Zwei Millionen für eine Minute

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Die Beschleunigung der Rothaarbahn wird auch auf Hilchenbacher Stadtgebiet teuer.

Hilchenbach.  Die Beschleunigung der Rothaarbahn wird auch auf Hilchenbacher Stadtgebiet teuer. Zwar befinden sich hier nur zwei der insgesamt 19 Bahnübergänge zwischen Hilchenbach und Bad Berleburg, wovon einer sich im Bahnhof selbst befindet. Dafür wird der andere nun wohl richtig teuer.

Mit 87 000 Euro wollte die Bahn AG am Schmidtseifen in Dahlbruch auskommen: Der bisher ungesicherte Übergang sollte geschlossen werden, die Häuser dahinter würden durch die benachbarte Bahnunterführung und einen neben den Gleisen verlaufenden Privatweg erschlossen. Die Rothaarbahn müsste dann an dieser Stelle nicht mehr auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen, eine Minute Fahrzeit würde gewonnen. An den Kosten für die Unterhaltung des Privatweges, der dann keiner mehr wäre, wollte die Bahn sich beteiligen.

Widerspruch aus dem Schmidtseifen

Dieser Vorschlag stieß auf Widerspruch der betroffenen Anwohner — nicht nur wegen des 1,2 bis 1,4 Kilometer langen Umweges. Sorgen wurden laut, dass die Feuerwehr und Holzabfuhrtransporte Probleme bekommen und das Viertel bei einer Blockade der Unterführung völlig abgeschnitten wäre. FDP-Vorsitzender Karl-Heinz Jungbluth hat nun einen Bürgerantrag gegen die Schließung des Bahnübergangs gestellt, mit dem sich der Stadtentwicklungsausschuss am Mittwoch, 5. September, 17 Uhr im Ratssaal befasst.

Das von der Bahn beauftragte Planungsbüro hat inzwischen Alternativen untersucht:
Sperrung des Bahnübergangs mit einer verschließbaren Schranke, Kosten 275 000 Euro: Durchfahren darf nur, wer einen Schlüssel hat. Vorher muss der Sprechanlage, die ebenfalls zu installieren ist, der Dahlbrucher Fahrdienstleiter um Erlaubnis gefragt werden. Die Stadt hat dies von vornherein abgelehnt. Denn die Bahn wollte nur einen Schlüssel ausgeben.
Freilegen des Bahnübergangs, sodass Triebwagenführer den Gleisabschnitt über weite Distanz einsehen können. Dazu müssen der Gleiskörper erweitert und Böschungen abgetragen werden, die Strecke müsste für mehrere Wochen gesperrt werden. Kosten: bis zu zwei Millionen Euro.
Anrufschranke: Wer den Bahnübergang nutzen will, muss per Sprechstelle den Dahlbrucher Fahrdienstleiter anrufen. Der Bahnhof Dahlbruch ist allerdings nicht ständig besetzt, auch der Hilchenbacher Bahnhof wird nach der letzten Rothaarbahn abgeschlossen. Danach bliebe die Anrufschranke zu. Kosten:
Vollbahnübergang“: Eine normale Schranke, die durch Induktionsschleifen in den Gleisen gesteuert wird. Die Schranken schließen sich, wenn die Bahn sich nähert. Auf eine ständige Besetzung des Dahlbrucher Stellwerks würde die Bahn, ebenso wie am Hilchenbacher Bahnhof, verzichten. Kosten: rund 730 000 Euro. Diese Variante, so die Verwaltung, „rückt mangels geeigneter Alternativen in die nähere Betrachtung“.