Zu wenig Wohnungen - Studenten in Siegen ziehen ins Hotel

Tobias Blasius
Die Unis werden voller, der Wohnraum schmaler: Die Nachfrage nach günstigen Studentenwohnungen übersteigt durch den doppelten Abiturjahrgang bei weitem das Angebot.
Die Unis werden voller, der Wohnraum schmaler: Die Nachfrage nach günstigen Studentenwohnungen übersteigt durch den doppelten Abiturjahrgang bei weitem das Angebot.
Foto: Peter Kneffel/dpa
Durch die hohe Nachfrage auf bezahlbare Wohnungen wird das Angebot in NRW knapp. Vor allem in den Studentenhochburgen Köln, Münster, Aachen und Siegen wird es knapp - Schuld daran ist der doppelte Abiturjahrgang. Auch wer Bafög beantragt, muss mit Wartezeiten rechnen.

Düsseldorf. Der Mangel an preisgünstigen Wohnungen in vielen Universitätsstädten könnte sich nach Einschätzung der NRW-Studentenwerke in den kommenden Monaten zu einem massiven Problem für den doppelten Abiturjahrgang auswachsen. Besonders angespannt sei die Lage in Köln, Aachen, Münster und Siegen. Derzeit unterhalten die Studentenwerke landesweit rund 37 000 Wohnheimplätze. Bis Ende 2014 sollen weitere 2500 hinzukommen.

Die Durchschnittsmiete beträgt hier 224 Euro. Allerdings erhalten nur gut sieben Prozent aller Studenten eine solch günstige Wohngelegenheit. Mehr als 40 Prozent finden auf dem freien Mietmarkt eine Bleibe, 28 Prozent wohnen noch bei den Eltern.

20.000 zusätzliche Erstsemester an den NRW-Unis

Die Studentenwerke stellen sich auf eine noch einmal deutlich steigende Nachfrage ein, wenn die Schüler des kürzlich entlassenen doppelten Abiturjahrgangs ihre endgültigen Studienorte gefunden haben. Zurzeit läuft das Nachrückerverfahren bei der Studienplatzvergabe zum Wintersemester. „Wir sind gut gerüstet, aber sehr gespannt, was auf uns zu kommt“, sagte der Sprecher der NRW-Studentenwerke, Jörg Lüken.

Es sei in jedem Falle damit zu rechnen, dass die Zahl der Anwärter auf einen Wohnheimplatz deutlich steigen werde. Nach Schätzungen der Kultusministerkonferenz werden allein in diesem Jahr 20 000 Erstsemester zusätzlich in NRW ein Studium aufnehmen. Während die Wohnsituation rund um die großen Ruhrgebiets-Unis Duisburg-Essen und Bochum als beherrschbar gilt, hat das Studentenwerk Siegen Hotels, Alteneinrichtungen und Schwesternheime zu Studentenbuden umwidmen müssen.

Antragswelle auch beim Bafög erwartet

Eine neue Antragswelle wird in den kommenden Wochen auch für Unterstützung nach Bafög (Bundesausbildungsförderungsgesetz) erwartet. Durch eine deutliche Anhebung der Landesmittel konnten die zwölf Studentenwerke 30 neue Mitarbeiter einstellen. „Wir setzen alles daran, die Antragsflut zu bewältigen“, sagte Lüken. Sofern Bafög-Anträge vollständig abgegeben würden, könne es binnen eines Monats zur ersten Auszahlung kommen.

Die Zahl der landesweiten Bafög-Anträge lag im Vorjahr bereits bei 134 000. 18 Prozent aller Studenten erhielten eine solche Unterstützung, die durchschnittlich 424 Euro betrug.