Ziemlich beste Freunde – Ziemlich großes Vergnügen

Die Apollo-Produktion "Ziemlich beste Freunde".  Mit dabei: Martin Hofer (als Philippe, im Rollstuhl), Simon Pearce (als Driss) und Undine Schneider als Sekretärin Magalie.
Die Apollo-Produktion "Ziemlich beste Freunde". Mit dabei: Martin Hofer (als Philippe, im Rollstuhl), Simon Pearce (als Driss) und Undine Schneider als Sekretärin Magalie.
Foto: WP
Das Apollo-Theater bringt in einer Eigenproduktion „Ziemlich beste Freunde“ auf die Bühne. Ergebnis: Ein erfolgreicher Film geht auch im Theater.

Siegen..  Das Apollo-Theater hat mit einer Eigenproduktion den französischen Erfolgsfilm „Ziemlich beste Freunde“ inszeniert. Am Samstag feierte das Stück Premiere: Das Publikum ging mit dem Eindruck nach Hause, die vier Schauspieler hätten an diesem Abend keine Arbeit verrichtet, sondern grenzenloses Vergnügen genossen.

Alles strahlt Luxus aus. Schwarz glänzender Marmorfußboden. Darauf ein Flügel, den niemand spielt. Großzügig geschwungene Möbel begrenzen den Salon, darauf drapiert 25 Fabergé-Eier. An der Wand hängt ein echter Francis Bacon und über allem schwebt ein wuchtiger Kristalllüster.

„Keine Arme, keine Schokolade!“

Der Hausherr rollt herein, vom Hals ab gelähmt. Er braucht einen neuen Pfleger. Der letzte hatte es mal wieder nicht sehr lange ausgehalten. Der erste Kandidat, mit besten Referenzen geschmückt, macht auf Mitleid: „Ich liebe Behinderte.“ Der zweite, unzivilisiert, ungebildet – er hält Chopin für einen Fußballer - braucht lediglich die Unterschrift fürs Arbeitslosengeld. Doch er wird eingestellt, für einen Monat und zur Probe.

So beginnt die ungewöhnliche Geschichte „Ziemlich beste Freunde“ auf der Bühne des Apollo Theaters. Driss, so heißt der Neue, hat die Aufgabe, seinen reichen Auftraggeber Philippe umfassend zu versorgen: duschen, pflegen, massieren, anziehen. Nur mit den Gummihandschuhen tut er sich schwer. Doch es entwickelt sich eine Beziehung, die viele Veränderungen bewirkt. Der teure Bacon, der deformierte Körper zeigt, wird abgehängt und durch ein optimistischeres Werk ersetzt. Mit unkorrekter Leichtigkeit lässt Driss seine Sprüche los: „Keine Arme, keine Schokolade!“ Und darüber kann sogar Philippe lachen. Über seine Sehnsüchte erklärt er Driss: „Auch Ohren sind sinnliche Organe.“ Driss: „Wenn Sie erregt sind, haben Sie also rote Ohren?“

Kurzum: Es wird viel gelacht im Hause Philippes und auch im Theatersaal. Dass zwischendurch mal ein Fabergé Ei fehlt, nimmt Philippe locker hin. Dafür erhält er, inzwischen Ohrringträger, von Driss „Geflügelunterricht“: Mit der Nase auf dem teuren Instrument eine Melodie spielen. Komplimente werden ausgetauscht: „Driss sieht im Anzug aus wie Obama.“ Driss: „Und Sie wie Wolfgang Schäuble.“

Sie lernen viel voneinander. Driss wird zum vorsichtigen Liebhaber klassischer Musik und hilft Philippe, soviel Happy End muss sein, dessen Briefliebe Elenore wirklich kennenzulernen.

Einen erfolgreichen Filmstoff auf die Bühne zu bringen, ist ein Risiko. Die Kamera kann einiges, was auf der Bühne nicht geht. Doch Theater kann vieles, was der Film nicht vermag: Eine Handlung lebendig werden lassen durch Schauspieler, die durch die Atmosphäre eines gespannten Publikums angesteckt sind, einer Rolle Fleisch und Blut geben, dass man vergisst, dass es Schauspieler sind.

Atemberaubend authentisch

Genau das ist mit dieser Inszenierung gelungen. Martin Hofer spielt den an den Rollstuhl gefesselten, zunächst hadernden reichen Mann atemberaubend authentisch. Seine Veränderung durch den jungen Pfleger, seine neue Menschwerdung wird bis in die letzte Reihe des Apollo Theaters erlebbar. Der Rollstuhl ist Stück seines Körpers. Simon Pearce als Driss erledigt die Aufgabe, trotz seiner schwierigen Herkunft mit seiner unkonventionellen Lebensart einen resignierten reichen Mann zu pflegen und ihm neue Lebensfreude zu geben, mit spielerischer Leichtigkeit und großem Körpereinsatz. Undine Schneider, die alle weiblichen Rollen darstellt, und Janos Kaptany ergänzen die Hauptdarsteller vortrefflich.

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