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Asthma-Patient leidet unter hohen Feinstaub-Werten

Asthma-Patient leidet unter hohen Feinstaub-Werten

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Foto: WP
Wenn viel Feinstaub in der Luft ist, atmet der Warsteiner Asthma-Patient Heinz-Friedel Hense besonders schwer. Gemeinsam mit Ortsvorsteherin Elisabeth Wiese fordert er, dass mehr gegen die schlechte Luftqualität getan wird – in der Politik stoßen sie zumeist auf taube Ohren.

Warstein. 

Heinz-Friedel Hense muss nicht auf die Daten des Messcontainers schauen, um die Feinstaub-Belastung in Warstein einzuordnen. Ein Blick auf seine Lungenwerte genügt. „Die Werte werden schlechter, wenn der Staubwert steigt“, erklärt der Asthma-Patient. Im Moment fällt ihm das Atmen besonders schwer: An fünf Tagen in Folge wurde der Grenzwert für Feinstaub zuletzt deutlich überschritten. Am Freitagmittag lag die Belastung bei 97 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Erlaubt sind 50 Mikrogramm.

Grund für die hohen Werte ist die stabile Wetterlage. „Wir haben wenig Wind und am Boden kältere Luft als in der Höhe“, erklärt Jürgen Friesel vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Damit gebe es keine Durchmischung der Luftmassen und der Feinstaub verteilt sich nicht. „Solche Wetterlagen sind für das Frühjahr nicht ungewöhnlich.“

Steinindustrie wirbelt Staub auf

Als Hauptverursacher macht Heinz-Friedel Hense die Steinbruchbetriebe aus. „Der Steinlastverkehr trägt den Staub in die Stadt“, klagt der pensionierte Lehrer. „Auch bei Sprengungen entsteht Staub, der dann durch die Luft getragen wird.“ Um die Feinstaub-Konzentration zu verringern, werden die Lastwagen abgedeckt. Zudem ist die Sprinkler-Anlage an der Rangetrift, die seit vergangenem Herbst ausgeschaltet war, wieder in Betrieb.

Heinz-Friedel Hense und Ortsvorsteherin Elisabeth Wiese glauben nicht recht an die Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Die Steinlaster tragen den Schlamm von der Sprinkleranlage aus über die Range bis in die Innenstadt. Wenn dort das Wasser verdunstet, wird der verbliebene Staub von den Autos aufgewirbelt. „Außerdem können die Sprengungen ja nicht unter Planen gemacht werden“, gibt Elisabeth Wiese zu bedenken. Ein Grüngürtel um die Steinbetriebe und eine Steinentlastungsstraße wären deutlich wirksamer, glauben die beiden.

Was ist aus Luftkurort geworden?

Heinz-Friedel Hense wünscht sich mehr Unterstützung aus der Politik. „Die Sorgen der Bürger müssen endlich Vorrang vor den Wünschen der Steinindustrie erhalten“, appelliert er. Den Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft hält der Asthmatiker für deutlich zu hoch. Schon 20 Mikrogramm seien gesundheitsgefährdend. „Der feine Steinstaub setzt sich in der Lunge ab und gelangt von dort in die Adern“, schildert er die Risiken der unsichtbaren Staubpartikel. „Ich möchte nicht wissen, wie viele Schlaganfälle in Warstein darauf zurückzuführen sind.“ Auch Elisabeth Wiese betont: „Feinstaub ist Gift.“ Nach Angaben des Kreisgesundheitsamtes gebe es in Warstein jedoch keine nennenswerte Häufung etwa von Atemwegserkrankungen.

Noch 1956 sei Warstein Luftkurort gewesen, erinnert sich Heinz-Friedel Hense. „Was hat man daraus gemacht?“ Heute rate ihm sein Arzt, so oft wie möglich in den Urlaub zu fahren. Dauerhaft wegziehen kann und will er nicht. Seine Familie und sein Haus halten ihn in Warstein. Dabei befürchtet der Asthma-Patient für die Zukunft eine noch höhere Belastung: „Das Wetter wird doch eher wärmer und trockener.“ Wenn es am Wochenende regnet, wird Heinz-Friedel Hense zumindest zwischenzeitlich wieder tiefer durchatmen können – doch eine endgültige Lösung ist das nicht.