Verliebte Worte an Adolf Hitler

Irmine Skelnik
Das Landestheater Burghofbühne Dinslaken mit der szenischen Lesung "Liebesbriefe an Hitler" im Kulturhaus Lyz.
Das Landestheater Burghofbühne Dinslaken mit der szenischen Lesung "Liebesbriefe an Hitler" im Kulturhaus Lyz.
Foto: Irmine Skelnik

Siegen. „Eine Frau aus dem Sachsenland möchte ein Kind von Ihnen haben.“ „Wenn ich das Bild ansehe, könnte ich weinen, der gutmütige Blick.“ Das sind nur zwei Briefanfänge. Verfasst wurden sie von Frauen die Adolf Hitler verehrten – Groupies im Nationalsozialismus. Das Landestheater Burghofbühne Dinslaken tourt seit sieben Jahren mit der szenischen Lesung und bot diese ungewöhnliche Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte am Freitag für Schüler im Lyz an.

14 Briefe an „Majestät“ und „Purzelchen“

„Die standen früher bei Hitler Spalier“, sagt Intendant Thorsten Weckherlin. Ein einsamer Wolf mit Macht, so hätten sie ihn gesehen. Sie führten sich auf, wie es Fans heute bei Popstars tun. Sie baten um Kontakt, schickten ihre Wohnungsschlüssel und dachten von sich, seine einzig wahre Liebe sein zu können. All das gibt es auch heute – versuchte Weckerlin eine Verbindung zwischen den Schülern und der Epoche, die ihre Urgroßeltern noch erlebt haben, herzustellen. Die lineare Verbindung zum Zweiten Weltkrieg, wie er sie noch durch seine Oma habe, breche nun ab. Das Perfide seien allerdings die Gedanken, die einige Briefe offenbaren.

14 Exemplare hat er mitgebracht, Frau A, Frau B und Frau C lesen sie abwechselnd. Zwischendurch gibt es die Hits aus der NS-Zeit – etwa von Zarah Leander. Mit weißem Kragen und Faltenrock sitzen die Damen an ihren Tischen – im Hintergrund zeigt eine bunte Pop-Art-Collage Hitler im Portrait. Es erinnert an die Marilyn-Prints von Andy Warhol. In den Briefen wird er mal hochachtungsvoll als Majestät und mal vertraut als Süßer oder Purzelchen angesprochen. Die Frauen sprechen vom wichtigen Untergang des Kommunismus, empören sich über die Unterstellung, in Deutschland gebe es Massengräber und wünschen ihrem Anführer Glück für den Kampf gegen die englischen Weltmachtspläne – alle haben sie eines gemeinsam: Sie wollen Adolf Hitler ganz nah sein und unterstützen ihn blind bei allem was er macht. „Auch diese Frauen sind später zu den hochgelobten Trümmerfrauen geworden“. kritisiert Weckherlin im anschließenden Publikumsgespräch.