch den Brauereikanal in die kommunale Kläranlage eingeleitet werden – mitten durch die Stadt. Die Gullis des Kanals waren nach Bekanntwerden der Legionellen-Belastung bei der Brauerei im September mit Vlies abgedeckt worden, um zu vermeiden, dass die Legionellen aus dem Kanal durch Aerosole in die Luft gelangen.Um dies zukünftig komplett auszuschließen, haben Brauerei und Ruhrverband ein Abwasserbehandlungskonzept vorgestellt, in dessen Mittelpunkt die Sanierung eben dieses Brauereikanals steht.

Baubeginn in drei bis vier Monaten

1, 8 Millionen Euro sollen nach ersten Schätzungen des Ruhrverbandes investiert werden, um den Kanal mit druckdicht verschlossenen Revisionsschächten zu versehen. Dadurch soll jeder Aerosolaustrag künftig ausgeschlossen sein. Insgesamt beläuft sich die Investitionssumme für das Abwasserbehandlungskonzept auf ungefähr sieben Millionen Euro. Nach Angaben des Ministeriums soll nun kurzfristig geprüft werden, welche Möglichkeiten bestehen, die Umsetzung dieses Konzepts aus Mitteln der Abwasserabgabe zu unterstützen. Die Abwasserabgabe ist eine Sonderabgabe, die der Staat für das Einleiten von Abwasser in ein Gewässer erhebt. Abgabepflichtig ist, wer Abwasser unmittelbar in ein Gewässer einleitet oder in den Untergrund verbringt, also Kommunen, Abwasserzweckverbände und Industrie-, Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe. In drei bis vier Monaten sollen die Bauarbeiten zu den Sanierungsmaßnahmen beginnen, so die Planungen von Ruhrverband, Brauerei und beteiligten Behörden.

Bis diese umgesetzt sind, gilt eine ordnungsrechtliche Anordnung, nach der die Stadt Warstein sicherzustellen hat, dass alle Gullis des Brauereikanals abgedeckt sind. Ab sofort wird zudem der Ablauf der Brauerei kontinuierlich mit einem Dauerprobenahmegerät durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) überwacht. „Es kann keine Entwarnung gegeben werden. Wir müssen den Winter nutzen, um eine Lösung zu finden“, sagte die heimische Landtagsabgeordnete Dagmar Hanses der WP.

Werte in Wäster und Möhne sinken

An Wäster und Möhne sieht die aktuelle Situation besser aus: So wurde seit November keine Legionellenbelastung direkt unterhalb der Kläranlage Warstein nachgewiesen. Im Unterlauf der Wäster und in der Möhne werden aktuell noch geringe Legionellenkonzentrationen gefunden, die das LANUV darauf zurückführt, dass sich am Boden des Flussbettes Legionellen abgesetzt haben. Dennoch habe auch an der Mündung der Wester in die Möhne und auch die Möhne hinab „eine deutliche Abnahme der Legionellendichte mit der Zeit“ stattgefunden, so Minister Remmel: „Die zuletzt gemessenen Legionellenkonzentrationen sind unkritisch.“ Das seit September geltende Wasserentnahmeverbot für Wäster und Möhne bleibt jedoch zunächst grundsätzlich bestehen.