Aufzeichnungen über das Leben

Tagebuchseite einer Krankenschwester in Sütterlin
Tagebuchseite einer Krankenschwester in Sütterlin
Foto: Privat
Am 12. Juni ist der Tag des Tagebuchs. Gewählt wurde dieses Datum in Gedenken an Anne Frank, die mit 13 Jahren ihr bekanntes Tagebuch zu schreiben begann. Auch heute noch ist Tagebuch schreiben „in“.

Warstein..  Wie gerne erinnern wir uns doch an die kleinen, meist selbst gestalteten Bücher aus unserer Kindheit zurück. Beklebt mit den außergewöhnlichsten Stickern, bemalt mit einigen Kritzeleien oder mit den angesagtesten Sprüchen bedruckt. Es gab sie in allen Größen, aber selten ohne das kleine Schlösschen – denn nur so waren unsere Geheimnisse „sicher“ verwahrt. Außer vielleicht der besten Freundin oder dem besten Freund durfte sich niemand einen Einblick verschaffen und erst recht nicht die große Schwester, geschweige denn der große Bruder. Selbst unterwegs durften sie nicht fehlen, denn einige passten sogar problemlos in die Tasche.

Gefühle und Gedanken bewahren

Wisst ihr, was gemeint ist? Richtig, die Rede ist von Tagebüchern. Denn heute, am 12. Juni, ist der Tag des Tagebuchs. Weshalb der Tagebuchtag ausgerechnet auf dieses Datum fällt? – Dieser geht zurück auf den Geburtstag der Jüdin Anne Frank. Anne bekam von ihrem Vater am 12. Juni 1942 zu ihrem 13. Geburtstag ein Notizheft geschenkt. Von nun an nutzte sie es als Tagebuch. Sie schrieb in ihr Tagebuch Dinge, die fast alle jungen Mädchen schrieben. Anne schrieb aber nicht nur über ihre Gefühle und Gedanken, über Familie, Freunde oder ihren Schultag, sie schrieb auch über die Veränderungen in ihrem Leben als Jüdin, in der Zeit des Nationalsozialismus.

Zwischen Hoffnung und Zweifel

Nachdem Annes jüdische Familie in den Niederlanden Zuflucht gesucht hatte vor den Verfolgungen der Nazis, beschrieb Anne ihre Eindrücke und Gedanken. Diese verfasste sie in einem Hinterhaus in Amsterdam, in welchem sie sich mit ihrer Familie vor den Nazis versteckt gehalten hat.

In dieser beklemmenden Zeit diente ihr das Tagebuch als Zuflucht in der wohl dunkelsten Zeit in ihrem Leben. Trotz der schrecklichen Bedingungen spiegeln einige Einträge ihre Träume und Hoffnungen wider, wie zum Beispiel ihren Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Für Anne Frank war ihr Tagebuch eine Möglichkeit, um über Geschehnisse, Ängste und Sorgen zu schreiben, aber es diente ihr auch gleichzeitig zur Verarbeitung negativer Erfahrungen.

1945, drei Jahre nachdem Anne Frank damit begonnen hatte ihr Tagebuch zu schreiben, starb sie im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Nach dem Krieg veröffentlichte ihr Vater ihr Tagebuch. Anne Franks Tagebuch, gilt als ein historisches Dokument aus der Zeit des Holocaust und die Autorin stellvertretend als Symbolfigur für zahlreiche Opfer der Vernichtungspolitik der Zeit des Nationalsozialismus. Ein junges Mädchen, in dessen Tagebuch sich zeigt, wie sie sich weiterentwickelte, die sich mit komplexen Themen auseinandersetzte und in deren Aufzeichnungen sich die Schattenseiten des Sich-verstecken- müssens und gefangen zu sein widerspiegelt.

Tagebuch-Schreiben heute

Durch Fortschritte eröffnen sich heutzutage viele unterschiedliche Möglichkeiten, ein Tagebuch zu führen, sei es auf dem Papier oder im Internet, in Form eines Weblogs oder Communities. Auf diesen Plattformen kann man die Ereignisse sogar mit Orten, an dem sie stattfanden, Fotos, Musik, dem Datum und selbst der genauen Uhrzeit verknüpfen. Häufig sind solche Online-Tagebücher für jeden öffentlich und kommentierbar.

Was denken wir in 10 Jahren?

Auch heute nutzen manche Menschen das Tagebuch, um bestimmte Erlebnisse besser verarbeiten zu können. Gleichermaßen ist das Tagebuch-Schreiben aber auch eine Art Reflexion auf die unterschiedlichsten Gedanken und Gefühle und gleichzeitig ein Speicher der vergangenen Monate/Jahre. Im Nachhinein kann ein eigenes Tagebuch auch ziemlich lustig sein, denn hier wurden eins Erinnerungen festgehalten, von denen man gar nicht mehr wusste, dass es diese überhaupt gab. So beantworten sich nach einigen Jahren dann Fragen, welche wir früher vielleicht mit Sorgen verbunden haben, wie zum Beispiel: „Was dachte man vor 10 Jahren?“, „Hat man den Schwarm der Jugend mit der Zeit aus den Augen verloren oder lebt man nun sogar schon mit ihm zusammen?“

 
 

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