Weitere Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Vertreter der DGB-Region Südwestfalen und Mitglieder des Stadtjugendrings verlegen in der Sandstraße 20 zwei neue Stolpersteine.
Vertreter der DGB-Region Südwestfalen und Mitglieder des Stadtjugendrings verlegen in der Sandstraße 20 zwei neue Stolpersteine.
Foto: Jennifer Wirth
Zum Gedenken an den Siegener Gewerkschafter Otto Bäcker und das Haus der Arbeit. Nun gibt es 96 Steine in Siegen.

Siegen..  Zwei Stolpersteine haben Mitglieder des Stadtjugendrings Siegen sowie Werner Leis, DGB-Kreisverbandsvorsitzender Siegen-Wittgenstein, und Ingo Degenhardt, DGB-Regionsgeschäftsführer, am Montag in der Sandstraße 20 verlegt. Sie erinnern an das NS-Opfer Otto Bäcker und das Haus der Arbeit, in dem er arbeitete.

Am 2. Mai 1933 stürmte ein SA-Trupp das Gebäude und nahm Bäcker und weitere Gewerkschafter fest. Nach zwei Tagen Haft wurde Otto Bäcker freigelassen, bevor er am 10. Mai für zwei Wochen in Schutzhaft genommen wurde. Anschließend folgte ein Leben unter ständiger Beobachtung. Im Zuge der Verhaftungswelle nach dem Anschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er als Regimegegner abermals verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht. Todesursache und -ort sind bisher unklar. Vermutlich kam Bäcker am 26. April 1945 während eines bewachten Todesmarschs ums Leben.

Bereits am 1. Juli 2013 wurde in der Sandstraße zu Ehren Bäckers ein Stolperstein angebracht, der im Zuge der Umbauarbeiten der Innenstadt vorübergehend entfernt werden musste und gestohlen wurde. Werner Leis spendete einen neuen, die DGB Region Südwestfalen einen weiteren. „Besonders jetzt nach den Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte ist es wichtig zu erinnern, damit so etwas wie damals nie wieder passiert“, sagt Leis.

Wie viel kosten die Steine und wer zahlt?

„Ein Stolperstein kostet rund 120 Euro und wird über Spenden finanziert“, sagt Ralf Schumann, Leiter der Bluebox, der gemeinsam mit Jugendlichen die Aktion des Stadtjugendrings ins Leben gerufen hat. Ihm und der Jugendgruppe war es wichtig, nicht nur generell über die Nazi-Verbrechen zu sprechen. „Wir haben uns unter anderen beim Aktiven Museum über die Schicksale hier vor Ort informiert“, sagt er. Gemeinsam fiel 2007 der Entschluss, Stolpersteine anzuschaffen, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Wie viele Stolpersteine gibt es in Siegen und wer verlegt sie?

96 Steine hat der Stadtjugendring mittlerweile verlegt. Die quadratischen Betonwürfel mit je zehn Zentimetern Kantenlänge haben eine gestanzte Messingoberfläche.

Wo werden sie verlegt?

Die Steine, die von Künstler Gunter Demning 1992 entworfen wurden, werden immer vor dem letzten bekannten, freiwilligen Aufenthaltsort der Personen verlegt. Die Mitglieder recherchieren, wer aus Siegen den Nazi-Terror nicht überlebte und für einen Stolperstein infrage kommt. Dazu greifen sie auf die Daten des Aktiven Museums zurück. „Besonders in der Altstadt und am Marburger Tor findet man viele Steine“, sagt Schumann. Bald sollen zwei weitere neue Stolpersteine verlegt werden. „In der Bahnhofstraße lag schon einmal einer, der bald wieder neu angebracht wird.“

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