Wetter in Siegen – das wärmste Jahr seit Messbeginn

Globale Erwärmung – Die Durchschnittstemperatur in Siegen lag bei 10,4 Grad. So warm war es noch nie.

Siegen..  2014 war das wärmste Jahr seit Aufzeichnung der Wetterdaten in Siegen. Erstmals lag die Temperatur mit durchschnittlich 10,4-Grad im zweistelligen Bereich. Die Temperatur steigt konstant. „Ein deutliches Zeichen für den Klimawandel“, schreibt Willi Bürger. Er wertet regelmäßig die Daten der Wetterstation am Oberen Schloss für diese Zeitung aus.

War es denn 2014 besonders heiß?

Nein. Eine Rekordhitze war hierfür nicht nötig, vielmehr sorgten das milde Frühjahr (besonders März und April) und der fast ausgebliebene Winter in den Monaten Januar, Februar, November und Dezember für die hohe Durchschnittstemperatur. Sie lag 1,9 Grad über dem 30-Jahresdurchschnitt von 8,5 Grad. Die wärmsten Jahre waren vor 2014 mit 9,9 Grad das Jahr 2007 und mit 9,7 Grad das Jahr 2003. 2003 hatte vor allem der extrem heiße Sommer dazu beigetragen.

Wie gehen die heimischen Landwirte mit der steigenden Temperatur um?

Hinter den Landwirten im Kreis liegt ein gutes Jahr. Kreislandwirt Lothar Menn fuhr beispielsweise in diesem Jahr für seinen Milchviehbetrieb in Erndtebrück eine besonders gute Silage-Ernte ein. Fünf Schnitte – normalerweise sind es vier – alle von bester Qualität. „Davon fressen unsere Kühe im Schnitt pro Kuh 53 Kilogramm täglich“, erklärt Menn. Das sei sehr viel. Das nährstoffreiche Futter schmecke den Tieren sehr gut und sorge dann wiederum dafür, dass die Tiere mehr Milch geben. Denn je mehr Energie die Kuh zu sich nimmt, desto mehr Milch kann sie produzieren. Das zeigt ein eindrucksvolles Beispiel: Pro Liter Milch pumpt eine Kuh 500 Liter Blut durch das Euter und 900 Liter durch die Leber. Menn: „Für ein gesundes Tier ist das kein Problem.“ Dafür müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Ab 25 Grad führt so genannter Hitzestress zu einer geringeren Milchleistung. Daher werden moderne Ställe zum Beispiel mit weitaus höheren Decken gebaut, damit im Stall Außentemperatur herrscht. „In unserem Stall friert’s“, so Menn.

Also sehen Landwirte die globale Erwärmung gar nicht so kritisch?

Wärme, bei regelmäßigem Niederschlag, ist für die heimische Landwirtschaft sogar eher ein Vorteil, so Menn. Denn die hier typische dünne Mutterbodenschicht, die auf dem Schiefergestein liegt, trocknet nicht durch. „Probleme bekommen wir bei Wetterextremen. Ganz gleich in welche Richtung“, schildert Lothar Menn. Bei Dürreperioden zum Beispiel. Damit haben unter anderem auch Fichten Probleme. Trockenheit macht die Bäume anfällig für den Borkenkäfern. Bei genügend Wasser harzen die Fichtenbäume den Käfer aus. Dann hat der Schädling keine Chance.

Wie sah es denn 2014 mit dem Regen aus?

Insgesamt fielen 912 Liter je Quadratmeter vom Himmel und damit weniger als im Schnitt der vergangenen 30 Jahre von 1023 l/qm. Sieben Monate lagen unter dem 30-Jahre-Schnitt. Dabei fielen der März mit 17 Litern, der Juni mit 34 Litern, der September mit 37 Litern und der November mit 49 Litern nach unten aus dem Rahmen, der Juli mit 163 Litern und der August mit 132 Litern nach oben.

An welchem Tag hätte man im Jahr 2014 keinen Hund vor die Tür schicken sollen?

Der meiste Regen fiel am 8. und 9. Juli mit 39,2 bzw. 37,4 Litern pro Quadratmeter. 196,1 Liter fielen im Januar 2007 – kein anderer Monat war so verregnet. Einen weiteren Rekord erfasste die Station am Oberen Schloss am 18. Januar 2007 mit 53,7 Litern. An diesem Tag fegte das Orkantief Kyrill über das Rothaargebirge. Der trockenste Monat war übrigens der April 2007 mit nur 0,7 Litern.

Wurde das Siegerland 2014 von der Sonne geküsst?

Nein. Die Sonne beschien das Siegerland 1462 Stunden lang. Der Bundesdurchschnitt lag 2014 bei 1600 Stunden. In NRW waren es 1536 Sonnenstunden. „Den meisten Sonnenschein seit Bestehen der Wetterstation 2003 hatten wir 2011 mit 1666 Stunden, den niedrigsten 2010 mit nur 1374 Stunden“, fasst Willi Bürger zusammen. Die sonnenreichsten Monate waren der Juni mit 214 und der Juli mit 211 Stunden. Dann folgt schon der März (184 Stunden). Dafür gab es im Dezember nur 18 Stunden Sonnenschein. Bei den dicken Regenwolken gab’s für die Sonne kein Durchkommen. Bleibt festzuhalten: Siegen ist nicht Rügen. Denn am Kap Arkona, dem sonnenscheinreichsten Ort der Republik, war die Sonne 568 Stunden länger zu sehen.

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