Abschied für den Weichensteller

Verabschiedung Helmut S. Ullrich: Beatrix Mayer, Doris Gerntke-Ehrenstein, Helmut S. Ullrich, Erich Padberg und Dr. Josef Leßmann (von links)
Verabschiedung Helmut S. Ullrich: Beatrix Mayer, Doris Gerntke-Ehrenstein, Helmut S. Ullrich, Erich Padberg und Dr. Josef Leßmann (von links)
Foto: WP

Warstein..  15 Jahre lang war Helmut S. Ullrich Verwaltungsleiter an den LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt, mit den Standorten Benninghausen und Eickelborn. Eine Zeit, in der die beiden Standorte zu einem regionalen Netz zusammengeführt wurden – von einer Fusion kann man nur in den Dienstleistungsbereichen, also Verwaltung und Technik, sprechen. Eine Zeit auch, in der unter seiner Leitung zahlreiche Gebäude am Standort Warstein grundsaniert oder neu gebaut wurden, 46 Millionen Euro wurden innerhalb 15 Jahren hier investiert – ohne die Maßnahmen, die noch bevorstehen, aber bereits von dem scheidenden Verwaltungsleiter auf den Weg gebracht wurden.

Auch wenn die offizielle Verabschiedung bereits gelaufen ist, wird der Verwaltungschef noch bis zum 30. Dezember an den beiden Standorten präsent sein, schließlich muss in Eickelborn noch der Schreibtisch aufgeräumt werden. In Warstein hingegen hat Helmut S. Ullrich dies schon erledigt. Vom besonderen Charme, den sein Büro hier noch vor Kurzem ausstrahlte, ist nur noch wenig zu spüren. Nur eine alte Karte hängt noch an der Wand des Besprechungszimmers. „Ich habe viele Kleinode gesammelt“, erzählt der scheidende Verwaltungsleiter. Und diese Karte des LWL-Geländes von 1908 sei ein besonderer Schatz. „Das ist wirklich ein wunderschönes Gelände hier – und die Wege sind größtenteils noch erhalten“, kommt Ullrich ins Schwärmen.

Wohl gefühlt von Atmosphäre her

Hat er sich also wohl gefühlt in Warstein? „Absolut. Standardmäßig hatte ich Büros in Lippstadt und Warstein. In Eickelborn war mein Schreibtisch immer voll von vielen unerledigten Dingen. Das war in Warstein anders. Hier war mein Schreibtisch immer relativ aufgeräumt.“ Zwei mal in der Woche arbeitete der Verwaltungschef eigentlich in Warstein. Doch präsent war er hier viel öfter. „Mein Büro war sehr individuell eingerichtet. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt von der Atmosphäre her. Wenn ich intensiv arbeiten wollte, ohne Störungen, bin ich nach Warstein gefahren. Weil ich wusste: Hier wirst du nicht gestört.“

Ein alter Schneidertisch, lang und schmal, stand im Besprechungszimmer. „Der stammte aus der Ersteinrichtung der Klinik. Und mein Schreibtisch war eine alte Zimmertür. Eine Glasplatte drauf, zwei Container drunter – das war ein Prunkstück.“ Da es viele langjährige Mitarbeiter gebe, die einen Bezug zu seinen Kleinodien haben, hat Ullrich seinen Schreibtisch Doris Gerntke-Ehrenstein überlassen.

Echtes Eickelborner Kind

Dass er so lange als Verwaltungschef für Warstein und Lippstadt bleiben würde, war ihm nicht klar, als er 1999 in den Kreis Soest zurückkehrte. Eine Rückkehr, da Helmut S. Ullrich 1948 als echtes Eickelborner Kind in einem der dortigen LWL-Gebäude geboren wurde – hier war eine Außenstelle der ausgebombten Landesfrauenklinik Bochum untergebracht.

Aus Hemer, wo er neun Jahre den Wirtschafts- und Verwaltungsdienst der Hans-Prinzhorn-Klinik geleitet hatte, kehrte er zu seinen Wurzeln zurück – zunächst widerwillig. „Ich habe mich in Hemer sehr wohl gefühlt. Ich war nur für ein halbes Jahr verpflichtet worden für den Kreis Soest und hatte die feste Absicht, nach Hemer zurück zu gehen. – Doch dann entwickelt man Visionen und Konzepte und muss beweisen, dass man sie auch umsetzen kann.“ Auch sei ihm klar geworden, dass mit dem Trend zu regionalen Netzen sowie den baulichen Besonderheiten des Standorts Warstein eine Riesen-Herausforderung auf ihn wartete. „Diese anzunehmen, war auch reizvoll.“

Die größte Herausforderung

Die größte Herausforderung war die maximale Zusammenführung der beiden Standorte. Die Zusammenführung geschah zunächst im originären Bereich, dann im Dienstleistungsbereich. Dabei galt es, das Leistungs-Portfolio so abzustimmen, dass die Kliniken eigene Schwerpunkte entwickeln konnten. „Wir haben diesen Gemischtwarenladen Anstalt dann wirklich zu mehreren Spezialitätengeschäften gemacht, d.h. die einzelnen Versorgungsaufträge in den Einrichtungen zusammengefasst.“

Knackpunkt bei der Zusammenführung, die ab 1. Januar 2001 realisiert war: „Wir hatten zwei Personalräte, für die Heime ist das noch heute separat. Bei Gesprächen spielten kommunale Interessen eine Rolle. Es gab die Befürchtung, dass ein Standort benachteiligt werden könnte. Es konnte durchaus sein, dass ein Personalrat bei einer Entscheidung zustimmte und der andere ablehnte – und ich war blockiert.“ Daher überlegte Ullrich, die beiden Personalräte zusammenzuführen. „Dann mussten sie sich untereinander zusammenraufen.“ 2003 gab es nur noch einen Personalrat. „Und damit war das Problem erledigt.“

Zusammenlung des Personalrates

Auch heute gebe es zum Teil noch sehr intensive Diskussionen. „Zusammenführen ist das eine, zusammen leben etwas anderes. Der Prozess des Zusammenwachsens ist noch nicht abgeschlossen, das ist ein ständiger Prozess.

Mit der Zusammenführung sei man für die Zukunft gut aufgestellt. Eine größere Rolle spiele diese etwa beim Klinik-Bedarfsplan 2015. Eine große Herausforderung. Ebenso wie die Einführung des neuen Entgeltsystems PEPP (Pauschaliertes Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Leistungen), nach dem individuelle Leistungen pro Patient und Tag bezahlt werden. „Es wird Häuser geben, die werden gewinnen, und es wird welche geben, die müssen ihre Budgets absenken.“ Ab 2017 werde PEPP scharf geschaltet. „Bei traditionellen Häusern sind die Kostenstrukturen meistens höher. Wir rechnen nicht damit, dass unsere Budgets höher ausfallen werden. Wir müssen unsere Leistungen so erbringen, wie es wirtschaftlich am besten geht.“

Die interessanteste Arbeit

„Die Gebäudestruktur hat sehr viel Spaß gemacht, war aber auch sehr arbeitsintensiv – und man hat trotzdem das Gefühl: Wir stehen am Anfang.“ Investitionen von über 46 Millionen Euro habe man in Warstein in den letzten 15 Jahren auf den Weg gebracht, im regionalen Netz sogar für 110 Millionen Euro – und das ohne die Investitionen, die noch anstehen. „Ein großer Batzen war das Pflegezentrum, auch die Tagesklinik zählt zu den herausragenden Dingen.“ Der Generalumbau von W12 sei mit 2,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen – eine Kleininvestition, bedenkt man, dass der Reha-Neubau, bei dem im Frühling Richtfest gefeiert werden soll, mit 12 Millionen Euro veranschlagt ist. „Das ist schon eine Rieseninvestition. Aber dann sind wir im Reha-Bereich einigermaßen durch.“

Nicht die einzige Baumaßnahme, die derzeit auf dem Gelände läuft. Wenn das Gebäude W07 des Wohnverbundes fertig sei (wir berichteten), werde das Haus 25 aus eigener Kraft hergerichtet, informiert Ullrich. Außerdem gebe es noch drei, vier Gebäude im Klinikbereich, die generalsaniert werden müssen. Etwa 50 Gebäude gibt es auf dem LWL-Gelände. Und für nicht alle werde es nach aktuellem Stand in Zukunft eine Nutzung geben. Das gilt allerdings nicht für das alte Hexenhäuschen. Ist die Kita leer gezogen, wird dort die Abteilung Tagesstruktur einziehen.

Das gesamte Klinikgelände gilt als Sondervermögen, die meisten Gebäude stehen dort unter Denkmalschutz, so dass man leer stehende Häuser auch nicht abreißen könnte. „Außerdem wäre das eine Schande.“ Da die Infrastrukturkosten auch bei Nicht-Nutzung bleiben, sei es besser, die alten Gebäude zu nutzen, auch wenn eine Sanierung teurer sei als ein Neubau. Zu überlegen sei, ob man die schönen Jugendstil-Villen für ein besonderes Klientel, Richtung Privatpatienten, bewerben könnte. „Eine Thematik der Zukunft.“

Das schönste Erlebnis

Besonders stolz ist der Verwaltungschef auf die Treisekapelle. „Die Erweiterung des Mahnmals ist ein freudiges Ereignis gewesen. Die Gedenktafel war mir eine Herzensangelegenheit.“ Westfalenweit habe das Projekt hohe Anerkennung erfahren. „Das ist ein aktives Mahnmal, ich hoffe, dass es sehr lange wirkt.“ Schließlich sei die Euthanasie ein Teil der Klinikgeschichte, die nicht vergessen werden dürfe.

Blick in die Zukunft

Für den Ruhestand hat sich Helmut S. Ullrich nichts vorgenommen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viel dazwischen kommen kann.“ Aber seine Hobbys werde er intensiver pflegen: Radfahren, auch Mehr-Tages-Touren, und Tennis spielen – „vielleicht bei den Westdeutschen Meisterschaften mal wieder mitspielen“. Und am 11. Januar geht es in den Skiurlaub.

 
 

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