Walter Krämer wird in Siegen nicht geehrt

Walter Krämer
Walter Krämer
Foto: unbekannt

Siegen..  Der Appell des Zen­tralrats der Sinti und Roma, die Transparente im Ratssaal und die geheime Abstimmung nutzten nichts: Die Benennung einer zentralen Brücke nach Walter Krämer ist erneut und denkbar knapp an einer konservativen Mehrheit gescheitert.

SPD, Grüne und Linke hatten beantragt, die beiden zen­tralen neuen Brücken, die an Stelle der Siegplatte errichtet werden sollen, nach dem Siegener Politiker und Maria Rubens zu benennen. Der als „Arzt von Buchenwald" bekannt gewordene Siegener Kommunist war 1941 von Nazis im KZ Buchenwald ermordet worden. Zuvor hatte er sich unter Lebensgefahr für seine Mithäftlinge eingesetzt und vielen von ihnen das Leben gerettet. Dafür wurde Krämer posthum von der zentralen israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem die höchste Ehrung zuteil. Noch im April wurde Krämer von der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dor geehrt und mit einer Gedenktafel im ehemaligen Krematorium - als einziger Deutscher - gewürdigt.

32 gegen 36 in
geheimer Abstimmung

Vor allem die CDU hatte sich gegen die Ehrung ausgesprochen. Doch diskutiert werden sollte nach Willen der Antragsteller - SPD, Grüne und Linke - nicht. „Es scheint uns der Würde der Person Walter Krämers nicht gerecht zu werden, diesen Vorschlag einer Debatte zu unterwerfen", begründete SPD-Fraktionschef Detlef Rujanski zu Beginn. „Vor diesem Hintergrund werden wir uns auch nicht an einer etwaigen Diskussion beteiligen", stellte er klar. Allerdings - darauf drängte Michael Groß (Grüne) im Namen der drei Fraktionen - wurde geheim abgestimmt. „Damit alle Stadtverordneten ohne öffentlichen Druck auch aus ihren Fraktionen abstimmen können“, argumentierte der Grünen-Fraktionschef.

Dies hatte - ebenso wie das Hochhalten von Transparenten und Spruchbändern durch Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten - nicht die nötige Wirkung. Sie forderten die Politiker auf, nicht am 16.12., sondern auch heute diesen großen Humanisten zu würdigen: „Geh(t) denken“ stand auf einem der Banner, neben dem Konterfei von Walter Krämer. Erfolglos: Mit 32 Ja- und 36 Nein-Stimmen (bei einer Enthaltung) scheitere der Ehrungsantrag. Damit findet die jahrzehntelange Debatte um eine angemessene Ehrung des Siegener Politikers Walter Krämer findet erneut keinen Abschluss.

„Denkt an Kreuztal und Flick“ rief einer der erbosten Zuhörer. „Das blüht euch auch jetzt“, rief er beim Verlassen. Dort hatte sich die CDU gegen die Umbenennung des nach dem verurteilten Kriegsverbrecher Friedrich Flick benannten Gymnasiums gestimmt - und war bei den Wahlen abgestraft worden.

 
 

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