Zwei ganz normale Hochbegabte

Foto: NRZ

Littfeld..  Schattinger 1, Schattinger 2 stand auf den Armbändchen, die Paul und Kilian nach ihrer Geburt ums Handgelenk gelegt bekamen. Ohne sie wären die Zwillinge aus Littfeld kaum zu unterscheiden gewesen. Zwölf Jahre später sind beide zu kleinen Persönlichkeiten herangewachsen. Paul ist eher ruhig, Kilian quirliger. Aber was beide gemein haben: Sie sind blitzgescheit.

Gar nicht unbedingt, weil die beiden Fünftklässler so außerordentlich gute Noten haben, sondern weil sie schneller verstehen als andere. „Kognitiv Hochbegabte erkennt man daran, dass sie komplexe Zusammenhänge schneller begreifen als andere. Sie denken auch in übergeordneten Prinzipien und fächerübergreifend“, erklärt Professor Elisabeth Sticker, Psychologie-Professorin an der Universität Siegen. Sie hat sich auf die Hochbegabten-Förderung spezialisiert und bot zusammen mit ihren Studenten Anfang März ein Projekt für Hochbegabte an.

Toben auf dem Schulhof

Auch Paul und Kilian waren dabei, weil sie von ihrem Lehrer in Stift Keppel vorgeschlagen wurden. Er gab den Zwillingen damals einen Brief mit nach Hause. „Ich habe erst gar nicht gewusst, worum es geht“, sagt Kilian. Beide befürchteten schon, sie hätten etwas ausgefressen.

Auch Stephan und Babette Schattinger waren überrascht. „Für uns sind die beiden ja ganz normal. Wir kennen sie ja nur so“, sagt Babette Schattinger. Von einer Hochbegabung war nie die Rede.

Auch die Zwillinge würden sich nie als Hochbegabte bezeichnen. Allein das Wort ist beiden unangenehm. „Wir sind ganz normal“, sagt Kilian und zuckt mit den Schultern. „Wir machen normale Sachen.“ Lesen, lesen, lesen, aber auch toben auf dem Schulhof, Aufräumen blöd finden, Computer spielen, Klavier und Saxofon, Leichtathletik oder Maxboard-Fahren in der Siedlung.

Teilchenpysiker, vielleicht

Die Nachbarin hat den Jungs das Fahren auf dem waveboardähnlichen Gerät beigebracht, dafür haben die Schattingers ihr in Mathe geholfen. Die Jungen sind gern unter Freunden und gern draußen.

Deshalb haben beide auch großen Spaß an Naturwissenschaften. Im Bio-Unterricht geht es gerade um Kröten. Im Physik-Projekt wird Kilian bald ausrechnen, wie viel Energie in Schokolade steckt und Paul erklärt, mit welchem Versuch man aufgelöstes Salz wieder aus der Flasche bekommt. Total spannend. Später möchten beide in die Forschung: Teilchenphysiker oder Chemiker wäre cool.

Die Eltern haben sich die Fachbereiche gut aufgeteilt. Die Mutter ist Übersetzerin und hilft den Jungs bei den Sprachen und Speditionskaufmann Stephan Schattinger unterstützt die Zwillinge in Mathematik und Erdkunde. Irgendwann wird allerdings der Punkt kommen, dass sie ihren Kindern nicht mehr alle Fragen beantworten können. „Dann ist das eben so“, sagt Stephan Schattinger ebenso gelassen wie seine Jungs. Den Eltern ist es vor allem wichtig, dass ihre „Kinder Kinder sein dürfen“.

Manchmal gehört dazu eben auch eine Abfuhr. Zum Beispiel, als Paul im Haus experimentieren wollte. Es ging um einen selbstgebauten Vulkan aus Spüli, Sauerei inklusive. Jetzt muss die Forschung auf schönes Wetter warten.

 
 

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