Universität Siegen bringt 150 Flüchtlinge in Turnhalle unter

Boris Schopper
Die Turnhalle am Campus Adolf Reichwein wird Notunterkunft für Flüchtlinge
Die Turnhalle am Campus Adolf Reichwein wird Notunterkunft für Flüchtlinge
Foto: WP
Die Dreifachturnhalle am Campus Adolf Reichwein der Uni Siegen wird zur Notunterkunft für 150 Flüchtlinge – zunächst in den Semesterferien bis Mitte Oktober.

Siegen.  Die Universität Siegen bringt in den Semesterferien Flüchtlinge in einer Turnhalle unter. Die Dreifachturnhalle am Campus Adolf Reichwein werde zunächst bis Mitte Oktober zur Notunterkunft für bis zu 150 Flüchtlinge umgewidmet.

Das teilte die Universitätsleitung am Donnerstag mit. Bereits am Montag sollen die ersten Menschen dort Quartier beziehen. Eine Delegation des DRK Siegen-Wittgenstein, das die Unterkunft betreiben wird, war bereits vor Ort. Das Studentenwerk soll für die Verpflegung sorgen.

5000 Flüchtlinge pro Woche in NRW

Ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg bestätigte die Nachricht. Bis zur Jahresmitte kamen 40.000 Flüchtlinge nach NRW – soviel wie im gesamten Jahr 2014. In der ersten Juliwoche 2015 kamen 4406 Menschen nach NRW, in der zweiten Juliwoche 5041. „Bei 5000 Flüchtlingen pro Woche kann man ableiten, wie groß der Handlungsbedarf ist“, sagte Dr. Christian Chmel-Menges. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 waren es 12.000 Menschen, die als Flüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen kamen.

Am Haardter Berg ersteht jetzt die landesweit 22. Notunterkunft (Turnhallen, Jugendherbergen oder alte Schulen) dieser Art. Sie werden genutzt, weil die Erstaufnahmeeinrichtungen wie Burbach, Bad Berleburg, Dortmund oder Unna-Massen überlastet sind. Können sie keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, werden die Menschen temporär in Notunterkünften untergebracht.

„Eine humanitäre Verpflichtung“

Dass der Druck auf die Landesregierung groß ist, macht auch die Eile deutlich, mit der jetzt am Adolf-Reichwein-Campus gehandelt wird. Am Donnerstagmittag gegen 12 Uhr wurde die Universitätsleitung informiert, dass die Turnhalle ab Montag für Flüchtlinge genutzt werde. Am frühen Nachmittag wurden vom DRK, der Feuerwehr, der Polizei und der Bezirksregierung ein Konzept erarbeitet. Das Deutsche Rote Kreuz wird zunächst den Fußboden abdecken, Trennwände aufstellen und Betten aufbauen.

Die Uni Siegen habe angeboten, die Halle zur Verfügung zu stellen, sagt Chmel-Menges. „Für uns ist es eine humanitäre Verpflichtung, dass wir helfen“, so Vize-Kanzler Andreas Düngen. Es habe vor Wochen eine Anfrage seitens der Bezirksregierung an den Kanzler der Uni gegeben. Ulf Richter habe damals zugesagt, die Turnhalle während der Semesterferien für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Die Bezirksregierung hat freilich auch die Möglichkeit solche landeseigenen Liegenschaften zu beschlagnahmen.

Hochschulsport wird abgesagt

Der Großteil der Veranstaltungen des Hochschulsports, die in den Semesterferien stattfinden sollten, muss abgesagt werden. Für einzelne Veranstaltungen prüft die Uni, ob es Ersatzflächen gibt. Die Bereitstellung der Turnhalle komme ausschließlich in der vorlesungsfreien Zeit in Betracht, da sie im regulären Semesterbetrieb mit universitären Veranstaltungen vollständig belegt sei. Semesterbeginn ist am 19. Oktober. „Wir gehen davon aus, dass zum Semesterbeginn Mitte Oktober die Halle wieder für die Universität zur Verfügung steht“, sagte die Medienbeauftragte des Rektorats, Nicole Reschke.

„Wir bereiten einen Empfang vor, um alle Flüchtlinge herzlich willkommen zu heißen und an dieser Stelle eine Willkommenskultur zu schaffen“, so Prorektor Prof. Thomas Mannel. Eine Informationsveranstaltung sei in Planung. Dann solle auch diskutiert werden, inwieweit vor Ort ein Hilfsnetzwerk für die Flüchtlinge aufgebaut werden könne.

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