102 Menschen in Warstein erkrankt - Bürger sind verunsichert

Pressekonferenz zur Erkrankungswelle in Warstein: mit Landrätin Eva Irrgang, Bürgermeister Manfred Gödde, Kreisdirektor Dirk Lönnecke, Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Soest, und Professor Dr. Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn.
Pressekonferenz zur Erkrankungswelle in Warstein: mit Landrätin Eva Irrgang, Bürgermeister Manfred Gödde, Kreisdirektor Dirk Lönnecke, Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Soest, und Professor Dr. Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn.
Foto: WP
In Zusammenhang mit dem Legionellenausbruch in Warstein meldete das Gesundheitsamt jetzt mehr als 100 erkrankte Menschen. Derweil läuft die Suche nach der Erregerquelle auf Hochtouren. Die Menschen sind verunsichert: "Die Leute haben Angst um ihre Gesundheit“, betont Ordnungsamtsleiterin Roswitha Wrede.

Warstein. 102 Fälle erkrankter Menschen im Alter von 17 bis 93 Jahren, die in Zusammenhang mit dem Legionellenausbruch in Warstein gebracht werden können, wies die Liste des Kreisgesundheitsamtes am Sonntagmorgen auf. Für acht der Fälle gab es bis dahin einen vom Labor bestätigten Legionellenbefund. Die meisten Betroffenen wohnen nach Auskunft des Kreises Soest im Ortskern Warstein und im Ortsteil Belecke sowie zum geringeren Teil in Suttrop, was nicht bedeutet, dass sich die Patienten in ihrem jeweiligen Wohnort angesteckt ­haben.

„Obwohl keine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich ist, sind die Leute total verunsichert“, berichtete Heribert Hense vom Ordnungsamt Warstein, der am Sonntag am Bereitschaftshandy saß. Bis dahin hatten zwei Bürger angerufen und weitere Kühlanlagen gemeldet. Wie Ordnungsamtsleiterin Roswitha Wrede bestätigte, handelte es sich bei diesen Hinweisen allerdings nicht um die gesuchten Großanlagen mit offener Rückkühlung. Für diese hat die Stadt mit einer „Allgemeinverfügung“, die unsere Zeitung am Samstag im Wortlaut abgedruckt hat, eine Meldepflicht eingeführt. Wie berichtet, müssen sich Betreiber / Besitzer solcher Nasskühltürme bzw. -aggregate im Bereich Warstein, Belecke und Suttrop selbstständig an die Stadt wenden, um diese kontrollieren zu lassen. Ansonsten droht ein Zwangsgeld von 20.000 Euro.

„Jeder hat eine Idee, wie und wo wir die Quelle für die Infektion finden.“

Sogar art-verwandte Anlagen werden inzwischen unter die Lupe genommen. „Diese sind eigentlich auszuschließen, aber wir wollen die Bürger, die sich melden, und die Unternehmer beruhigen“, sagt Roswitha Wrede. Da auch unabhängig von den Tipps aus der Bevölkerung die aktiven Recherchen weiterlaufen, erschien es sinnvoll, in einem Warsteiner Unternehmen noch am Sonntag Proben zu ziehen. Zwei Mitarbeiter der Gesundheitsaufsicht und zwei Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes machten sich dazu auf den Weg.

110 Bürgerinnen und Bürger haben sich seit der Einrichtung des Bürgertelefons am Mittwoch vergangener Woche gemeldet. „Es wurden nicht nur Sorgen vorgetragen und um Informationen gebeten. Viele Bürgerinnen und Bürger wollten auch mit Hinweisen bei der Suche nach der Infektionsquelle behilflich sein. Dafür sagen wir herzlichen Dank“, so Pressesprecher Wilhelm Müschenborn. „Dank der bisherigen intensiven Recherchearbeit der Gesundheitsaufsicht waren die am Bürgertelefon mitgeteilten Informationen in allen Fällen der Kreisverwaltung aber schon bekannt.“

Die gleiche Erfahrung machte auch Roswitha Wrede: „Alle wollen helfen, jeder hat eine Idee, wie und wo wir die Quelle für die Infektion finden.“ Sogar ein Hinweis aus Dortmund ging ein. „Es ist so viel Fachpersonal im Einsatz. Wir werden die Ursache finden, ich gehe fest davon aus“, gibt sie sich zuversichtlich. Auch die beim Bereitschaftsdienst gemeldeten Anlagen werden am Montag mit den vorhandenen Listen abgeglichen und zur Not nachträglich kontrolliert. Denn im Vordergrund steht immer: „Die Leute haben Angst um ihre Gesundheit“, so Wrede.

Am Freitag waren bis 11 Uhr alle Unternehmen, die bis zu diesem Zeitpunkt als relevant eingestuft worden waren, aufgesucht worden. Die entsprechenden Proben wurden am Freitagmittag um 12 Uhr unmittelbar per Fahrer ins Labor gebracht. Somit hoffen die Warsteiner, dass die Ergebnisse der untersuchten Proben am Dienstag vorliegen und endlich Entwarnung gegeben werden kann.