Wagener bleibt Bürgermeister von Netphen - Menzel gewinnt in Hilchenbach

Bruno Glomski (rechts) gratuliert Paul Wagener. Zum dritten Mal in Folge verliert die CDU eine Bürgermeisterwahl.
Bruno Glomski (rechts) gratuliert Paul Wagener. Zum dritten Mal in Folge verliert die CDU eine Bürgermeisterwahl.
Foto: Jürgen Schade.
Paul Wagener bleibt Bürgermeister von Netphen. Holger Menzel tritt in Hilchenbach die Nachfolge von Hans-Peter Hasenstab ab. In Freudenberg gibt es eine Stichwahl.

Siegen-Wittgenstein.. Die Kommunen haben ihre neuen Bürgermeister bereits am Sonntag gewählt, nur in Freudenberg werden die Wahlberechtigten in 14 Tagen noch einmal zur Stichwahl aufgerufen. Die Lust zur Stimmabgabe hielt sich in Grenzen: gerade einmal 46,63 Prozent in Netphen, 46,81 Prozent in Hilchenbach, 46,07 Prozent in Freudenberg.

Das sind die Ergebnisse des Wahlsonntags:

Hilchenbach: Holger Menzel tritt die Nachfolge von Hans-Peter Hasenstab an. Menzel, der von UWG, Grünen und FDP unterstützt wurde, setzte sich mit 63,17 Prozent gegen Sven Wengenroth (SPD/CDU, 36,83 Prozent) durch.

Netphen: Paul Wagener bleibt im Amt. Er errang mit 59,31 Prozent einen deutlichen Vorsprung vor Bruno Glomski (CDU, 40,69 Prozent).

Freudenberg: Nicole Reschke (SPD) muss gegen Heide Batz (CDU) in die Stichwahl. Die SPD-Kandidatin verfehlte die absolute Mehrheit mit 45,69 Prozent knapp. Rainer Beel und Marco Strunk landeten abgeschlagen auf Platz 3 und 4.

Erndtebrück: Henning Gronau (SPD) gewann mit 51,42 Prozent und deklassierte seine Mitbewerber Heinz--Josef Linten (CDU), Thomas Müsse und Siegfried Petri (Linke). Überragend die Wahlbeteiligung von 61,82 Prozent.

Menzel löst Hasenstab als Bürgermeister von Hilchenbach ab

17.55 Uhr. Im Hilchenbacher Ratssaal ist fast kein Platz mehr frei. „So voll habe ich es hier selten gesehen“, sagt Hans-Jürgen Klein, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, der den Wahlabend moderiert. Pünktlich um 18 Uhr stellen sich beide Bürgermeisterkandidaten noch einmal vor: der SPD-Mann Sven Wengenroth und Einzelbewerber Holger Menzel. Sie fassen ihren Wahlkampf knapp zusammen.

Dann nimmt Wengenroth bei seiner Familie Platz. Hinten im Saal, direkt vor dem bunten Vorhang, der dem Saal noch mehr 70er-Charme verleiht, als er ohnehin schon versprüht. Menzel setzt sich vorne auf den Tisch, an dem sonst die Presse sitzt. Er blickt gespannt auf die Großbildleinwand.

Die ersten Ergebnisse aus den kleineren Stimmbezirken laufen ein. Die Tendenz ist zu erkennen: Menzel macht offenbar das Rennen. Als die größeren Stimmbezirke folgen, verfinstert sich Wengenroths Miene zunehmend. Menzel dagegen blickt nur geradeaus auf die Präsentation. Um 18.45 Uhr fehlen noch die Briefwahlstimmen. Um 18.57 Uhr steht dann das Ergebnis fest: Menzel 63,17 Prozent, Wengenroth 36,83 Prozent – ein deutliches Ergebnis.

Menzel umarmt seine Ehefrau Beate und seine Töchter. Er ballt die Faust, streckt sie in die Luft. Dann nimmt er weitere Glückwünsche entgegen. Auch von Hans-Peter Hasenstab, dessen Amt er übernehmen wird. „Das war Schwerstarbeit fürs Herz“, sagt Menzel glücklich. „Heute wird gefeiert, morgen dann geschlafen.“ Wengenroth dagegen ist „sehr enttäuscht“. Er „weiß nicht, woran es gelegen hat“. Er hoffe nun aber auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende André Jung sagt: „Wir hätten uns natürlich ein anderes Ergebnis gewünscht, aber der Wähler hat entschieden.“ Grünen-Fraktionssprecher Dr. Peter Neuhaus stellt fest: „Holger Menzel ist eine gute Wahl für unsere Stadt. Ich freue mich darüber, dass er gewonnen hat und nicht darüber, dass Sven Wengenroth verloren hat.“

Blick zurück: Über 59 Prozent der wahlberechtigten Hilchenbacher hatten sich 2004 an der Bürgermeisterwahl beteiligt. Am Abend des 26. September gab es noch kein Ergebnis: Hans-Peter Hasenstab (48,25 Prozent) musste gegen Renate Gehrmann (CDU) in die Stichwahl, die Hasenstab zwei Wochen später mit 72,87 Prozent deutlich für sich entschied - bei einer Wahlbeteiligung von immer noch fast 47 Prozent. Fünf Jahre später, am 30. August 2009, war der Fall ganz klar: 78,82 Prozent für Hasenstab, 23,18 Prozent für Hans-Georg Ballbach (CDU), seinen einzigen Herausforderer.

Wagener setzt seine Arbeit in Netphen fort

Das Ergebnis steht schon fest, als Paul Wagener sich noch gar nicht auf den Weg ins Rathaus gemacht hat. „Ich freue mich natürlich sehr“, sagt er, „ich bin froh, dass der Wahlkampf zu Ende ist und ich meine Arbeit fortsetzen kann. Dank richtet Wagener an SPD und UWG, die ihn unterstützt haben, der CDU bietet er „konstruktive Zusammenarbeit“ an.

„Der Souverän hat entschieden, der Wechsel ist nicht gewünscht“, sagt Bruno Glomski. Der CDU-Kandidat ist enttäuscht, wenngleich ein Ergebnis über 40 Prozent „nicht ganz schlecht“ sei, aber auch nicht überrascht. „Gegen den Amtsbonus anzukämpfen ist schwer.“ Bruno Glomski lässt durchblicken, dass sein Ausflug in die Kommunalpolitik eine Episode bleiben wird. Wenn er in gut drei Jahren in den Ruhestand tritt, werde er, der dann pensionierte Richter, sich wohl verstärkt kirchlich engagieren. „Das könnte mich eher reizen.“

Paul Wagener war früh in seinen Wahlkampf gestartet, Bruno Glomski erst relativ spät auf die Bühne getreten — die CDU hatte sich offenkundig schwer getan, einen Herausforderer für den Bürgermeister zu finden. Grüne und FDP, 2009 noch auf der Seite Paul Wageners, gaben diesmal keine Empfehlung. Auf seiner Facebook-Seite dankt Glomski nun allerdings diesen beiden Parteien, die „hinter den Kulissen und im privaten Gespräch aufbauend und beratend gewirkt haben“.

Blick zurück: Die Bürgermeisterwahl 2009 hatte Paul Wagener, damals außer von SPD und UWG auch von FDP und Grünen unterstützt, mit 48,72 Prozent der Stimmen gewonnen. Obwohl er damit die absolute Mehrheit verfehlt hatte, musste er sich nicht einer Stichwahl stellen — die war von der damaligen Landesregierung abgeschafft worden. Zweiter Sieger war Helmut Kneppe (CDU, 33,69 Prozen), Dritter Wolfgang Decker (17,59 Prozent), der damals als Einzelbewerber angetreten war und inzwischen stellvertretender Fraktionschef der CDU ist. 2004 gewann Rüdiger Bartsch gegen den Willen seiner CDU, die mit Klaus Gräbener einen neuen Kandidaten ins Rennen gebracht hatte.

Reschke muss gegen Batz in Freudenberg in Stichwahl

Nicole Reschke äußert sich nach Bekanntgabe des Gesamtergebnisses im Ratssaal „superzufrieden“ mit dem Ausgang von Runde eins der Bürgermeisterwahl, die absolute Mehrheit hat sie mit 3150 von 6985 Stimmen nur knapp verfehlt. Nun gelte es, in den zwei Wochen bis zur Entscheidung die Wähler zu mobilisieren. Das erreichte Ergebnis gebe ihr Rückenwind. So holte sie doch in ihrem Heimatwohnort Plittershagen 65 Prozent der abgegebenen Stimmen.

CDU-Kandidatin Heide Batz nennt als „erstes Ziel“ des nun verlängerten Wahlkampfes das Erreichen der Stichwahl, es sei „alles offen“. Dass sie außer in der CDU- „Hochburg“ Niederndorf nirgends mehr als 30 Prozent der Wählerstimmen erhalten habe, führt sie auf ihre relative Unbekanntheit zurück.

Der Wahlbezirk Bühl, wo die Auseinandersetzung um das geplante Gewerbegebiet auf dem Ischeroth das zentrale Thema im Wahlkampf war, ist der einzige von 22 Bezirken, in dem Nicole Reschke nicht das beste Ergebnis aller Kandidaten erzielt. Dort holt der Unabhängige Marco Strunk 47,37 Prozent der Stimmen, während die Bewerber von SPD und CDU sowie der parteilose Rainer Beel lediglich auf Werte zwischen 14 und 21 Prozent kommen. Beel ist nach 1999 und 2009 zum dritten Mal in das Rennen um das Bürgermeisteramt angetreten.

Marco Strunk schließt eine erneute Kandidatur in fünf Jahren nicht aus: „Nach der Wahl ist vor der Wahl“, sagte er. Mit seinem Ergebnis sei er zufrieden. Der Wahlkampf habe dafür gesorgt, dass über bestimmte Themen offen kommuniziert worden sei; dadurch seien die Bürger besser informiert.

Blick zurück: Am 30. August 2009 hatte Eckhard Günther seine zweite Wiederwahl mit 55,61 Prozent der Stimmen gewonnen. Horst Fischer (SPD) war mit 35,28 Prozent zweiter Sieger geblieben, Rainer Beel schaffte damals 0,11 Prozent.

 
 

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