Zum Jubiläum kommen die alten Fürsten

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Weidenau..  Den Wahlspruch des Fürsten hatten sich die Festredner natürlich in ihre Grußworte hineinschreiben lassen: „Soweit der Erdkreis reicht“, hätte er auf Deutsch geheißen. „Qua patet orbis“ ist aber Lateinisch. Ob das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium eine elitäre Schule ist?

Beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen am Freitagabend wurde die Frage recht pragmatisch beantwortet: „Natürlich waren wir ehrgeizig“, sagt Werner Becker, der von 1963 bis 1966 den neuen Aufbauzweig des Gymnasiums besuchte, das er erst 2012 als stellvertretender Schulleiter wieder verließ. „Man hatte keine große Auswahl“, erinnert Hans Adolf Demler daran, dass es für Jungen sonst nur noch das Siegener Löhrtor-Gymnasium gegeben hätte — Lyzeum und Stift Keppel waren Mädchenschulen.

Erfolgreiche Jungen vom Land

Und Demler nennt auch den Unterschied: das FJM für die Jungen vom Land, das Löhrtor für „vornehme Städter“. Jungen vom Land wie Becker, der auf der Lützel geboren wurde. Wie Demler, Abi-Jahrgang 1961, der Senior der Netphener Bauunternehmer. Wie Ulf Stötzel, der in Netphen groß gewordene frühere Siegener Bürgermeister. Wie Heinrich Weisss, der Inhaber der SMS Siemag, der in Dahlbruch groß geworden ist. Sie alle mischten sich unter die rund tausend „Ehemaligen“, die am Samstag Gelegenheit nahmen, ihre alte Schule neu kennen zu lernen.

Einer von ihnen ist auch Jens Brinkmann, Vorstand der Volksbank Siegerland. Sein Grußwort hält er nicht nur als Vertreter eines Kooperationspartners der Schule, sondern auch als jemand, der hofft, „dass alle Unterlagen und Aufzeichnungen vernichtet sind“. Jene nämlich, die ihn vor 25 Jahren zum eigenen Abitur führten. Das, wie Brinkmann dann aber auch ausführt, „beweist, dass Schule lebens- und berufstauglich macht.“

450 geladene Gäste hatte Schulleiter Rüdiger Käuser am Freitag zum Festakt willkommen geheißen, doppelt so viele Ehemalige am Samstag, für die Sitzecken oder Klassenräume für viele kleine und größere Jahrgangstreffen zur Verfügung standen, bewirtet, bespaßt und (musikalisch) bespielt von Schülerinnen und Schülern, die ihr Bestes gaben, die Chemie- und Physiksäle nicht als Kammern des Grauens erscheinen zu lassen, wenigstens nicht an diesem Tag.

Als „besondere Form der Dreifaltigkeit“ begrüßte Käuser Sylvia Löhrmann, Schulministerin, amtierende Vorsitzende der Kultusministerkonnferenz und stellvertretende Ministerpräsidentin. Das FJM, sagte Sylvia Löhrmann, „hat sich immer den Herausforderungen der Gegenwart gestellt und in die Zukunft gewirkt.“ Den Tipp, mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung einen weiteren Schwerpunkt zu setzen, gab Sylvia Löhrmann aus gegebenem Anlass: „Dann kommt der Herr Remmel nicht mehr inkognito.“ Diese Rolle hatte sich der Umweltminister diesmal ausbedungen — dem Fest wohnte Johannes Remmel „nur“ als Vater einer Schülerin bei. Sein Abi hat er nämlich, wie Käuser auch, in Siegen gemacht. Bei den Städtern.

Das FJM und sein Ruf

Während die Ministerin die Klippen der G-8- und G-9-Debatte so weit wie möglich umschiffte, versuchte Bürgermeister Steffen Mues, die Siegener Schulpolitik nicht in den (Licht-)Hof des Fürsten eindringen zu lassen. Natürlich gebe es für zu wenig Kinder inzwischen zu viele Schulen, erfuhren am Samstag die Alt-FJMler, die sich in ihre alte 5 b setzen und von Ulrich Gödde – noch ein Ehemaliger, der an seiner Schule Lehrer wurde — auf den Stand der Dinge bringen lassen konnten. Beim Festakt äußerte der Bürgermeister immerhin seine Überzeugung, „dass das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium auch in Zukunft seinen pädagogischen Stellenwert behaupten wird“.

Alles wird gut: Reinhold Klüter, Leitender Regierungsschuldirektor, verspricht (Lehrer-)Stellen — statt Geld, das Schulaufsichtsbeante traditionell auch zu den festlichsten Anlässen nicht überreichen. Und Landrat Paul Breuer hält den Ruf der Schule hoch: Das FJM sei „kein Gymnasium, das den Ruf hat, dass man Abschlüsse besonders leicht erreichen kann“. Das Urteil kommt aus einer neutralen Ecke: Sein Abitur bestand Breuer am Bad Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium.

 
 

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