Aufbereitungsanlage verursacht Bedenken

Von Tanja Frohne
Wie teuer wird das Trinkwasser?
Wie teuer wird das Trinkwasser?
Foto: WP

Kallenhardt.  Sorgen macht der BUND-Ortsgruppe Lörmecketal der Wunsch des Lörmecke-Wasserwerkes (LWW), in der Nähe der Lörmeckequelle eine Trinkwasseraufbereitungsanlage zu errichten. Befürchtet wird, dass dieses Vorhaben in Zusammenhang steht mit der Planung der Firma Westkalk eine neuartige Steinaufbereitungsanlage in Kallenhardt zu errichten. Fragen beantwortete den Umweltschützern im Rahmen ihrer Jahreshauptversammlung Diplom-Ingenieur Wolfgang Hasse, Mitglied des BUND und ehemaliger technischer Leiter des Lörmecke-Wasserwerkes.

Seit 77 Jahren liefere die Lörmeckequelle qualitativ hochwertiges Trinkwasser, welches ungefiltert und ohne weitere Aufbereitung an den Verbraucher abgegeben werden könne, erläuterte BUND-Sprecher Heinz Rinkowski.

Hat sich die Trinkwasserqualität geändert oder befürchtet die Bezirksregierung zukünftig eine Gefährdung, vielleicht aufgrund des geplanten Steinabbaus?

Dass es bis Mitte 2012 – als er beim LWW ausgeschieden sei – nie Beanstandungen gegeben habe, betonte Wolfgang Hasse. „In 30 Jahren ist es nur zwei Mal vorgekommen, dass die Quelle aufgrund von Trübungen einen Tag vom Netz genommen werden musste.“ In diesen Fällen werde Wasser aus der Aabachtalsperre oder dem Bullerteich entnommen. Auch habe es bis zum Sommer vergangenen Jahres keine neuen Vorgaben gegeben, die die Errichtung der Aufbereitungsanlage notwendig machen.

Auch wenn das Gefährdungspotenzial niedriger sei als im Warsteiner Karst mit der Hillenberg- und Bullerteich-Quelle, habe das LWW Druck auf die Bezirksregierung ausgeübt und vorgeschlagen, die Schutzgebietsverordnung zu ändern. „Ein Kriterium wäre beispielsweise, dass im Wasserschutzgebiet nicht mehr gesprengt werden darf, sondern mit der Fräse abgebaut werden muss.“

Wenn an der Lörmeckequelle eine Trinkwasseraufbereitungsanlage gebaut wird, welche Dimensionen würde diese haben? Und was bedeutet dies für die Wasserqualität und die Folgekosten?

„Ziel eines jeden Wasserversorgers sollte es sein, dass das Trinkwasser von Natur aus den Anforderungen entspricht“, betonte Hasse, dass es kein gesünderes Wasser gebe als Grundwasser. In Wien werde dieses beispielsweise 170 Kilometer aus den Alpen in die Stadt transportiert nur, um Aufbereitungsanlagen zu umgehen. „Wenn Grundwasser aufbereitet wird, dann meistens, weil es viel Eisen oder Mangan enthält, das man raus haben möchte“, setze man ansonsten auf Natürlichkeit.

Möglichkeiten der Filtration gebe es mehrere. Die natürlichste: Eine Filtration mit Hilfe von Sanden und Kiesen. „Um chemische Stoffe aus dem Wasser zu bekommen, wird dann meist ein Aktivkohlefilter nachgeschaltet.“ Ferner gebe es noch Membran-Filter, wobei aus dem Wasser selbst lebensnotwendige Mineralien entfernt werden. „Bei Nano-Filtration muss man Mineralien sogar künstlich wieder zugeben oder man führt einen Teil des Grundwassers an der Anlage vorbei und mischt es später mit dem gefilterten.“

Dass das Trinkwasser für die Verbraucher teurer werde, sieht Hasse als logische Folge der aufwändigen Aufbereitung: „Wenn man Sand- und Kiesfilter nimmt, wird es etwa 20 Cent pro Kubikmeter teurer, bei der Nano-Filtration sind 50 Cent drin. Ob auch die Grundgebühr steigt, muss man abwarten.“

Rinkowski merkte an, dass Filteranlagen, die dem Wasser Schwebstoffe und und gelöste Stoffe entziehen, einen weiteren negativen Aspekt haben: Sie müssen gespült werden - und dieses Spülwasser muss anschließend entsorgt werden.

Welche Auswirkungen hätte dieses Spülen auf die Umwelt?

200.000 bis 300.000 Kubikmeter Wasser - drei Mal soviel, wie Kallenhardt verbrauche - müsse man für Spülzwecke ableiten, erläuterte Hasse. Da die Lörmecke im Sommer wenig Wasser führe, somit keine Verdünnungsmöglichkeiten bestünden, sei eine Ableitung hier schwierig – schon allein, weil es sich um einen FFH-Fluss handele. „Es kann passieren, dass die Einleitung untersagt wird. Dann müsste das Spülwasser über eine Kläranlage entsorgt werden – damit würde das Trinkwasser noch teurer.“

Und noch ein Problem sah Hasse: „Derzeit dürfen jährlich 3,3 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Quelle entnommen werden. Wenn zusätzliches Spülwasser benötigt wird, besteht die Gefahr, dass dann 3,6 Millionen Kubikmeter entnommen werden. Das wäre unverantwortlich – wir senken das Grundwasser jetzt schon ab.“