Wie Integration in Siegen-Wittgenstein gelingt

Beim Besuch des CDA Kreisverbands machen die Beteiligten deutlich, dass nur gemeinsam eine vollständige Integration machbar ist. Gerade auf kommunaler Ebene ist das Zusammenspiel von Ehrenamtlern und Profis wichtig.
Beim Besuch des CDA Kreisverbands machen die Beteiligten deutlich, dass nur gemeinsam eine vollständige Integration machbar ist. Gerade auf kommunaler Ebene ist das Zusammenspiel von Ehrenamtlern und Profis wichtig.
Foto: Tobias Schürmann
Diskussion mit dem Europaabgeordneten Elmar Brok über den Stand der Dinge bei der Flüchtlingsproblematik und der innenpolitischen Lage in der Türkei.

Siegen.  Wie gelingt Integration und welche Auswirkung hat der Flüchtlingsstrom auf Europa und den Kreis Siegen-Wittgenstein? Zu diesem Thema haben gestern Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft mit dem Europaabgeordneten Elmar Brok diskutiert.

„Wir können nicht mehr in Ruhe in unserem Vorgarten leben.

erklärt, dass die Unsicherheit – nicht nur in Europa – auch in Siegen-Wittgenstein angesichts des Brexits oder der Lage in der Türkei wächst. Seine Forderung: „Wir müssen Menschen nicht nur einen sicheren Hafen bieten, sondern auch unsere Werte leben und weitervermitteln.“

„Niemand war vorbereitet, dass die Flut von Flüchtlingen so hereinbricht.

Europaabgeordneter Elmar Brok (CDU) räumt ein, dass die Flüchtlingskrise Europa als Ganzes schwer getroffen hat. Allerdings haben Stadtverwaltungen und Bund hierzulande die Lage schnell und gut in den Griff bekommen. „Europäische Kollegen haben großen Respekt für das ehrenamtliche Engagement in Deutschland“, berichtet er. Gleichzeitig, so Brok, müsse aber in Deutschland das Verständnis wachsen, dass nicht alle Flüchtlinge Asylsuchende sind. Die Integration von Menschen, die nur eine gewisse Zeit in Deutschland seien, müsse anders ablaufen als die derer, die permanent in der Region bleiben. Er fordert daher auch eine Art „Marshall-Plan“ für Syrien.

„Die Kosten für Integration sind eine Belastung – aber eine verkraftbare.“

Kämmerer der Stadt Siegen, zeigt auf, dass die Kosten für die gelungene Integration von Flüchtlingen stark schwanken können. 12 Millionen Euro seien für Betreuung und Integration dieses Jahr im Haushalt vorgesehen. „Das Engagement in den Einrichtungen ist beeindruckend.“ Gerade durch einen Besuch in der Unterkunft am Haardter Berg habe er gelernt demütig zu sein.

„Die allerbeste Integration ist die berufliche Integration.“

Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Siegen, Dr. Bettina Wolf, spricht sich klar für bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten aus. Trotz der „komplexen Rechtsmaterie“ gelinge dies aber immer besser. Zentrales Merkmal für die gute Arbeit sei der Integration Point, der mittlerweile 2000 Menschen betreut und vermittelt. Dennoch müsse man jungen Flüchtlingen deutlich machen, dass solche Maßnahmen dringend notwendig seien.

„Arbeitskräfte müssen sprachlich geschult werden.“

Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, betont, dass das Handwerk bei jungen Menschen immer „hellhörig“ ist – gerade wenn es um das Thema Fachkräftemangel geht. Angesichts der guten Konjunktur und Auftragslage „scharren viele Betriebe mit den Hufen“. Aber: die sprachlichen Hürden müssen überwunden werden.

„Integration scheitert nicht an Geld und gutem Willen.“
Für Klaus Gräbener, Geschäftsführer der IHK Siegen, ist es wichtig, Perspektiven zu schaffen. Dabei unterscheidet er allerdings deutlich zwischen kurz- und langfristigen Perspektiven. Der Fachkräftemangel sei kurzfristig nicht zu bekämpfen. Um der Lage aber langfristig Herr zu werden, müsse „mehr Geld in das Schulsystem gesteckt werden“. Damit junge Menschen die Lücke bei den Fachkräften füllen können, müssen sie früh ins System integriert und in eine Ausbildung gebracht werden.

„Flüchtlinge brauchen sich nur einschreiben.“

Kanzler der Uni Siegen, betont, dass die Möglichkeiten für Flüchtlinge, ein Studium zu beginnen, einfach sind. „Wir haben einen Bildungsauftrag“, so Richter. Zwar liefen die Hörsäle nicht voll, aber „wir wollen trotzdem unseren Beitrag leisten“. Darüber hinaus sei die Integration auch eine interessante Forschungsthematik, die angehenden Lehrkräften vermittelt werden müsse.

„Als Feuerwehr war die Aufgabe was Neues.“

Am Aufbau der Flüchtlingsunterkunft am Haardter Berg vor gut einem Jahr war die Siegener Feuerwehr maßgeblich beteiligt. Für Matthias Ebertz, Leiter der Feuerwehr Siegen, ist es dennoch schwierig, Flüchtlinge von ehrenamtlichem Engagement – etwa der Freiwilligen Feuerwehr – zu überzeugen. „Einige haben sich trotzdem schon integriert und sind gerne mit dabei“, sagt Ebertz.

„Wir haben Glück, dass es bei uns so gut läuft und unser Bürgermeister Weitblick hatte.“

Für Anke Fuchs-Dreisbach, stellvertretende Bürgermeisterin aus Bad Berleburg, löst der Runde Tisch aus Polizei, Verwaltung und Ehrenamtlern viele Probleme und das, obwohl „wir nicht auf dem Schirm hatten, was auf uns zukommt“. Industrieunternehmen in Wittgenstein wollen Flüchtlingen eine Chance bieten.

„Wir müssen alle helfen.“

Dass sich „die Netzwerke so schnell gebildet haben“, ist für Volker Gürke von der Diakonie Südwestfalen ein gutes Zeichen. In Zukunft sei für ihn aber die Zusammenarbeit von Ehrenamtlern und Profis wichtig, damit Aufgaben sinnvoll aufgeteilt werden können. „Aus der Willkommenskultur muss so eine Willkommenstruktur werden.“

Syrischer Flüchtling dankt der Stadt

Christiane Luke von der Flüchtlingshilfe Siegen berichtet im Rahmen der Diskussion von einem jungen Syrer, der „einfach nur danke Siegen“, sagen wollte.

Für viele Flüchtlinge sei es derzeit schwierig, da sie durch immer mehr Terroranschläge befürchten, mit Islamisten gleichgesetzt zu werden, so Luke.

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