Zu Besuch im Versteck von Henner und Frieder

Henner und Frieder wurden vor dem Transport in den Einhausungen fixiert. Das bleibt auch so, bis sie auf der Oberstadtbrücke in ihre neuen Positionen gehoben werden: Je weniger die Standbilder bewegt werden, um so geringer das Risiko von Beschädigungen.
Henner und Frieder wurden vor dem Transport in den Einhausungen fixiert. Das bleibt auch so, bis sie auf der Oberstadtbrücke in ihre neuen Positionen gehoben werden: Je weniger die Standbilder bewegt werden, um so geringer das Risiko von Beschädigungen.
Foto: WP

Irgendwo im Siegerland.  Die beiden wohl bekanntesten Siegener sind abgetaucht. In einem Geheimversteck harren Henner und Frieder der Fertigstellung der Oberstadtbrücke.

Ende des Jahres soll das Duo dort sein neues Domizil beziehen. Bis dahin heißt es: Warten. Aber wenigstens dürfen die Jungs Besuch empfangen.

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Wo Berg- und Hüttenmann seit Abriss der Siegplatte gelagert sind, weiß nämlich selbst im Siegener Rathaus kaum jemand. Anke Schreiber, Leiterin der Abteilung Straße und Verkehr, sei ein heißer Tipp, heißt es auf den Fluren.

Doch mit Charme und freundlichen Worten allein ist es da nicht getan; zu den ihrer Obhut anvertrauten Bronzeburschen führt Schreiber nur denjenigen, der sich zu strikter Geheimhaltung verpflichtet. „Solche Sachen werden ja auch gern gestohlen“, begründet Schreiber, wieso der Aufenthaltsort nicht öffentlich bekannt werden soll.

Sicher verstaut im Holzkäfig

Eine Begegnung mit den zwei Siegerländer Urgesteinen ist damit ein wenig wie ein konspiratives Treffen im Agentenfilm. Ein Tor geht auf. Und gleich wird klar, dass Henner und Frieder trotz aller Berühmtheit auf dem Teppich geblieben sind. Es ist nicht gerade eine Suite: Der Besucher betritt eine unscheinbare, recht schmucklose Halle. Ist die Bescheidenheit Understatement? Oder gar ein Ablenkungsmanöver?

Die Holzkisten, in denen die alten Haudegen vor ihrem Abtransport vom angestammten Platz an der Bahnhofstraße verstaut wurden, haben sie im Versteck nicht verlassen. Die Gurte, mit denen sie festgezurrt sind, wurden nicht entfernt. Auch das hat Sicherheitsgründe.

Nein, nein: Die käfigartigen Boxen und die Fixierungen sollen nicht die Aufpasser vor etwaigen Übergriffen der zwei Sommergäste schützen – die wirken abgesehen davon auch gar nicht, als seien sie in Anbetracht des erzwungenen Umzugs angesäuert.

Begegnung auf Augenhöhe

Der Verbleib in den Einhausungen dient der Sicherheit der Standbilder. Natürlich sind Berg- und Hüttenmann harte Kerle – aber je weniger sie sich bewegen müssen, um so geringer ist die Gefahr, dass sie irgendwelchen Schaden nehmen.

Zu zwei altgedienten Wahrzeichen der Stadt schaut man als Bürger natürlich auf. Da die beiden bisher auf Sockeln standen, blieb einem ja auch nichts anderes übrig; Aber nun, bei Begegnung auf Augenhöhe, so von Mensch zu Mensch – äh, Statue! – lernt man die beiden ganz neu kennen.

Der Detailreichtum, mit denen Friedrich Reusch die Figuren vor mehr als 100 Jahren ausarbeitete, erschließt sich erst aus der Nähe. Die Gesichtszüge, die Falten und Risse der Hände, die Strukturen der Kleidung: Henner und Frieder, das wird klar, sind wirklich Männer aus dem Volk, Männer wie Du und Ich.

Ein angenehmer Umgang sind sie auch, wie ihre Aufpasser verraten. „Nette Kollegen – sehr ruhig“ heißt es da. Und: „Morgens immer die ersten, abends immer die letzten“. Die Tugenden des Siegerländer Arbeiters haben sie sich also in all ihren Jahren bewahrt.

Wo das Versteck liegt? Von uns erfährt es jedenfalls niemand: Reden ist schofel. Schweigen ist Bronze.

 
 

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