Asylbewerber erzählen Schülern von ihrem Schicksal

Asylbewerber Mahmood erzählte den Schülern von seiner Flucht.
Asylbewerber Mahmood erzählte den Schülern von seiner Flucht.
Foto: WP
Mit zwei Asylbewerbern besuchte Elisabeth Umezulike am Montag die Klasse 7b des Warsteiner Gymnasiums. Die Schüler interessierten sich für die Umstände der Flucht und das Leben der beiden Männer in Deutschland. Über eine Zahl wunderten sich die Gymnasiasten besonders.

Warstein.  Um Vorurteile gegenüber Asylbewerbern vorzubeugen, besuchte die Asylhelferin Elisabeth Umezulike gestern mit zwei Asylbewerbern die Klasse 7b des Warsteiner Gymnasiums. Zusammen mit den beiden Flüchtlingen, die zur Zeit im Asylbewerberheim in Niederbergheim leben, sprach sie über das Leben von Flüchtlingen in Deutschland.

Lehrerin Marlies Kühle, auch Mitglied des Arbeitskreises Pro Asyl, hatte bereits vor dem Besuch eine Unterrichtsreihe über Vorurteile gehalten. Im Zusammenhang mit dem Projekt „Schule ohne Rassismus“ ist sie dann auf die Idee gekommen, Flüchtlinge einzuladen, um den Schülern das Thema so nah wie möglich zu bringen.

„Kennt ihr Gründe, warum ihr das Land verlassen müsstet?“, fragt Elisabeth Umezulike, Mitglied des Asylarbeitskreis Soest, zu Beginn in die Runde. Die Schüler nennen Gründe wie Krieg, Arbeitslosigkeit, Armut oder eine schlechte Gesundheitsversorgung. Erstaunt sind die Schüler über die Anzahl der Flüchtlinge: „Weltweit gibt es 45 Millionen Flüchtlinge“, erklärt Umezulike, „innerhalb des eigenen Landes sind weitere 29 Millionen Menschen auf der Flucht.“

Vor dem Krieg geflohen

Der Asylbewerber Zadran aus Afghanistan erzählte den Schülern, wie und warum er nach Deutschland gekommen ist. Seit 2012 lebt er hier und lernt, so oft es geht, die deutsche Sprache. Acht Monate war Zadran unter gefährlichen und schwierigen Bedingungen auf der Flucht. Zu Fuß, im Gepäckraum und ohne Essen und Schlaf ist er vor dem Krieg aus seiner afghanischen Heimat geflohen. Seine Familie wurde getötet und auch er wurde gefoltert und bedroht. „Ich habe meine Familie aus den Trümmern unseres Hauses gezogen und zum Friedhof getragen“, erzählt Zadran. Er hatte großes Glück und versucht sich nun in Deutschland ein neues Leben aufzubauen.

Trotzdem holt ihn die Vergangenheit immer wieder ein: „Ich schlafe kaum, träume davon und habe oft Kopfschmerzen.“ Obwohl er in seiner Heimat keine Schule besuchen konnte, spricht Zadran schon ein wenig Deutsch.

Schüler fragen, wie er denn seine Freizeit gestalte, daraufhin antwortet er: „Ich lerne Deutsch in einem Sprachkurs und arbeite im Garten.“ Auf die Frage eines Schülers, wie er sich seine berufliche Zukunft hier vorstelle, antwortet Zadran: „Ich wünsche mir, dass ich einen Führerschein machen kann, um als Taxi-Fahrer zu arbeiten. Später möchte ich eine Ausbildung zum Gärtner machen.“

Zukünftige Zusammenarbeit

Mahmood ist ein Asylbewerber aus Pakistan und wird wegen seiner Religion verfolgt und diskriminiert. Er gehört der Glaubensgemeinde Ahmadiyya an, einer gewaltfreien und friedvollen Religion. Außerdem litt er unter einer schweren Lebererkrankung, die in seiner Heimat nicht behandelt wurde. Mahmood war insgesamt sieben Jahre auf der Flucht und lebte in ständiger Ungewissheit. Zuerst hat er versucht, sich in Griechenland ein neues Leben aufzubauen, doch auch dort wurde er verfolgt und floh weiter nach Ungarn. Er berichtete, dass er dort sieben Monate im Gefängnis verbrachte und keine Behandlung für seine Krankheit bekam.

Als er dann weiter nach Deutschland geflohen ist, hat er mit Hilfe seiner Anwältin eine Behandlung bekommen. Seitdem hat er ein neues Lebensgefühl und erhofft sich in Deutschland ein Leben in Sicherheit. Regelmäßig trifft er sich mit Leuten, die der gleichen Glaubensrichtung angehören, um zusammen zu beten.

Der Besuch der Asylbewerber Mahmood und Zadran hat bei den Schülern viel Interesse geweckt. Auch die Lehrer möchten weiter über das Thema aufklären, um Vorurteile abzubauen. In der bevorstehenden Projektwoche ist ein Besuch des Asylbewerber-Heims in Niederbergheim geplant.

 
 

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