164. Schuss macht Reinhard Bödger in Altenrüthen zum Kaiser

Tanja Frohne
525 Jahre Schützenverein Altenrüthen, Kaiserschießen, Kaiser Reinhard Bödger.
525 Jahre Schützenverein Altenrüthen, Kaiserschießen, Kaiser Reinhard Bödger.
Foto: WP
Eine lange Lebensdauer hatten die ehemaligen Könige dem stolzen Adler prophezeit, doch dann ging es plötzlich ganz schnell und der Kaiservogel musste ordentlich Federn lassen. Mit dem 164. Schuss machte Karl III. schließlich endgültig die Flatter und Reinhard Bödger zum Kaiser des Schützenvereins Altenrüthen. Ihm zur Seite steht Ehefrau Annette.

Altenrüthen. Im 525. Jahr des Vereins hat damit ein Regentenpaar die höchsten Würden errungen, dem das Schützenwesen nicht nur selbst im Blut liegt, sondern die Liebe zum Schützenfest auch an die Kinder weitergegeben hat – schließlich waren auch die Töchter Heidi und Steffi bereits Königinnen in Altenrüthen.

Josef Ratte ältester Schütze

31 Könige tummelten sich zum Auftakt des Kaiserschießens unter der Vogelstange, um zunächst die Insignien und dann die Kaiserwürde zu erringen, die in den vergangenen acht Jahren Dieter Röttler inne hatte. Als ältester Ex-König unter die Stange trat dabei der fast 92-jährige Josef Ratte an, der nach dem ersten Schuss meinte „Einen kann ich noch“ und dies auch in der nächsten Runde umsetzte. Schuss um Schuss legten die Könige an, um Apfel, Zepter und Krone zu erringen. Zunächst mit wenig Erfolg. „Ich schieße gleich nur noch auf den Korpus – entweder fällt er mit den Insignien runter oder nicht“, versprach Erich Fechner, der als einziger Doppel-König an das Gewehr trat. Schließlich wollte er seine diesjährige Königswürde am liebsten noch mit dem Kaisertitel versüßen.

Doch erst einmal richteten sich die Schützen auf einen langen Kampf um die Kaiserwürde und mit dem Adler ein, der sich hartnäckig gegen jede Kugel wehrte. „Der hält 450 Schuss“, prophezeite Hauptmann Bernd Henne. 1000 Schuss Munition habe man extra geordert, um nicht – wie beim letzten Kaiserschießen – noch Patronen aus Kallenhardt holen zu müssen.

Eine Prognose, die so mancher der Männer, die ans Gewehr traten, abgenickt hätten, denn der Adler schien unverwundbar. „Der ist noch knüppelhart“, fluchte Oberst Ralf Schulte-Steffens in der fünften Runde, in der noch immer 19 Ex-Könige auf Karl III. anlegten.

Orden für ehemalige Königinnen

Erst im nächsten Durchgang konnte Jochen Schnurbus den Adler seines linken Flügels berauben. Der Anfang vom Ende? – Noch nicht. Zwar machte Bernd Henne den Adler um den Schwanz kürzer, doch der Rest des Vogels rührte sich nicht. „Der macht nicht mehr lange – noch fünf Schuss und davon mache ich zwei“, prophezeite Erich Fechner, verrechnete sich damit jedoch. Denn erst, nachdem Kreis-Oberst Bernhard Adams den rechten Flügel abgeschossen hatte, lösten sich die Krallen des Adlers langsam aus dem Kugelfang. Mit dem 164. Schuss machte Reinhard Bödger, der 1986 König geworden war, schließlich das Ende Karls III. perfekt. Lachend schlug er die Hände über dem Kopf zusammen und nahm nach den ersten Gratulationen seine Frau Annette in die Arme. Ganz begeistert war auch Enkelin Lia (4), die sicherlich die Schützentradition der Familie weiterführen wird.

Orden gab es schließlich nicht nur für das neue Kaiserpaar, sondern auch für die Königinnen, die vor 1999 regiert hatten. Erst damals war die Erinnerungsmedaille für die Regentinnen eingeführt worden.