„Wer will dann noch sein Haus als Denkmal erhalten?“

Freudenberg.  Gerade noch hatte Geschäftsführerin Roswitha Still vom Touristikverband Siegerland-Wittgenstein die denkmalgeschützte Freudenberger Altstadt als „Leuchtturm“ der Region gelobt und auf deren Bedeutung für die Entwicklung des Tourismus hingewiesen. Einen Tagesordnungspunkt weiter mussten die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Touristik und Stadtmarketing bei ihrer Sitzung am Dienstag im Freudenberger Rathaus erkennen, dass den Eigentümern der im Alten Flecken vorhandenen Fachwerkhäuser bei ihren Bemühungen um die Erhaltung des historischen Gebäudeensembles kaum noch mit öffentlichen Mitteln unter die Arme gegriffen werden kann.

Denkmalschutz-Sachbearbeiter Andreas Benthien schilderte die Lage: Demnach stellt das Land NRW schon für dieses Jahr kein Geld mehr zur Verfügung. Bislang waren 15.000 Euro aus Düsseldorf für den Denkmalschutz überwiesen worden; die Kommune steuerte weitere 15.000 Euro bei. Die Alternative, den Eigentümern via Städtebaufördermittel bei der denkmalgerechten Modernisierung zu helfen, wird auch nur noch dieses Jahr funktionieren, sagte Benthien. Stehen dieses Jahr 100.000 Euro zur Verfügung (davon 40.000 Euro städtische Gelder), mochte Benthien den Politikern „für 2014 keine Hoffnung“ machen.

Anke Flender (SPD) fand diese Entwicklung angesichts der gerade diskutierten Gestaltungssatzung für die Altstadt und den strengen Auflagen für die Hauseigentümer unangemessen: „Die Besitzer stehen im Trockenen. Wer will dann noch sein Haus als Denkmal erhalten?“, fragte die Altstadtbewohnerin. Auch Ausschussvorsitzende Kornelia Busch-Pfaffe (CDU) resignierte: „Es ist eine lausige Perspektive, die wir zu bieten haben.“ Deshalb auch wollen sich zumindest die Mitglieder des Kulturausschusses auf Vorschlag von Benthien einer Resolution an die Landesregierung anschließen, mit der die Forderung nach auch künftiger Bereitstellung von öffentlichen Geldern unterstützt wird.

Die Gestaltungssatzung für die Altstadt wurde einstimmig an den Hauptausschuss weiterempfohlen. So sind jetzt bauliche Veränderungen für den Kernbereich im Flecken und den angrenzenden Straßen präziser geregelt. Während im Inneren Solar- oder Photovoltaikanlagen auf den Dächern untersagt sind, dürfen diese im Satzungsgebiet II durchaus installiert werden.

Ausnahmeregelungen gelten für Vordächer über Haustüren, bestimmte moderne Fensterformen oder auch für Satellitenschüsseln. Denn: Der in der Altstadt vertretene Kabelanbieter hat längst nicht alle Programme im Angebot. Das Informationsfreiheitsgesetz, so Andreas Benthien, gelte schließlich auch in einem vom Fachwerkstil und Schieferdächern geprägten Bereich.

In den Beschluss aufgenommen wurde zudem der Vorschlag von Anke Flender, die neuerdings dem Kernbereich zugeschlagenen Häuser in der Poststraße und in der Straße Zum Kurpark wieder herauszunehmen. Dort soll wieder die „alte Linienführung“ des denkmalgeschützten Bereichs gelten, also dort, wo einst die Stadtmauer stand.

 
 

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