„Wir müssen gut bleiben“

Siegen.  500 Millionen Euro investierte das Land Nordrhein-Westfalen 2014 in seine Kliniken – eine Milliarde weniger, als die Krankenhäuser laut eigener Aussage eigentlich benötigten. Um die Infrastruktur und Technik aller Kliniken des Landes auf dem neusten Stand zu halten, bestehe ein Investitionsbedarf von insgesamt 1,5 Milliarden Euro, dem das Land in den letzten Jahren allerdings immer weniger nachgekommen sei. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Krankenhausgesellschaft NRW (siehe Infobox).

Hans-Jürgen Winkelmann, Geschäftsführer des Marienkrankenhauses, hat dazu eine klare Meinung: „Wir sind Teil der Infrastruktur einer Region und damit genauso wichtig wie Schulen und Kindergärten“, sagte er während einer Podiumsdiskussion im Ambulanten Albertus-Magnus-Zentrum des Marienkrankenhauses zur aktuellen Investitionslage der Krankenhäuser der Region.

Konstruktive Vorschläge

„Der Fokus hat jahrelang auf anderen politischen Themen gelegen, etwa den Straßen“, stimmte Hermann-Josef Droege, Vorsitzender des Regionalrats im Regierungsbezirk Arnsberg, zu. Die Teilnehmer der Diskussion betonten, nicht jammern zu wollen, sondern konstruktive Vorschläge zu machen, wie die bereits gute Versorgung zu halten und zu verbessern sei. „Wir sind gut. Richtig gut“, so CDU-Politiker Droege. „Wir wollen und müssen aber auch gut bleiben.“

Technische Standards sind das eine, der Fokus müsse aber auch wieder mehr auf den Menschen gelegt werden, merkte Professor Wolfgang Bauch an. „Früher haben wir Menschen mit Krankheiten behandelt, heute behandelt man Krankheiten mit Menschen.“ Die Patienten seien mit der medizinischen Versorgung zufrieden, nicht aber mit der Hektik und der Unruhe. Man müsse den Personalschlüssel verbessern.

Landespolitik soll handeln

„Krankenhäuser sind die Hauptarbeitgeber“, sagte Dr. Bettina Wolf, Leiterin der Arbeitsagentur Siegen-Wittgenstein/Olpe. Sie gab zu bedenken, dass die Situation durch den demografischen Wandel künftig eher schlechter werde. Und: Der Druck werde durch die Flüchtlinge erhöht, so Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW.

„Ich erwarte, dass Landespolitiker dieses hochkomplexe Thema nach Düsseldorf tragen und sich für uns stark machen“, sagte Dr. Bettina Wolf. Auch Matthias Blum hofft, dass sich die Aufmerksamkeit der Landespolitik auf die Gesundheitsbranche zuwendet: „Ich bin guter Hoffnung, dass sich diesmal etwas bewegen wird.“

 
 

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