VWS kämpfen gegen rote Zahlen

Siegen..  Die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) haben ihre – schützende — öffentliche Hand verloren. Die Landräte Paul Breuer (Siegen-Wittgenstein) und Frank Beckehoff (Olpe) sowie der Siegener Bürgermeister Steffen Mues sind aus dem Beirat des Unternehmens ausgetreten. Firmeninhaber Klaus-Dieter Wern hat den verbliebenen Mitgliedern daraufhin mitgeteilt, dass er das Gremium künftig nicht mehr einberufen werde.

„Es ist alles nicht ganz einfach. Aber auf irgendeine Weise muss es weitergehen“, sagt Klaus-Dieter Wern, der die einst kommunalen Verkehrsbetriebe 2012 von dem internationalen Konzern Veolia/Trandsdev übernommen hat. Als „nicht so rosig“ bezeichnet Wern die Situation: Auch mit dem neuen Eigentümer fahren die VWS, wie ab 2005 unter Regie der Stadtwerke Bonn und ab 2009 unter Transdev-Flagge, rote Zahlen. Offenbar einmal zu oft sahen die Vertreter der Kommunen sich mit der Forderung nach einer Finanzspritze konfrontiert. Mit der gebotenen „Neutralität des Aufgabenträgers“ umschreibt Landrat Breuer den Grund für seinen Schritt: Die Kreise und ihr Nahverkehrs-Zweckverband ZWS haben die Pflicht, für ein Nahverkehrsangebot zu sorgen — unabhängig davon, welches Verkehrsunternehmen am Ende damit beauftragt wird.

Kreis kauft Schülertickets für alle

Ziel sei es, den „eigenwirtschaftlichen Verkehr zu erhalten“, erklärt Breuer – also einen Nahverkehr, der bis auf den Ausgleich für die Schülerbeförderung ohne kommunale Zuschüsse auskommt. Was schwieriger wird, weil mit den Schülerzahlen auch dieser Ausgleichsbetrag sinkt, der wesentlich auch den so genannten Jedermann-Verkehr mitfinanziert. In diesem Rahmen will der Kreis der gesamten Verkehrsgemeinschaft, also auch dem Busverkehr Ruhr-Sieg und den Bahnunternehmen, unter die Arme greifen, indem er vom nächsten Schuljahr an alle Schüler mit einem Schülerticket ausstattet. Das wird Geld auch in die Kasse der VWS spülen und die Busse füllen. Denn das ist das andere Problem, das Breuer so beschreibt: „Wir haben Dörfer, da fährt morgens ein Bus rein und holt zwei Schüler raus, und das zu einer Zeit, wo die Oma noch nicht zum Arzt will.“ Zu beantworten ist also die Frage, welchen Nahverkehr sich die Region außerhalb der Städte künftig überhaupt leisten will.

VWS-Chef Wern muss entweder seinen Nahverkehr so billig machen, dass er mit den Einnahmen auskommt – zum Beispiel, indem er den Kreistag zur Änderung des Nahverkehrsplans mit dem dort festgeschriebenen Mindestangebot bewegt. Oder er muss seine bis 2018 geltenden Linienkonzessionen vorher zurückgeben. In diesem Fall riskiert der Kreis, dass er auch kein anderes „eigenwirtschaftliches" Angebot bekommt. Der Märkische Kreis blättert für einen Nahverkehr, der dem von Siegen-Wittgenstein und Olpe entspricht, jährlich bis zu 14 Millionen Euro hin.

Klaus-Dieter Wern werde „in viele Richtungen denken müssen“, glaubt Michael Sittler, Chef der Siegen-Wittgensteiner SPD-Kreistagsfraktion, „das wird ihm kein Beirat abnehmen können“. Wern selbst, der bereits am Montag mit Betriebsrat und Gewerkschaft beriet, ist das im Grunde klar: „Wir arbeiten dran.“

 
 

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