Altenrüthens Kirche bildet Ursprung vieler Pfarreien

St. Gervasius und Protasius Altenrüthen.
St. Gervasius und Protasius Altenrüthen.
Foto: Manfred Böckmann
  • „St. Gervasius und Protasius“ Altenrüthen ist Kirche des Monats Oktober
  • Als Urpfarrei wurden von hier aus viele Pfarrgemeinden der Umgebung gegründet
  • Prunkvolle Kirche weist zahlreiche Besonderheiten auf

Altenrüthen.  Die Kirche des Monats ist im Oktober die St.-Gervasius-und-Protasius-Kirche Altenrüthen. Diese beiden Patrone deuten schon auf das hohe Alter der Kirche hin, sind sie doch überwiegend Namensgeber frühmittelalterlicher Kirchen. Altenrüthen als Urpfarrei ist so zusagen die Mutter vieler Pfarrgemeinden im Umland. Zu ihr gehörten die Gebiete der späteren Pfarreien Effeln, Meiste, Langenstraße, Rüthen, Belecke und Warstein. Heute gehören zur Pfarrgemeinde Altenrüthen noch die Kapellengemeinden Hemmern und Kellinghausen. Mit Drewer und Menzel entstand 1985 das Kirchspiel Altenrüthen.

Geschichte

Die erste Holzkirche stand hier bereits um das Jahr 750. Der heute älteste Teil ist der romanische Turm. Sein Untergeschoss stellt den Rest einer um 1000 errichteten Wehrkirche dar. Dessen Obergeschoss nutzten die Bewohner, um sich vor Angreifern zu schützen und zu verteidigen.

Um 1200 wurde Rüthen als befestigte Stadt gegründet. Nun war der Wehrturm nicht mehr nötig. Man riss den oberen Teil des Turmes ab, erneuerte ihn und baute eine größere Übergangskirche daran. Doch durch den 30-jährigen Krieg ist die Kirche so schwer beschädigt worden, dass das Kirchenschiff 1664 abgerissen werden musste.

Hier entstand nun bis 1669 die heutige Kirche, einem am gotischen Stil orientierter barocker Bau. Etwa zehn Jahre später besserte man den Turm aus.

Die Sakristei wurde 1755 bis 1757 hinter dem Hochaltar angebaut, das Südportal 1779 vorgezogen und mit einer kleinen Vorhalle versehen. Der Turm und die Kirche wurden durch eine Mauer getrennt, deren Fachwerkbauweise heute wieder von der Turmkapelle aus zu sehen ist. Der alte Haupteingang, der heute in die Kapelle führt, wurde zugemauert. Bis die Turmkapelle eingerichtet wurde, wurde das Untergeschoss des Turmes später sogar als Heizungskeller genutzt. Um die Kirche herum befindet sich auch heute noch der Friedhof mit dem angrenzenden Pfarrhaus.

Besonderheiten

Der Turm: Der untere Teil dient heute als Kapelle. Den oberen Teil kann man zu besonderen Anlässen besichtigen.

Die Orgel: Sie wurde von Orgelbaumeister Johannes Müller aus Hildesheim im Jahre 1783 gebaut.

Die Ausstattung: Sie stammt von dem Bildschnitzer Johann Axer, der 1750 aus Paderborn nach Altenrüthen kam. Die Altäre, Kanzel und Figurenschmuck sind größtenteils aus Holz. Er hat wohl Teile der älteren Ausstattung mitverwendet, in oft verspieltem Stil von Barock und Rokoko.

Der linke Seitenaltar: Der Altar trägt ein spätromanisches Kruzifix aus Holz, Messing und Silber, „Der Herrgott von Altenrüthen“. In die Brust des Herrn ist ein Kreuzpartikel eingesetzt. Das Kreuz war einst in der gesamten Umgebung sehr bekannt und wurde von vielen Wallfahrern und Kreuzbruderschaften bis 1870 verehrt. Noch heute wird das Kreuzerhöhungsfest am 14. September in Altenrüthen besonders gefeiert.

Die sieben Kniefälle/Fußfälle: Sie sind in der Mauer, die das alte Pfarrhaus umgibt, eingelassen. Es ist eine der ältesten Formen des Kreuzweges. Seit dem späten Mittelalter überbrachten Jerusalempilger die Art den Kreuzweg zu beten. Seinen Namen erhielt der Bittgang von der Gewohnheit, sich an den einzelnen Stationen mit beiden Knien gleichzeitig zu Boden fallen zu lassen. Er wurden zum Totengebet und zu den Feiertagen in der Fastenzeit gebetet.