Wettbewerb macht die Bahn besser

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Wer die Verspätungen des Kölner Rhein-Sieg-Expresses („rsx“) bei der Einfahrt in Siegen und die dort verpassten Anschlüsse erlebt, wird sich die Augen reiben: Der Nahverkehr auf der Schiene in der Region ist besser als sein Ruf.

Siegen-Wittgenstein..  Wer die Verspätungen des Kölner Rhein-Sieg-Expresses („rsx“) bei der Einfahrt in Siegen und die dort verpassten Anschlüsse erlebt, wird sich die Augen reiben: Der Nahverkehr auf der Schiene in der Region ist besser als sein Ruf. „Im Vergleich zu den anderen Zweckverbänden in Westfalen haben wir die besten Werte“, stellt Christian Kniep fest. Wobei, wie er einräumt, es „immer noch Puffer nach oben“ gibt.

Kniep muss es wissen: Der Mitarbeiter des Zweckverbandes Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) ist für das Qualitätsmanagement zuständig; der ZWS übernimmt diese Aufgabe federführend für den gesamten Nahverkehr in Westfalen-Lippe. Seine Auswertung ist in den Qualitätsbericht eingeflossen, der 2012 erstmals für das ganze Bundesland erarbeitet wurde. „Wir haben in den letzten Jahren einen Qualitätssprung erlebt“, sagt Kniep — und hat dafür auch eine Erklärung: „Das liegt daran, dass unsere Wettbewerbsstrategie wirkt.“

Verbesserung durch neue Fahrzeuge

Denn wenn ein Nahverkehrs-Zweckverband eine Linie neu ausschreibt, bestimmt er die Spielregeln: wie viel Verspätung drin ist, bevor das Verkehrsunternehmen Strafe bezahlen muss, wie die Waggons ausgestattet sein müssen, wie und wo Zugbegleiter eingesetzt werden müssen. Die entscheidende Verbesserung, so Kniep, „wird in der Regel durch neue Fahrzeuge erreicht.“ Die bringen die Verkehrsunternehmen mit, wenn sie einen neuen Vertrag eingehen: Die Hessische Landesbahn und Abellio steuern Siegen mit „Flirt“-Triebwagenzügen an, die DB Region hat für den rsx den „Talent 2“ mit Drehgestellen von Bombardier aus Dreis-Tiefenbach gekauft.

Die DB Regio, Tochter der Bahn AG, hat am NRW-Nahverkehr noch einen Marktanteil von 71,3 Prozent. Im ZWS-Gebiet ist sie langfristig — bis 2025 – nur noch mit dem rsx unterwegs; der Einsatz auf den drei Linien der Dreiländerbahn endet im August 2015. Dann fährt die Hessische Landesbahn von Siegen nicht nur nach Gießen und Frankfurt (bis 2023), sondern auch auf der Hellertalbahn, nach Au, Limburg, Dillenburg und Bad Berleburg (bis 2030). Hagen und Essen werden bereits seit 2007 von der Essener Abellio angesteuert (bis 2019).

Wenn Fahrgäste ihre Meinung zur Qualität der Bahn äußern, sprechen sie nicht nur von Pünktlichkeit. Ihnen geht es um Informationen, um Sauberkeit, um Freundlichkeit des Personals – aber auch um Sicherheit.

Profi-Tester unterwegs

Bei allen bewerteten Kriterien schneiden Nordrhein-Westfalen-weit die Sicherheit an Haltestationen in den Abendstunden und der Komfort und die Ausstattung der Haltestellen am schlechtesten ab. Und weil sich das alles nicht mit Geräten messen lässt, setzen die Zweckverbände auf die Mitarbeit von Menschen.

Allein in Westfalen-Lippe machen 20 angestellte „Profi-Tester“ nichts anderes, als ununterbrochen Bahn zu fahren. „Die überprüfen alles, was im Zug drin ist“, erklärt Christian Kniep. Dazu gehören die Präsenz der Mitarbeiter ebenso wie der Zustand der WCs.

 
 

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