Verdeckter Ermittler kauft Drogen

Foto: Katja Lenz
Prozess um mutmaßliche Dealer fortgesetzt. Der „Undercover“-Beamte hatte mit Scheinkäufen zwei Männer in die Falle gehen lassen. Eine Wohnung soll als Heroin-Depot genutzt worden sein.

Siegen.  „Ich bin Polizeibeamter in NRW und hatte den Arbeitsnamen Peter“; mit diesen Worten stellt sich am Donnerstagvormittag der Mann vor, der maßgeblich dazu beigetragen hat, die Angeklagten Alexander D. (34) und Dimitri R. (33) mit Scheinkäufen von Heroin in die Falle gehen zu lassen. Drei Wochen nach dem Prozessauftakt vor der 1. Großen Strafkammer des Siegener Landgerichts ist der Auftritt des Undercover-Beamten der Höhepunkt des zweiten Verhandlungstages.

Verkleidung aus Agentenfilm

Viel hat Peter allerdings nicht zu sagen. Der Mann mittleren Alters trägt eine dunkelumrandete Brille, einen – möglicherweise nur angeklebten – Schnäuzer und einen dunklen Mantel. Ein wenig erinnert das an die Verkleidungen aus Agentenfilmen. Er sei von seinen Kollegen angefordert worden, „um Geld gegen Ware einzutauschen“, schildert der grauhaarige Mann seine Aufgabe. Er habe mit dem V-Mann „Murat“ sowie dem 34-jährigen Angeklagten zu tun gehabt; die Umgangsatmosphäre bei den drei Treffen beschreibt Peter als ungewöhnlich professionell. Abgesehen von einer kurzen Vorstellung sei kaum miteinander gesprochen worden: „Sie haben mein Geld geprüft und mir später ein gerolltes Päckchen übergeben, in dem wohl Drogen waren.“ Geprüft hat er den Inhalt nicht, er sei nur ein Mittelsmann gewesen.

Kammer und Staatsanwalt fragen nichts. Verteidiger Andreas Trode interessiert sich für die „Legende“ des Mannes. „Was haben Sie denn gesagt, woher Sie kommen“, fragt der Anwalt: „Hallo, ich bin der Heroinkäufer?“ Er habe nichts darüber sagen müssen, wehrt Peter ab. Und wenn es dazu gekommen wäre, dürfe er über Einzelheiten nicht reden. „Da geht es um Polizeitaktik“, auf solche Angaben erstrecke sich seine Aussagegenehmigung nicht. Trode wirkt enttäuscht, fragt aber nicht weiter. Erst nach Entlassung des Zeugen beklagt er sich bei der Vorsitzenden, der Mann habe gelogen. Das mache ihn böse. Die Angeklagten hätten sich hingesetzt und gestanden, dann müsse auch die Polizei die Wahrheit sagen. Peter habe zumindest über Murat ausrichten lassen, aus dem Frankfurter Raum zu stammen. Darüber sei dann auch noch einmal in Gegenwart des Zeugen gesprochen worden.

Wohnung ist Heroin-Depot

Ansonsten werden an diesem zweiten Tag drei Polizisten gehört, die an Durchsuchungen beteiligt waren. In der Wohnung des 34-Jährigen wurde nichts gefunden. Bei seinem Komplizen und in einer von diesem als Depot genutzten dritten Wohnung, stellten die Beamten kleinere Mengen Heroin und Marihuana sicher. Beide beharren auf der Feststellung, von der Polizei durch die Scheinkäufe wieder an Drogen gebracht worden zu sein.

Für Dienstag, 3. Mai, sind die Plädoyers und das Urteil geplant.

 
 

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