Was Sie schon immer über die Wälder Südwestfalens wissen wollten

Stefan Pohl
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Umweltminister Johannes Remmel und Landrat Paul Breuer stellen in Siegen erstmals den Waldkompass Südwestfalen vor. Die Region gilt mit rund 60 Prozent Anteil als eine der waldreichsten Regionen Deutschlands.

Siegen. Südwestfalen gilt mit rund 60 Prozent Anteil als eine der waldreichsten Regionen Deutschlands. Die Besitzerstruktur ist zersplittert - der Anteil des Privatwaldes in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe liegt bei knapp 90 Prozent, mit vielen tausend Besitzern. Um noch mehr von dem begehrten Rohstoff mobilisieren zu können, will Landesumweltminister Remmel die verschiedenen Formen des Waldbesitzes kartieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen, wie Remmel am Donnerstag bei der Vorstellung des Waldkompasses Südwestfalen in Siegen ankündigte.

„Wenn man weiß, wer seinen Wald wie bewirtschaftet, kann man sich eine bessere Ansprache und Kooperation vorstellen“, begründete der Minister das Vorhaben, das bereits die digitale Weiterentwicklung des neues Waldkompasses darstellt. Beim Thema Holz gebe es noch Ressourcen für ökonomische Weiterentwicklung. „Man weiß dann Bescheid: Wo gehört wem der Wald.“ Der neue Waldkompass liegt jetzt, herausgegeben von der Südwestfalen Agentur und gespickt mit Daten und Fakten aus Südwestfalens Wäldern, als Buch vor und ist kostenlos erhältlich.

7,9 Minuten bis zum Wald

Das Nachschlagewerk könnte auch heißen: Was Sie schon immer über die Wälder Ihrer Heimat wissen wollten, aber nie gefragt haben. Beispiele gefällig? Die meisten Südwestfalen sind im Durchschnitt 169mal im Jahr im Wald. Sie erreichen ihn in durchschnittlich 7,9 Minuten. 77 Prozent der südwestfälischen Wälder sind in privater Hand, 14 Prozent in kommunaler, und neun Prozent ist Staatswald. Oder: Gibt es mehr Buchen im Kreis Olpe oder im Kreis Soest? Der Kreis Soest hat mehr als doppelt so viel Buchenwald wie der Kreis Olpe. Oder: Wie viele Füchse erlegen Jäger in der Region im Jahr? 2011 waren es rund 8500.

Umweltminister Remmel, der aus Siegen stammt und am Morgen den NRW-Waldschadensbericht über den verschlechterten Gesundheitszustand des Patienten vorgestellt hatte, zeigte sich dankbar für den Termin: „Hier ist auch der Wald das Thema, aber die Perspektive geht eindeutig nach vorn.“ Er bezeichnete den Wald in der Region als „Schatz, den wir herausstellen und blank putzen sollten“ - schließlich leiste er viel für Klimaschutz, Wasserhaushalt und Luftqualität in Südwestfalen.

Gemeinschaftswald

Neben dem hohen Privatbesitzeranteil an den Wäldern in der Region gilt die starke Ausprägung des Gemeinschaftswaldes - im Siegerland Hauberg genannt - als zweites Alleinstellungsmerkmal. „Genossenschaftliche Bewirtschaftung galt lange als verstaubt, ist aber heute sehr modern“, merkte der Minister an. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass lange vor dem sächsischen Oberbergrat Carl von Carlowitz Graf Johann von Nassau 1562 die Grundlagen der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes gelegt habe: Hauberge sollten nach des Grafen Ansicht in zuträglicher Größe und angemessenem Alter geschlagen werden. Rodungen habe er sich verbeten.

Remmel regte an, den Rohstoff Holz stärker beim Bauen zu verwenden. „Warum gibt es hier nicht Holzbrücken ohne Ende“, fragte er. Wir haben doch das Material dafür. Da sei er nur froh, dass es in Olpe einen Anbieter gebe, mit dem man Fachwerkhäuser bauen könne. In Österreich sei man da weiter.