Wohltaten hinter verschlossenen Türen

Kreuztal..  Seit 1976 wirkt sie im Stillen und hat nach dem letzten Stand 662 000 Euro an Fördergeld für verschiedene Zwecke im Seniorenbereich ausgezahlt: Zuschüsse zu Feiern, Fahrten, Vorträge, Konzerte oder für ein kleines Geschenk bei den zahlreichen ehrenamtlichen Krankenbesuchen der Mitglieder des Seniorenbeirats.

Aber bei aller Wohltätigkeit umweht die Konrad-Kaletsch-Stiftung der Hauch des Geheimnisvollen. Dabei wird auf der Kreuztaler Homepage bedauernd festgestellt, dass die nach dem ehemaligen Manager des Flick-Konzerns und Vetters von Friedrich Flick benannte Stiftung „offenbar nach wie vor in weiten Kreisen der Bevölkerung, namentlich auch bei unseren Seniorinnen und Senioren, noch wenig bekannt“ sei.

Doch wie auch? Öffentlich tagt das Gremium nun einmal nicht. Zuletzt geschah dies im Dezember, als der Vorstand über den Haushalt 2015 befand. Die Verteilung der alljährlich aus dem inzwischen 399 000 Euro betragenden Stiftungskapital erzielten Erträge geschah wie immer hinter verschlossenen Türen – nach Auskunft des Vorsitzenden Bürgermeister Walter Kiß mit Rücksicht auf Antragsteller, bei denen nicht selten persönliche Umstände mitspielen. Gleichwohl werde darüber nachgedacht, eventuell mit einem Flyer die Stiftung bekannter zu machen.

20 000 Euro im Jahr

Zu vergeben hat der Stiftungsvorstand rund 20 000 Euro im Jahr, die aus den Erlösen des langfristig angelegten Stiftungskapitals zu guten Zinssätzen erwirtschaftet wurden. Die Fördergelder wurden im letzten Jahr an 38 Antragsteller ausgezahlt, die in verschiedenen Bereichen des in Kreuztal bestehenden Senioren-Netzwerkes aktiv sind – an Einzelpersonen und Institutionen. Der darüber entscheidende Stiftungsvorstand setzt sich aus zehn vom Rat der Stadt bestimmten Mitgliedern plus dem Vertreter des Seniorenbeirats zusammen.

„Der Stiftungszweck ist ein guter“, sagt Vorstandsvorsitzender Bürgermeister Walter Kiß. Der jährlich zur Verfügung stehende Betrag trage dazu bei, dass Kreuztal für die Seniorenarbeit gut aufgestellt sei. Vieles von dem, das durch die Stiftung finanziert wird, wäre sonst eine freiwillige Leistung und fiele ohne diese Möglichkeit deutlich bescheidener aus. Absehbar sei allerdings, dass das Zinsniveau bei Neuabschluss der Anlageverträge sinken werde. Dies könne durchaus dazu führen, dass die Erträge zurückgehen, und es werde weniger Geld ausgeschüttet werden können.

Angefangen hat die Stiftung vergleichsweise bescheiden – mit 300 000 D-Mark, die der Namensgeber aus seinem Privatkapital einzahlte. Das eigentliche Ziel war es, für die älteren Bürger der Stadt eine feste Einrichtung zu schaffen („Kaletsch-Haus“), was jedoch trotz mehrjähriger Bemühungen nicht gelang. Vor seinem Tod im Jahr 1978 hatte der damals 80-jährige Kaletsch verfügt, dass so genannte „Kranzspenden“ seiner Stiftung zufließen sollten.

So kamen weitere 151 000 DM dazu. Zum zehnten Todestag 1988 erließ Sohn Otto A. Kaletsch einen Spendenaufruf, der weitere 90 200 DM erbrachte. Weitere Spenden und angesammelte Zinsen ließen das Kapital auf fast das Dreifache der Anfangszeit anwachsen.

Beigesetzt ist Konrad Kaletsch, der 1975 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, auf dem Kreuztaler Friedhof. An die einst aus Kassel kommende Familie, die ursprünglich aus Böhmen stammte, erinnert allenfalls noch der „Kreuztaler Hof“, der bis in die 1920er Jahre der Familie Kaletsch gehörte. Verbindungen zur Familie der in USA lebenden Nachkommen sind vorhanden. Nachdem Otto A. Kaletsch den Ehrenvorsitz des Stiftungsvorstandes abgegeben hatte, rückte dessen Tochter Tatiana nach.

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