Vom „Austauschpriester“ zum Studipfarrer

Karl-Hans Köhle gibt nach 15 Jahren die Leitung der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) ab. Constanze Habscheid hat ihn dabei in den vergangenen neun Jahren unterstützt.
Karl-Hans Köhle gibt nach 15 Jahren die Leitung der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) ab. Constanze Habscheid hat ihn dabei in den vergangenen neun Jahren unterstützt.
Foto: Tobias Schürmann
Karl-Hans Köhle gibt die Leitung der Katholischen Hochschulgemeinde nach 15 Jahren ab. Der Pfarrer erzählt über die Arbeit mit den Studenten, Veränderungen und den Austausch mit anderen Glaubensgemeinschaften.

Weidenau..  Im kleinen Nebenraum des Pfarrheims Weidenau plaudert Karl-Hans Köhle aus dem Nähkästchen. 15 Jahre lang war der Pfarrer Organisator der Katholischen Hochschulgemeinde. Er erzählt, wie sich die Arbeit mit den Studenten in den vergangenen Jahren verändert hat und was er sich für die Zukunft wünscht.

Studiseelsorge und Werbung

Karl-Hans Köhle lehnt lässig mit beiden Ellbogen auf dem Tisch im Pfarrheim. Gießt sich erst einmal eine Tasse Kaffee ein. Bevor er der Katholischen Hochschulgemeinde Siegen neues Leben einhauchen konnte, war er „Austauschpriester“ in Frankreich. „Die Studentenseelsorge habe ich schon in Le Mans in Frankreich fünf Jahre lang begleitet, bevor ich überhaupt die Chance hatte, nach Deutschland zurückzukehren“, erklärt er. Acht Jahre hat er in Le Mans gelebt. Länger als zunächst geplant. Als sich dann die Möglichkeit ergab, nach Deutschland zurückzukommen, war er sofort „Feuer und Flamme für die Arbeit in Weidenau“. Er wirkt noch immer begeistert von der Arbeit. Das Programm aus Frankreich hat er schließlich auch im Siegerland weiter vorangebracht. „Die KHG versteht sich als ein Mix aus Gemeinschaftspflege, Auseinandersetzung mit Glaubens- und Lebensfragen sowie der sozialen Unterstützung.“ Um den Austausch zwischen Uni und Kirche zu fördern.

Aber auch bei Geld- oder Familienproblemen berät die KHG. „Vor allem ausländische Studenten, die von ihrer Familie den Druck bekommen, ein bestimmtes Studium zu machen, das sie aber selbst gar nicht wollen, haben wir versucht zu unterstützen.“ Elektrotechnik statt Medizin zu studieren sei schließlich eine „krasse Umstellung“. Das sind Schicksale, die auch Köhle geprägt haben.

Constanze Habscheid, neun Jahre lang pastorale Mitarbeiterin von Köhle, setzt sich zu uns. Drei Studenten sind momentan in der KHG ehrenamtlich engagiert. „Wir waren immer eine recht kleine Gemeinde, das hat sich auch in den letzten Jahren nicht geändert“, erzählt Köhle. Die Zusammenarbeit mit den Studenten ist wichtig. Sie sind nah dran am Unileben.

Werbung für die KHG haben Köhle und Habscheid immer gemeinsam übernommen. Direkt vor der Mensa. „Das war hartes Brot“, sagt Habscheid. Trotzdem habe ihr die Arbeit immer Spaß gemacht. Und das merkt man. Ihre Augen strahlen. Obwohl es mühsam war, das Interesse für kirchliche Themen zu wecken. „Es ist falsch zu erwarten, dass die jungen Menschen von alleine zu uns kommen.“ Manche würden beim Thema Kirche zwar schnell dicht machen und blocken ab; davon haben sie sich aber nie abschrecken lassen. „Man braucht eine gewisse Geduld“, sagt Habscheid.

Kritische Auseinandersetzung

In den vergangenen 15 Jahren haben sich beide auch kritisch mit christlichen Themen auseinandergesetzt. Gemeinsam mit der Evangelischen Studierendengemeinde Siegen (ESG) wurden beim ökumenischen Frühstück „kontroverse Diskussionen geführt“, wie Pfarrer Köhle mit einem Grinsen sagt. Auch mit der Muslimischen Hochschulgemeinde (MHG) oder der Organisation Queer@Uni, die sich für die Gleichberechtigung von homosexuellen Menschen an der Uni Siegen einsetzt, pflegt die KHG einen guten Kontakt.

„Bei aller Verschiedenheit werden die Gruppen aber auch offener“, so Habscheid. Die Gruppen sind neugierig. Neugierig, wie andere Gemeinden die Welt sehen. Erst kürzlich habe eine Gruppe Muslime der benachbarten Moschee die Kirche in Weidenau besucht, um mehr über den christlichen Glauben zu erfahren. Und genau dieser Austausch hat Pfarrer Köhle besonders motiviert. Das gegenseitige Kennenlernen.

Veränderungen

Doch es braucht auch Veränderungen, um den Austausch weiter voranzutreiben. Das hat auch Pfarrer Köhle eingesehen. „Vor zwei Jahren habe ich bereits gesagt, dass jemand anderes mit neuen Ideen die KHG übernehmen sollte“, erzählt er wehmütig. Ihm war allerdings wichtig, dass sein Nachfolger Spaß an der Arbeit hat. Schließlich lebe der Austausch mit den Studenten von neuen Ideen, neuen Herangehensweisen und einem gewissen „frischen Wind“. Ein wenig Bedauern ist bei beiden spürbar.

Constanze Habscheid wird in die Klinikseelsorge wechseln. Pfarrer Köhle will sich auf seine Arbeit in seinen Gemeinden konzentrieren. Sie wollen ihre Horizonte noch einmal erweitern. Und freuen sich auf neue Perspektiven.

 

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