Auch Dauerwinter kann Osterfeuer nicht stoppen

Laura Flormann
Osterfeuer Altenrüthen
Osterfeuer Altenrüthen
Foto: WP

Altenrüthen.  Samstagmorgen neun Uhr: Die Temperaturanzeige zeigt deutlich unter Null Grad. Altenrüthen ist bedeckt von Nebel, und kleine Schneeflocken bahnen sich ihren Weg zur Erde. Obwohl in vielen benachbarten Dörfern das Osterfeuer wegen der Kälte bereits abgesagt wurde, trotzen die Altenrüthener Jugendlichen und „Junggebliebenen“ dem Wetter und treffen sich warm eingepackt zum Einsammeln der Büsche zum Aufschichten des Osterfeuers.

Die Tücken des Wetters sind bereits vor Beginn des Sammelns zu spüren. Ein Trecker will nicht anspringen- es ist einfach zu kalt. Nach intensiven Bemühungen gibt dieser schließlich doch nach und steht für die Sammlung fortan zur Verfügung. Mit 4 Traktoren machen sich die rund 20 Männer an die Arbeit.

Christoph Eigemeier ist einer davon. Warum er nunmehr seit sieben Jahren dabei ist, kann er schnell beantworten. „Es macht einfach Spaß mit den ganzen Leuten aus dem Dorf zu arbeiten“, erklärt er. Doch auch Nicht-Altenrüthener finden Gefallen an der alten Tradition. Niclas Rodehüser aus Rüthen ist ebenfalls seit sieben Jahren dabei. „Das gehört einfach zu Ostern dazu“. Ob alte Tannenbäume oder Strauchschnitt, alles wird auf den Anhänger geladen damit das Osterfeuer am Sonntagabend ordentlich knistert.

Doch woher kommt der Brauch eigentlich? Bernd Henne erklärt, dass die Jugendlichen des Dorfes schon früher die Büsche für das Osterfeuer sammelten. Zu Beginn waren es die Schulabgänger, die mit Pferden und Wagen das Brennholz aus dem Wald sammelten. Schließlich übernahm irgendwann der Sportverein Altenrüthen das Einsammeln, bis schließlich freiwillige Jugendliche und junge Männer das Sammeln übernahmen. So ist es bis heute geblieben.

Doch warum beteiligen sich nur Männer? Sind Frauen etwas nicht erwünscht? Auf diese Frage wird mit einem Schmunzeln geantwortet. „Genau wie im Schützenverein ist es eine alte Tradition, dass dieser nur aus Männern besteht.“, erklärt Henne. „So ist es auch alte Tradition, dass nur Männer das Holz für das Osterfeuer einsammeln.“

Trotz winterlicher Temperaturen, steigt die Laune, was sicherlich auch an dem obligatorischen Bier oder Schnaps an fast jeder Station liegt. Doch auch das hält auf Dauer nicht warm. Rot gefrorene Wangen und kalte Finger erschweren das Arbeiten. Ein warmes Mittagessen an der Schützenhütte soll helfen: Partyservice Fechner reicht eine warme Stärkung bevor es weitergeht.

Selbst Altenrüthener Urgestein Alex Hötte lässt es sich nicht nehmen, jedes Jahr beim Osterfeuereinsammeln dabei zu sein. Ein alter dicker Parker, der warm hält darf dabei natürlich nicht fehlen. Am Sonntag ist es dann soweit. Nachdem die Kommunionkinder stolz die Fackel von der Kirche bis zum Osterfeuer getragen haben, fängt der große Haufen Feuer.

In geselliger Runde um das knisternde Feuer stehen, ein kühles Bier in der Hand und die Flammen auf sich wirken lassen – so war es zumindest in den vergangenen Jahren.

Seit Jahrhunderten feiern die Menschen auf diese Weise das Ende des Winters, doch in diesem Jahr stecken wir noch mitten drin. Statt einem kühlen Bier gibt es in diesem Jahr heißen Glühwein. Doch mit dickem Schal, Mütze und Handschuhen macht das Osterfeuer anschauen auch in diesem Jahr Spaß.

Dem Musikverein „Harmonie Altenrüthen“, gilt ein besonderer Dank, da sie mit eiskalten Fingern das Osterfeuer musikalisch untermalten. Die KLJB Altenrüthen hatte diesjährig einen guten Einfall. Der Verkauf von Glühwein und heißen Getränken am Osterfeuer war genau das Richtige für diese Temperaturen. Trotz weiterem Schneefall ließen die Altenrüthener sich die gute Stimmung am Osterfeuer nicht nehmen, und hielten den alten Brauch ein: den Winter vertreiben. Ob es geklappt hat, werden die nächsten Tage zeigen. Doch die Sonne am Ostermontag sieht doch ganz danach aus.