Uni ist reif für eine medizinische Fakultät

Michael Kunz
Der Rektor im Gespräch mit Initiator und „Geburtstagskind“ Prof. Dr. med. Joachim Labenz (rechts
Der Rektor im Gespräch mit Initiator und „Geburtstagskind“ Prof. Dr. med. Joachim Labenz (rechts
Foto: Michael Kunz

Weidenau.  Einen „brillanten Vortrag“ nannte Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Medizinischer Direktor des Diakonie Klinikums und Dozent an der Universität Siegen, das, was Prof. Dr. Holger Burckhart am Samstagmittag zum Thema „Medizinische Fakultäten – ein Plädoyer für eine Regionalisierung“ zu sagen hatte. Labenz, der an diesem Tag seinen 60. Geburtstag feierte, versicherte, „meine ganze zweite Lebenshälfte“ für die Einrichtung einer medizinischen Fakultät in Siegen einzusetzen.

Vor zahlreichen Kollegen, Medizinern und interessierten Zuhörern aus Politik und Wirtschaft skizzierte der Rektor der Universität im Artur-Woll-Haus die Möglichkeiten, in Siegen eine medizinische Fakultät zu errichten. Im Vergleich etwa zur Lehrerausbildung, die sich regelmäßig erneuere, sei die der Mediziner an Vorgaben ausgerichtet, die „ungefähr so alt sind wie unser Kollege“, spielte Burckhart auf den 60. Geburtstag Prof. Dr. med. Joachim Labenz’ an. Ob es denn aber auf Dauer sinnvoll sein könne, eine ganze Studienrichtung nur an großen und traditionellen Standorten zu konzentrieren oder nicht doch im Sinne der Beteiligten und der Menschen in die Region zu gehen, fragte der Referent, um gleich selbst die Antwort zu geben. Siegen habe die Möglichkeiten und die Menschen, um so etwas zu verwirklichen.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich viel getan, „schon unter meinem Vorgänger Schnell“, und dann auch in den sieben Jahren, „seit denen ich mich hier Rektor schimpfen darf“, formulierte Burckhart ähnlich hemdsärmelig, wie er sich auch in Sachen Kleidung von den vielen dunklen Anzügen und Kostümen deutlich abhob.

Digitalis und Digitales

Die medizinische Ausbildung der Zukunft könne nicht unter dem Druck der großen Fakultäten erneuert werden, sie brauche willige und engagierte Leute in kleinen Teams und Einheiten, die etwas Neues schaffen wollten. Dazu sei Siegen mehr als bereit. „Gehen wir es also an“, rief er unter großem Beifall in den voll besetzten Raum.

Unter der Überschrift „Medizin im Wandel“ ging es am Samstag auch um spezifische Aspekte der Aus- und Weiterbildung, um „Klinische Medizin – Aktuelle Entwicklungen“, sowie „Medizin & Ökonomie“. Unter anderem ging Prof. Dr. med. Veit Braun beim Thema „Das Krankenhaus der Zukunft“ auf die Herausforderungen ein, die etwa dadurch entstünden, dass Patienten „heute sehr viel mobiler sind und auch schon einmal 100 Kilometer und mehr für eine Diagnose fahren“.

Prof. Dr. Rainer Brück sprach über die in Siegen seit 2012 stark verankerte Medizininformatik als eine „neue Disziplin mit wachsender Bedeutung“. Medizinische Aspekte von Informatik würden überall gelehrt. Der Schwerpunkt von mehr als 50 Prozent gebe Siegen aber mit vier anderen Standorten eine herausragende Stellung,. Brück hob die Vernetzung der Universität mit Unternehmen und Verbänden hervor und wies zugleich auf die Wichtigkeit der Informatik für die Medizin hin. Aktuell komme oft noch zu Missverständnissen, weil die Programme nicht auf die spezifischen Anforderungen von Medizinern ausgerichtet seien. Es müsse möglich sein, mit der Siegener Ausbildung „Digitalis und Digitales“ aufeinander abzustimmen.

Prof. Dr. Joachim Labenz: Engagiert für den Ärzte-Nachwuchs in der Region 

Aufgewachsen in Hamm (Westfalen), studierte Joachim Labenz in Mainz Humanmedizin, machte an der dortigen Uni-Klinik den Doktor. Er arbeitete im St. Elisabeth-Krankenhaus als Assistenz-, Funktionsober- und Oberarzt, wurde Professor an der Universität Essen. Nach 13 Jahren wechselte er 1997 als Chefarzt der Medizinischen Klinik ins Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus.

Neben zahlreichen Forschungsarbeiten schrieb Labenz mehr als 200 wissenschaftliche Artikel sowie zahlreiche Bücher und Buchkapitel. Labenz ist Gutachter wissenschaftlicher Zeitschriften, lehrt Medizinische Informatik an der Uni Siegen und Innere Medizin an der Uni-Klinik Essen. Er ist Vorsitzender der Sektion Gastroenterologie im Berufsverband Deutscher Internisten (BDI), Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Leitender Gastroenterologischer Krankenhausärzte (ALGK) sowie Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Er gründete die „Gisela und Joachim Labenz Stiftung zur Förderung des Medizinnachwuchses im Siegerland“. Aus der Stiftung und den Spenden werden Stipendien für Medizinstudenten aus der Region finanziert, die der Region verbunden sind und sich verpflichten, nach Abschluss ihres Studiums hier ärztlich tätig zu werden. .